Lichtenfels
Vorstellung

Auch der Meister lernt noch dazu

Beim TV Oberwallenstadt war beim Tag der offenen Tür ein berühmter Großmeister zu Gast. Der sich nicht kämpferisch gab, sondern philosophisch.
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Großmeister Efstratios Papadellis (links) schaut den Schülern beim Training zu. Fotos: Markus Häggberg
Großmeister Efstratios Papadellis (links) schaut den Schülern beim Training zu. Fotos: Markus Häggberg
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Efstratios Papadellis sieht das so: Ein Meister ist ein Schüler, der sich eingesteht, dass er nie auslernen wird. Dass ausgerechnet er das sagt, hat nichts Kokettes an sich. Bevor der Mann sich am Samstag nach dem Tag der offenen Tür im Sportheim des TV Oberwallenstadt zu Tisch begibt, sorgt er für eine Anekdote, die ihn glaubwürdig macht.

Eine Stunde vorher versagte ein Blaugurtträger als einziger Kampfsportler beim Bruchtest. Er führte eine Übung so ungenau aus, dass die drei Zentimeter dicke Holzplatte beim Schlag gegen sie nicht kaputt ging. Papadellis begab sich, als die anderen Kampfsportler schon längst beim Buffet waren, zu dem Blaugurtträger, um diesem das Erfolgserlebnis an diesem Tag doch noch zu ermöglichen.

Er motivierte ihn, schärfte ihm die richtige Bewegung ein und ließ ihm Zeit zum Sammeln der Kräfte.
"Sonst hätte er heute seinen Tag mit einem Misserfolg beendet", so die Begründung Papadellis.
Der Grieche ist ein Prominenter in der Taekwon-Do-Szene, bekannt auch aus Fachzeitschriften. Er leitet das International Taekwon-Do Black Belt Center in Erlangen und fühlt sich den traditionellen Gedanken dieses Sports verpflichtet. Natürlich ist er Schwarzgurtträger, Meister also. Wenn´s nur das wäre - er steht sogar noch sechs Stufen über dem schwarzen Gurt. Er trägt den 6. Dan.

Aus fünf fränkischen Städten

Die Luft ist stickig, die Kameralinse beschlägt. Aus fünf fränkischen Städten führen Kampfsportler des Teakwon-Do Zuschauern vor, wie sehr ihnen ihre Bewegungen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheinen. Das ist schweißtreibend, die Luft in der Turnhalle des TVO ist verbraucht. Eine Stunde lang dauert üblicherweise ein Training in diesem Sport.

60 Minuten, in denen Männer und Frauen in konzentrierter Selbstvergessenheit den Hand-/Fußweg beschreiten. Hand- und Fußwege, so lässt sich das koreanische Taekwon-do etwas sperrig übersetzen. Hand und Fuß werden eingesetzt, um einen Weg aus einer Gefahr oder hin zum persönlichen Wachstum zu beschreiten. Disziplin, Höflichkeit, Konzentrationsfähigkeit oder Durchhaltevermögen, all dies fördere dieser Sport, so Papadellis. Minuten vorher hat er mit seiner rechten Faust einen Ziegelstein zertrümmert.

Taekwon-Do ist ein Randsport. Das erklärte die Anzahl der Zuschauer. Aber die gekommen waren, sahen Vorführungen voller Schnelligkeit, Reaktionsvermögen und Wehrhaftigkeit. Vor allen Dingen den geistigen und charakterbildenden Elementen räumt Papadellis Gewicht ein. Damit gibt er eine philosophische Richtung vor, hinter der sich noch weitere Schulen oder Vereine versammeln. Die sich dazu bekennen, gliedern sich ins International Taekwon-Do Black Belt Center ein. Einer dieser Vereine ist der TV Oberwallenstadt.

In dessen Taekwon-Do-Sektion ist Johannes Steinböck Schwarzgurt und Inhaber des 2. Dan. "Man muss sich respektvoll verhalten", skizziert er das, was Taekwon-Do seiner Erfahrung nach fördert. "Es ist gut gegen die Überflutung, der Kopf wird leer gemacht. Ziel ist es, beim Training eine Stunde verstreichen zu lassen, dann hat man eine Stunde meditiert ohne es zu merken." Das Meditieren ist rasant. Unterschiedlichste Formen und Aufstellungen für die Abwehr von Schlägen oder Tritten, selbst von Stöcken oder Messerattacken, gibt es. Dazu Hebel- oder Falltechniken. Je akkurater sie ausgeführt werden, desto ästhetischer und wirkungsvoller sind sie.

Wehrhaftigkeit durch Schönheit der Bewegung. "Wenn das Brett kaputt geht, bedeutet das, dass die Technik wirkungsvoll ist", so Steinböck. Die Veranschaulichung der Kraft hinter der korrekten Ausführung unterschiedlichster Bewegungsabläufe. Auch ein Zehnjähriger und auch zierliche Frauen brachten beim Bruchtest dicke Holzplatten zum Bersten.

Neugierig bleiben

Papadellis ist Grieche. 60 Jahre ist er alt und sagt, er sei noch nie krank gewesen. Wenn er seine Hände auf den Tisch legt, ist zu erkennen, dass seine rechte Faust in seinem Leben schon öfter mit Ziegelsteinen in Berührung kam. Nie habe er sich verletzt, so der Mann mit dem 6. Dan. Geschmeidigkeit, Bewegungsfähigkeit im Alter, sogar das Beibehalten einer Neugierde am Leben, stelle eine allgemeine Folge seines Sports dar.

"Seit 43 Jahren mache ich die Sportart ohne Pause", so der Geschäftsführer eines Erlanger Black Belt Centers. Seit 45 Jahren lebt er in Deutschland und hat drei Generationen unterrichtet. Die wiederum finden selbst Anhänger. "Ich bin ihr Großvater", sagt Papadellis lachend. Zweimal war er in seinem Leben in Korea, um dem Wesen seines Kampfsports besonders nah zu sein.

Drei Dans fehlen ihm noch, um die höchste mögliche Stufe dieses Sports zu erreichen. Darum gehe es ihm nicht mehr, er freue sich mehr über die Fortschritte seiner Schüler, sagt der fidele Senior.

Nicht den Kampf suchen

Ein Philosoph, der davon spricht, dass der beste Kampf der ungekämpft gebliebene sei. "Man entwickelt eine Aura", erklärt Papadellis. Eine Aura, die sich in Selbstbewusstsein niederschlage. Das würde man ausstrahlen. Und man entwickele auch eine Intuition dafür, wann Gefahr in Verzug sei. Dann könne man auch aus dem Weg gehen, man müsse niemandem etwas beweisen. Die Intuition habe ihn auch zu Taekwon-Do geführt. Karate, Judo, Aikido - alles gut. Aber sein Herz gehöre dem Taekwon-Do. Intuitiv.

Vielleicht, weil es Verknüpfungen nach Griechenland gibt. So um die Zeit, als Alexander der Große in Asien unterwegs war, habe sich diese Selbstverteidigungsart entwickelt. Zudem habe das koreanische und das griechische Alphabet jeweils 24 Buchstaben. Bei der Vorstellung, dass auch die Koreaner Griechen sind, lachen seine Augen.
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