Ebensfeld
Tiermast

Antibiotika-Gesetz ärgert Lichtenfelser Bauern

Ein neues Gesetz zum Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung sorgt bei den Landwirten im Lichtenfelser Landkreis für Unmut. Sie fürchten zusätzliche Arbeit. Der Gesetzgeber sieht es als "Instrument der Transparenz".
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Rindermäster Jochen Finkel befürchtet, dass sich sein Bürokratieaufwand noch erhöht. Foto: Thomas Heuchling
Rindermäster Jochen Finkel befürchtet, dass sich sein Bürokratieaufwand noch erhöht. Foto: Thomas Heuchling
Wer eine Infektionskrankheit hat, der bekommt vom Arzt Antibiotika verschrieben. Das gilt für Mensch und Tier. Doch zunehmend verlieren Antibiotika ihre Effizienz. Dazu heißt es in einer Presseerklärung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums: "Jedoch nehmen auch in Deutschland die Fälle von Antibiotika-Resistenzen zu."
Um den Einsatz dieser Medikamentengruppe in der Tiermast zu reduzieren und so Resistenzen vorzubeugen , gibt es seit dem 1. April eine Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle). Sie betrifft Betriebe, ab einer bestimmten Größe, die Schweine, Rinder oder Geflügel mästen.

Somit auch den Betrieb von Jochen Finkel bei Ummersberg. Rund 330 Bullen hat er in seinem Stall. Er könne nur für den Bereich der Rindermast sprechen und dort spielen Antibiotika kaum eine Rolle. "Krankheiten werden bei uns vorbeugend bekämpft", sagt Finkel.
Dabei seien Futter-Hygiene, Belüftung, Helligkeit und Sauberkeit des Stalls wichtig. Ein weiterer vorbeugender Schritt sei die Impfung gegen die Rindergrippe, die nach ärztlicher Freigabe und durch eine Impfgenehmigung des Landratsamt, erfolgt.

Nach Schätzung des 26-jährigen Landwirtes werde bei ihm eines von 50 Rindern krank. Dann rufe er den Tierarzt. Und nur der Mediziner könne den Einsatz von Antibiotika erlauben. Bekommt ein Tier solche Medikamente, dann gebe es eine Sperrfrist bis zu 56 Tagen, an denen es nicht geschlachtet werden darf, erklärt Finkel.
Die Kontrollen sind nach seiner Meinung schon mehr als ausreichend und die Gesetzesänderung bedeute für ihn zusätzlichen Arbeitsaufwand. Deshalb verstehe er die ganze Diskussion nicht so recht.

Daten gegen Resistenzen

Laut bayerischem Landwirtschaftsministerium sei das Ziel der 16. AMG-Novelle, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung deutlich zu minimieren. Wie dies funktionieren soll, erklärt Andreas Grosch, der Pressesprecher des Lichtenfelser Landratsamt, so: Halter von Masttieren (Rinder, Schweine, Hähnchen, Puten) melden den Einsatz von Antibiotika bei ihren Tieren an eine staatliche Datenbank (www.hi-tier.de). Daraus soll für jeden Betrieb und jede Tierart der Antibiotika Einsatz für ein halbes Jahr ermittelt werden.

Die Zahlen seien bundesweit vergleichbar. Bei Betrieben, die bestimmte Kennzahlen überschreiten, könnten die zuständigen Kontrollbehörden Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene oder Gesundheitsvorsorge der Tiere anordnen. Diese Maßnahmen sollen sich auf die Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes auswirken. Im Extremfall könne das Ruhen der Tierhaltung angeordnet werden.

Doppelt oder sogar Dreifach

Ähnliche Daten gebe es schon, sagt Finkel. Er führe ein Arzneimittelbuch, in das jede Anwendung von Antibiotika eingetragen werde. Zudem müsse er zahlreiche andere Unterlagen pflegen. Außerdem kontrolliere das Veterinäramt seinen Betrieb und kenne ihre "schwarzen Schafe" im Landkreis.

Um zu zeigen, wie groß sein Bürokratieaufwand jetzt schon ist, geht er in den Stall. Der hat ein vorgelagertes Büro. Sieben dicke Aktenordner stehen dort in einem Schrank. "Die sind nur aus dem vergangenen Dreiviert eljahr", sagt Finkel. Bei der Gesetzesänderung sieht er vor allem eines: "Der Betrieb wird wieder ein Stück mehr durchleuchtet und es kommt mehr Arbeit auf uns zu."

Zudem sei der Einsatz von Antibiotika teuer und eine übermäßige Anwendung würde auch finanziell keinen Sinn machen. Finkel rechnet vor: Wenn er 300 Euro Gewinn pro verkauftem Tier mache, dann sei das schon ein ziemlich guter Wert. Eine dreitägige Antibiotika-Therapie koste pro Tier und je nach Krankheit zwischen 50 und 150 Euro. Eines ist Jochen Finkel wichtig: "Ich habe nichts zu verheimlichen. Jeder kann jederzeit auf meinen Hof kommen und in den Stall gucken."

Ähnlich wie sein Kollege Jochen Finkel sieht Schweinemäster Thomas Quinger aus Zilgendorf das neue Gesetz. Er hat auf seinem Hof rund 2000 Ferkel. Auch er führt ein Arzneimittelbuch und Antibiotika gebe es auch bei ihm nur nach Genehmigung des Arztes. "Es bringt nur doppelte Arbeit für uns und keine Verbesserung", so Quinger.

Landwirte sind unsicher

Die sammeln Daten, aber wie es weitergeht, dass weiß keiner", sagt Quinger. Er war in dieser Woche auf einer Informationsveranstaltung des Landratsamtes zu diesem Thema. Die Stimmung unter den Kollegen beschreibt er als schlecht. Auch Hans-Jürgen Rebelein, der Geschäftsführer des bayerischen Bauernverbandes in Coburg, war auf dieser Veranstaltung.

Er sieht die AMG-Novelle skeptisch: "Es wurde ein verwirrendes Bürokratie-Monster geschaffen, bis jetzt zumindest." Er bemängelt das beim Thema Antibiotika-Resistenzen die Landwirtschaft nur als kleiner Teil herausgegriffen werde. Auch in der Humanmedizin und bei Kleintieren gebe es Handlungsbedarf. Ein weiteres Problem seien die unklaren Grenzen. "Viele Landwirte wissen gar nicht, ob sie überhaupt von der Änderung betroffen sind."

Grenzwerte für das Gesetz und betroffene Betriebe

Meldepflicht Betriebe, die im Durchschnitt eines halben Jahres mehr als 20 Mastrinder, 250 Schweine/Ferkel, 1000 Puten oder 10.000 Puten halten, sind vom neuen Gesetz betroffen und meldepflichtig.

Landkreis Nach Schätzung des Veterinäramtes sind davon im Landkreis Lichtenfels betroffen: 1. Mast hänchen-Halter, 21 Schweine haltende sowie 31 Rinder haltende Betriebe (nicht nur um reine Mastbetriebe).
























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