LKR Lichtenfels
Kreishandwerkerschaft

Ansprechpartner fürs Handwerk sein

Danny Dobmeier ist seit gut einem halben Jahr Geschäftsstellenleiter für die drei Kreishandwerkerschaften Coburg, Kronach und Lichtenfels.
Artikel drucken Artikel einbetten
Danny Dobmeier ist viel unterwegs. Seit März leitet der Diplom-Politologe die drei Geschäftsstellen der Kreishandwerkerschaften Kronach, Coburg und Lichtenfels. Foto: Popp
Danny Dobmeier ist viel unterwegs. Seit März leitet der Diplom-Politologe die drei Geschäftsstellen der Kreishandwerkerschaften Kronach, Coburg und Lichtenfels. Foto: Popp
+1 Bild
"Handwerk macht Sinn." Das sagt ausgerechnet einer, der gar kein Handwerker ist, sondern Politikwissenschaftler. Doch Danny Dobmeier, Sohn eines Handwerkers und neuer Geschäftsstellenleiter der Kreishandwerkerschaften Coburg, Kronach und Lichtenfels, kennt sich im Handwerk sehr gut aus. "Das Handwerk brummt, die Betriebe können sich vor Aufträgen nicht retten", betont er. Trotzdem hat das Handwerk Sorgen. Es mangelt an Fachkräften. Es mangelt an Auszubildenden, an Nachfolgern für die Leitung eines Betriebes. Hier setzen die Aufgaben Dobmeiers an. Er ist bei der Handwerkskammer für Oberfranken angestellt und regelmäßig als Ansprechpartner vor Ort: montags und dienstags in Kronach, mittwochs in Coburg, donnerstags und freitags in Lichtenfels. Die Geschäftsstelle ist darüber hinaus mit einer Bürokraft besetzt. Und wenn jemand eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlässt, werde definitiv auch zurückgerufen, betont der Chef der drei Geschäftsstellen. Die Struktur ist neu. Durch die Bündelung können Personalkosten gespart werden und die Kammer unterstützt die Handwerker wohnortnah. Wer in die Geschäftsstelle in der Mainau kommt, für den soll sich in den meisten Fällen der Weg nach Bayreuth erübrigen, egal, ob es sich um grundsätzliche Fragen zur Ausbildung, Bescheinigungen für die Rentenversicherung oder um Tarifauskünfte handelt. Bei Letzteren plädiert Dobmeier ohnehin für Transparenz, denn die Rahmenbedingungen der Arbeit können für Betriebe existenziell wichtig werden: "Wenn Du die Mitarbeiter nicht ordentlich behandelst und bezahlst, bekommst Du keinen Menschen mehr." Gute Kräfte zu bekommen und zu halten wird seiner Ansicht nach zunehmend auch das Ergebnis individueller Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein.

Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit sieht Danny Dobmeier in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Kreishandwerkerschaft Lichtenfels vertritt rund 150 Betriebe aus neun verschiedenen Innungen. Nicht alle Innungsbetriebe sind groß genug, um beispielsweise auf Ausbildungsmessen Präsenz zu zeigen. Da ist eine kompetente Vertretung willkommene Unterstützung. Dass der Diplom-Politologe glaubhaft die Werbetrommel für Handwerk und Region rühren kann, lässt ein Blick in seinen Lebenslauf annehmen. Er stammt aus einem handwerksähnlichen Betrieb im thüringischen Sonneberg. Er hat in Berlin studiert und dort viele Jahre im politischen Bereich gearbeitet, zuletzt als Büroleiter einer CDU-Bundestagsabgeordneten. Nachdem diese sich entschlossen hatte, bei der Wahl 2017 nicht mehr zu kandidieren, war für Dobmeier der Zeitpunkt gekommen, seinen Wunsch nach einer Rückkehr in die Heimatregion zu verwirklichen. Berlin sei eine internationale, hippe Stadt, in der nach wie vor Aufbruchstimmung zu spüren sei, betont er. Aber er selbst könne der hiesigen Region eben sehr viel Lebensqualität abgewinnen. Man sehe es ihm doch an, setzt er lachend hinzu, dass es für ihn eine Genussregion sei.

Er macht da keinen Unterschied zwischen Oberfranken und Südthüringen, auch nicht zwischen den drei Landkreisen, deren Handwerker er nun vertritt. Auch wenn er in der Zunftgeschichte nachgelesen hat, dass es da schon immer ein gewisses Konkurrenzdenken gegeben haben soll. Für ihn ist es eine Region, für die er sich als "Ossi mit fränkischem Zungenschlag" (so seine eigene humorvolle Definition) einsetzen möchte. Künftige Konflikte und Konkurrenzsituationen sieht er denn auch nicht zwischen diesen Gegenden, sondern eher zwischen dem ländlichen Raum und den großen Städten. Das Handwerk hat das Potenzial, ein Teil der Lösung zu sein, so seine Überzeugung. Ein leichter Aufwärtstrend bei den in den letzten Jahren sinkenden Ausbildungszahlen mag ein Hoffnungsschimmer sein.

"Ich kenne Politikwissenschaftler, die heute Taxi fahren", sagt Dobmeier. Und er kenne Leute, die Abi gemacht und BWL studiert haben, weil es Vater oder Mutter so wollten, und die später auf ein Handwerk umgesattelt haben. Denn: "Handwerk macht Sinn." Am Ende des Tages könne man sehen, was man gemacht hat, egal, ob es Brezeln, ein Schrank oder eine Mauer waren. Die Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen, seien groß. Sich selbstständig machen, vielleicht auch einen bestehenden Betrieb übernehmen (Dobmeier sieht sich hier auch als Vermittler): Das Handwerk biete jungen Leuten viele Chancen, ganz gleich, ob sie von der Mittelschule, Realschule oder vom Gymnasium kommen. "Der Satz ‚Handwerk hat goldenen Boden‘ ist aktueller denn je!"
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren