Lichtenfels
Haftstrafe

Angeklagte aus Lichtenfels steht vor dem Abgrund

Eine 49-Jährige aus Lichtenfels wurde vom Landgericht Coburg wegen versuchter räuberischer Erpressung, Körperverletzung und Diebstahls verurteilt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Sachverständigengutachten bescheinigt der 49-jährigen Frau aus Lichtenfels ein massives Alkoholproblem. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Ein Sachverständigengutachten bescheinigt der 49-jährigen Frau aus Lichtenfels ein massives Alkoholproblem. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Erst einmal eine anderthalbjährige Haftstrafe antreten muss die stadtbekannte Frau aus Lichtenfels, die schon seit Jahren durch Pöbeleien und derbe Beleidigungen wieder und wieder auffällig geworden ist. Wie es nach dem Gefängnis weitergeht, hängt letztlich von der 49-Jährigen ab.

Nach den Worten von Christoph Gillot, Vorsitzender Richter am Landgericht Coburg, bleiben der inzwischen obdachlosen Frau nur noch zwei Wege: "verzögerter Selbstmord durch Alkohol" oder "doch noch die Kurve kriegen". Gillot verwies auf ein Sachverständigengutachten, das der Frau ein massives Alkoholproblem bescheinigt.

Teufelskreis aus Straftaten

"Langjähriger Alkoholmissbrauch hat zu einer hirnorganisch bedingten Persönlichkeitsstörung geführt", betonte Verteidiger Thomas Gärtner. Er war sich kurz vor der Urteilsverkündung am Montag mit der Strafkammer und Staatsanwalt Philip Pasch einig darin, dass allein eine Therapie sowie ein gesetzlich bestellter Betreuer der Angeklagten die Chance auf ein halbwegs normales Leben eröffnen könnte.

Andernfalls bleibt die 49-Jährige nach Überzeugung des Richters in einem Teufelskreis aus Straftaten und daraus resultierenden Haftstrafen gefangen: "Nach ihrer letzten Entlassung aus dem Gefängnis ist die Frau schon nach kurzer Zeit wieder straffällig geworden", betonte Gillot. Sie habe sich nicht im Griff, mittlerweile schon unabhängig davon, ob sie Alkohol getrunken hat oder nicht.

Was die jüngsten Straftaten betrifft, kam die Kammer zu dem Schluss, dass sich die 49-Jährige der versuchten räuberischen Erpressung, der Körperverletzung und des Diebstahls schuldig gemacht hat.

Blinde Frau bedroht

Am schwersten wiegt für die Kammer Ersteres: Sie habe am Telefon eine ihr bekannte Frau bedroht - unter anderem mit den Worten "Ich breche dir das Genick". Damit wollte die Angeklagte erreichen, dass die Frau ihr Geld gab. Bei der bedrohten Person handelt es sich um eine blinde Frau, deren Mann sich auf ein Verhältnis mit der Angeklagten eingelassen hatte. Eine Auseinandersetzung mit der behinderten Frau hatte der 49-Jährigen schon vor etwa zwei Jahren eine Haftstrafe eingebracht.

Heftige Bisswunde

Unstrittig war für das Gericht auch, dass die Beschuldigte einen Krankenpfleger in den Arm gebissen hatte, als dieser sie auf ärztliche Anordnung gemeinsam mit einem Kollegen im Bezirksklinikum Kutzenberg fixieren wollte. In diesem Fall waren die Zeugenaussagen eindeutig. Ein Arzt bestätigte, dass es sich um eine heftige Bisswunde gehandelt habe.

Bei den übrigen Anklagepunkten ging es um Vorfälle innerhalb der Lichtenfelser Obdachlosen- und Trinkerszene. Einem der Nachbarn im Obdachlosenquartier soll die Frau einen Stein an den Kopf geworfen und ihn bei anderer Gelegenheit mit einem Küchenmesser bedroht haben. Dazu kam eine Auseinandersetzung mit dem Nachbarn, weil sie dessen Hantel haben wollte.

Sturzbetrunkener Zeuge

Den Zeugenaussagen zu diesen Fällen fehle es einfach an Glaubwürdigkeit, musste auch Staatsanwalt Pasch feststellen. Einer der Zeugen war sogar so betrunken vor Gericht erschienen, dass er kaum noch einen zusammenhängenden Satz hervorbrachte.

"Den Steinwurf konnten wir der Angeklagten nicht nachweisen", lautete Paschs Fazit. Ebenso gebe es keine Belege dafür, dass die 49-Jährige ihren Nachbarn mit einem Messer habe verletzen oder gar töten wollen. Nach Auffassung des Gerichts hatte es bei diesen Vorfällen keine geringe Rolle gespielt, dass die Mitbewohner der Obdachlosenunterkunft von der Frau einfach genervt waren. Sie hätten sie loshaben wollen.

Richter Gillot sieht es als "letzte Chance" für die Angeklagte, sich einer Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung zu unterziehen. "Das wird ein sehr langer und sehr schwieriger Weg", meinte er. Seine Zweifel daran, dass die 49-Jährige noch den Willen und die Energie zu einem nachhaltigen Kurswechsel aufbringen kann, verhehlte Gillot nicht.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren