Lichtenfels
Ehemaliges Altenheim

Altenheim: Das Wort Abriss steht im Raum

Es muss endlich etwas geschehen mit dem Gebäude Nordgauerstraße 2. Da ist sich der Stadtrat einig. Doch was und wie? Da gehen die Meinungen auseinander.
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Das leerstehende Altenheim der Maiacher Stiftung in Lichtenfels, Nordgauerstraße 2
Das leerstehende Altenheim der Maiacher Stiftung in Lichtenfels, Nordgauerstraße 2
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Die Stadt Lichtenfels verabschiedet abermals einen Haushalt, in dem viel investiert wird. Impulse setzen, sich nicht auf Erreichtem ausruhen: Das beschwor der Bürgermeister in seinen einleitenden Worten. Lichtenfels soll noch familienfreundlicher und noch seniorenfreundlicher werden. Zwischen dem, was sich so gut anhört, tut sich binnen weniger Minuten aber auch ein wunder Punkt auf: Das ehemalige Altenheim steht leer und verfällt. Nachdem Ende vergangenen Jahres ein möglicher Investor nach fast einjährigem Ausloten abgesprungen war, wird jetzt eine öffentliche Ausschreibung vorbereitet - "zur Realisierung von betreutem Wohnen und Tagespflege", wie es in dem Stadtratsbeschluss heißt. Gleichzeitig muss in einem komplizierten Verfahren das konkrete Vermögen der Maiacher Stiftung ermittelt werden. Denn aus dem 1967 vom Ehepaar Nordgauer verfassten, 23-seitigen Erbvertrag geht das nicht so ohne Weiteres hervor. Die Stiftungsaufsicht am Landratsamt ist eingeschaltet. Aus dem Vermögen im Wert von rund 3,25 Mio. Euro wurden drei Altenwohnhäuser sowie das ehemalige Altenheim geschaffen. Es sind aber sowohl Stiftungsmittel, als auch Finanzmittel der Stadt und öffentliche Fördermittel eingesetzt worden. Ein Gutachten, das der Wertermittlung und Klärung der Vermögenssituation der Stiftung dient, soll laut Auskunft der Stadtverwaltung in drei Monaten vorliegen. Betont wurde: Das mit der Ausschreibung angestoßene offene Bieterverfahren nehme dem Stadtrat nicht das Heft aus der Hand. Doch allein schon, dass auch das Wort Abriss in dem Gedankenspiel vorkam, ließ die Diskussion emotional werden.

Die Stadt könne nicht alles abdecken, hatte Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) zum Haushaltsentwurf angemerkt. Für den Wohnungsbau etwa habe man sich Partner suchen müssen. Als Beispiele nannte er das Projekt Kirchgasse, das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, die Pläne für St.-Veit- und Konrad-Adenauer-Straße. Die Bereitstellung weiterer Wohn- und Gewerbeflächen zählte er zu den Herausforderungen der kommenden Jahre. Als "enorm wichtig" bezeichnete er es, "dass wir Senioren etwas anbieten können" - auch im Hinblick auf die Nachnutzung des Gebäudes Nordgauerstraße 2. Das letzte Puzzlestück des vor dem Neubau des Pflegeheimes mit dem BRK erdachten "Lichtenfelser Modells" fehlt noch: barrierearme, seniorengerechte Wohnungen mit Betreuung beziehungsweise Service. Nach einer schon 2012 von einem Architekturbüro präsentierten Studie wären etwa 50 Wohnungen in dem aus den 1970er-Jahren stammenden Gebäudekomplex machbar. Eine erste grobe Kostenschätzung belief sich auf sechs Millionen Euro.

"Wir können das nicht leisten, weder finanziell noch personell", betonte Hügerich. Aus seiner eigenen Fraktion kamen indes sehr kritische Stimmen. Warum es nicht möglich sein sollte, das in Eigenregie zu stemmen, fragte sich Helmar Zipp. Vor allem brauche man eine Institution, die nicht auf Gewinn aus ist, denn sonst sei es fraglich, ob tatsächlich für alte Menschen finanzierbarer Wohnraum entsteht. Den Gedanken einer Wohnbaugesellschaft brachte Arnt-Uwe Schille erneut in die Diskussion ein. Dietmar Heinkelmann kündigte an, niemals einem Abriss zuzustimmen. Während er von "Tafelsilber" sprach, das man nicht weggeben dürfe, konterte CSU-Fraktionssprecher Frank Rubner, es handele sich eher um "Blech" und er sah keine guten Chancen für eine Sanierung. Robert Gack (CSU) versuchte, zu vermitteln: Man sei auf dem richtigen Weg. Es gelte, endlich weiterzukommen, um eine vernünftige Lösung zu finden. Die Mehrheit trug schließlich die vorgeschlagene Vorgehensweise mittels Ausschreibung mit - es gab drei Nein-Stimmen.



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