Lichtenfels
Gericht

Alkohol wirft ihn aus der Bahn

Mit 14 Jahren hat er angefangen, mit 46 kann er's nicht lassen: "Quartalstrinker" bekommt Bewährungsstrafe.
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Immer wieder bringt der Alkohol den Angeklagten zum Straucheln. Foto: Daniel Naupold/dpa
Immer wieder bringt der Alkohol den Angeklagten zum Straucheln. Foto: Daniel Naupold/dpa

"Ich hab' die Schnauze voll, bin 46 und davor, wieder alles zu verlieren." Worte eines frustriert wirkenden Angeklagten, der sich am Dienstag wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr zu verantworten hatte.

Mit 2,1 Promille auf dem Rad

Tatsächlich ist das Hauptproblem des Mannes aus dem nördlichen Landkreis der Alkohol, der ihn eigenen Worten zufolge schon seit seinem 14. Lebensjahr begleitet. Er fuhr nächtlich Fahrrad und nahm somit am 1. Mai dieses Jahres am Straßenverkehr in Lichtenfels teil. Mit 2,1 Promille. Seine Art zu fahren fiel einer Polizeistreife auf, und die stellte den Mann zur Rede. Gesprächig zeigte sich der Angeklagte vor Richter Alexander Zenefels und Staatsanwalt Matthias Jakob. "Mein Problem ist halt (...) der Alkohol. Schon ein paarmal war ich auf Therapie", bilanzierte der schüchtern wirkende Mann neben seinem Verteidiger Roland-Stephan Lehnert sitzend. Was er vorbrachte, war auch ein Blick in private Einsamkeit. "Ich hatte keine Kontakte, keine Freunde, da fing ich wieder an zu trinken. Seit 2017 war ich in dem Fahrwasser."

Tatsächlich landete der Mann vor Jahren schon einmal mit 1,97 Promille radelnd im Graben. Seit seiner frühen Jugend trinke er, so der in der Produktion beschäftigte Mann, der angab, neben väterlichem Alkoholismus auch väterliche Gewalt erlebt zu haben. Doch nur Opfer ist der Mann kaum, denn im Laufe der Zeit brachte er es auf 33 Einträge im Bundeszentralregister, u.a. wegen Diebstahls, Betäubungsmittelvergehens, Beleidigung, Körperverletzung oder eben fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr. Vieles davon ist erledigt, auch "gesessen" hat der Mann schon.

Ein "Quartalstrinker"

"Sie haben kein unerhebliches Strafregister", bemerkte Richter Alexander Zenefels. "Was war denn das Schlimmste, was Sie jemals gemacht haben, Ihrer Meinung nach?", wollte er von dem Angeklagten wissen, und dieser benannte einen Vorfall, den er irrtümlich als bloße Körperverletzung einschätzte: "Ich habe jemanden geschlagen und Geld gefordert, was ich ihm geliehen habe." Nach Auskunft eines Bewährungshelfers handele es sich bei dem 46-Jährigen um einen "Quartalstrinker", der aber doch heute einen Unterschied zu seinem Selbst von vor Jahren machte.

Immer nur als Aushilfs- und Leiharbeiter tätig, habe er es nun zu einer Festanstellung und mehr Kontinuität im Leben geschafft. Das eben rechtfertige eine diesmal günstigere Sozialprognose. So jedenfalls sah es Staatsanwalt Matthias Jakob, der vier Monate Haft zur Bewährung forderte. "Aber mit Auflagen, die sollen auf jeden Fall sehr, sehr knackig sein", so der Ankläger weiter, denn: "Bei Ihnen ist es wirklich sehr, sehr knapp mit dem Gefängnis." Darum soll der Mann vier Jahre lang unter Aufsicht eines Bewährungshelfers bleiben und 1000 Euro Geldauflage zahlen. Dass sich die positive Sozialprognose auf den Umstand einer festen Arbeit stütze, erklärte auch Zenefels. Er verhängte exakt das von Jakob geforderte Strafmaß. Weil "eine Bewährungsstrafe spürbare Folgen haben sollte".

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