Lichtenfels
Aids-Parcours

Aids-Parcours in Lichtenfels: Ein Sieger schlüpft ins Peniskostüm

Rund 250 Schüler aus dem Landkreis haben in dieser Woche an der Präventionsaktion in Lichtenfels teilgenommen.
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Ein Teilnehmer aus der Siegergruppe durfte in ein Peniskostüm schlüpfen: Mit auf dem Bild sind die Mitarbeiter der veranstaltenden Organisationen (von links), Laura Hornung, Jasmin Seiler, Britta Huse-Dürrast, Sabine Wegner und Tina Kosuch.
Ein Teilnehmer aus der Siegergruppe durfte in ein Peniskostüm schlüpfen: Mit auf dem Bild sind die Mitarbeiter der veranstaltenden Organisationen (von links), Laura Hornung, Jasmin Seiler, Britta Huse-Dürrast, Sabine Wegner und Tina Kosuch.

Gretel ist Mitte 20, arbeitet als Kinderpflegerin, ihre Hobbys sind Fahrradfahren und Sport. Bei einem Bluttest im Gesundheitsamt hat sie erfahren, dass sie HIV-positiv ist. "Wie könnte es Gretel jetzt ergehen?" Eine Frage, die Jasmin Seiler von der Aidsberatungsstelle Oberfranken an die vor ihr sitzenden Jugendlichen stellt. Seit einigen Jahren führt die AOK Bayern mit ihren Kooperationspartnern, der Aids-Beratung Oberfranken, der Caritas-Erziehungsberatung und dem Landratsamt Lichtenfels, Fachbereiche Gesundheitswesen und Schwangerenberatung, eine erlebnisorientierte Präventionsaktion durch. Daran haben im Laufe dieser Woche rund 250 Schüler der achten bis zehnten Jahrgangsstufe aus Schulen der Stadt und des Landkreis Lichtenfels teilgenommen.

Parcours mit vier Stationen

Es ist das fünfte Jahr der Veranstaltung dieser Art in der AOK-Geschäftsstelle in Lichtenfels. Bei dem aus vier Stationen bestehenden Parcours geht es um Dinge wie Liebe, Sexualität, Verhütung, mögliche Ansteckungswege, Freundschaft und Aids, die von den Jugendlichen in Gruppenarbeit diskutiert und erarbeitet werden. Dafür erhalten die Jugendlichen Punkte, am Ende wird ein Sieger gekürt.

So wie eingangs beschrieben gibt es Gretel nicht. Ihr Geschlecht, ihr Alter, ihren Namen und ihre Hobbys haben sich die Jugendlichen selbst ausgedacht. Jasmin Seiler geht es darum, dass sich die Schüler in die Situation von Betroffenen einfühlen sollen, dass sie so etwas wie Empathie entwickeln. Gretel könnte geschockt sein, von Wut und Verzweiflung geplagt und von der Frage gequält, wo sie sich angesteckt haben könnte.

Es geht aber auch um Fragen wie: Soll man vom positiven Testergebnis erzählen, oder es lieber für sich behalten? Muss der Arbeitgeber informiert werden oder der Freund? Der Arbeitgeber muss nicht informiert werden. "Heute gibt es gute Medikamente, mit denen man alt werden kann", beruhigt Jasmin Seiler.

An einer weiteren Station geht es um Ansteckungsquellen. Die Schüler sollen anhand von Alltagssituationen Risiken einschätzen. Konkret musste eine Reihe von Bildkarten den Risikospalten (kein, geringes oder hohes Risiko) zugeordnet werden - eine nicht immer ganz leichte Aufgabe. Inzwischen gibt es neben dem Kondom auch ein Medikament, das vor einer möglichen Ansteckung mit HIV schützen kann. Die sogenannte PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) schützt zwar vor HIV, aber nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Und diese sind nicht zu vernachlässigen. Welche sexuell übertragenen Infektionen es gibt, darüber informieren Plüschvorlagen, die in Form und Farbe den realen Viren und Erregern nachempfunden sind.

Verhütungsmittel erklärt

Bei Sabine Wegner, Mitarbeiterin des Landratsamtes, ist viel über die verschiedenen Verhütungsmittel zu erfahren. "Die Jugendlichen sind gut über die gängigen Verhütungsmittel informiert", erklärt Wegner, auch wenn das Angebot an Verhütungsmitteln für Frauen größer ist. Dennoch erklärt sie die Funktionsweise von Diaphragma und Hormonspirale, "damit auch die Jungs wissen, dass es sowas gibt".

Bei Tina Kosuch von der Schwangerenberatungsstelle des Diakonischen Werkes Coburg geht es um Themen wie Liebe, Sexualität und Freundschaft, die ebenfalls erlebnisorientiert aufgebaut sind und von den Schülern auch zeichnerische und pantomimische Fähigkeiten abverlangen. Die Gruppe "Die Willis" ging aus dem Aids-Parcours mit 119 Punkten als Gewinner hervor.

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