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LKR Lichtenfels
Schließungen

Abschied vom Autohaus

Zwei Autohäuser im Landkreis kündigen das Ende ihres Geschäftsbetriebs an. Die Gründe sind individuell, und doch gibt es Gemeinsamkeiten.
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Zwei Autohäuser im Kreis Lichtenfels haben das Ende ihres Geschäftsbetriebs angekündigt, eines davon das Autohaus Engelhardt in Michelau-Schwürbitz. Foto: R. Popp
Zwei Autohäuser im Kreis Lichtenfels haben das Ende ihres Geschäftsbetriebs angekündigt, eines davon das Autohaus Engelhardt in Michelau-Schwürbitz. Foto: R. Popp

Innerhalb weniger Wochen kündigen zwei Autohäuser im Landkreis ihre Schließung an. Zweimal sind es Volkswagen-Händler, die angegebenen Gründe zeigen Schnittmengen, doch sind die Konstellationen nicht vergleichbar. Bei Motor-Nützel gibt man zum Ende des Jahres den Standort in Burgkunstadt auf, hat aber noch 13 weitere. Beim Autohaus Engelhardt in Schwürbitz dagegen ist es das Ende eines renommierten Familienbetriebes.

Manch einen Kunden hat die Nachricht beim Termin für den Winterreifenwechsel kalt erwischt. Räder einlagern, wie bisher, das geht leider nicht mehr. Denn die Geschäftsleitung habe die Schließung zum Jahresende beschlossen. Immerhin gab es aus dem Service-Bereich dabei auch eine gute Nachricht: "Wir kommen alle irgendwo unter."

Fachkräfte sind gesucht, bei allen Werkstätten. Der Mangel zieht sich durch die gesamte Branche, das hatte der Geschäftsführer von Motor-Nützel genauso festgestellt wie Eveline Weinmann, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Autohauses Engelhardt. Für sie ein Hauptargument für die "schmerzhafte Entscheidung". Die Werkstatt habe wie bei den meisten Autohäusern einen wichtigen Anteil am Gesamtertrag; erforderliche Investitionen könnten jedoch aufgrund des aktuellen Fachkräftemangels nicht mehr wirtschaftlich getätigt werden.

Dabei war doch Kfz-Mechaniker mal einer der beliebtesten Ausbildungsberufe. Inzwischen hat sich das Berufsbild verändert.

Es wird weniger am Fahrzeug selbst geschraubt als an der Technik. Vielleicht ging damit für manche Praktiker ein Reiz verloren. "Die Elektronik hat uns voll im Griff", sagt Thomas Habelitz, Vorstandsmitglied der Kfz-Innung für Oberfranken mit eigenem Unternehmen in Altenkunstadt. Er weiß um die Präferenzen vieler für Akademikerlaufbahnen. Dabei habe das Handwerk immer noch goldenen Boden. "Händeringend" würden Leute gesucht.

Warum dann die Lehrlingsbörse der Innung für den Landkreis Lichtenfels keine einzige Stelle im Kfz-Gewerbe aufweist, obwohl es hier fast 50 Mitgliedsbetriebe gibt, kann er nicht erklären. "Vielleicht, weil der Auftritt gerade neu gestaltet wurde." Oder weil man Nachwuchs gerne direkt über Praktika rekrutiere.

Auch die Digitalisierung stellt die Branche vor Herausforderungen. Eveline Weinmann vom Autohaus Engelhardt spricht von "erheblichen Investitionen, die nötig wären, "um auf dem schwieriger gewordenen Markt bestehen zu können. Versuche, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, seien erfolglos geblieben.

Digitalisierung im Autohandel bedeutet, dass sich Kunden Neuwagen auf den Internetseiten der Hersteller aussuchen und bestellen können. Das wirkt sich auf die Autohäuser aus. Schon Anfang 2018 kündigte der VW-Vertriebsvorstand an, dass das Händlernetz abgespeckt werden soll. Als die Marke vergangenen Herbst ihre neue Vertriebsstrategie präsentierte - die Händler mussten neuen Verträgen zustimmen, die ab 2020 gelten - schrieb die Süddeutsche Zeitung, das könnte "das Ende der Autohäuser, wie man sie bisher kannte", einleiten. Sieht das auch der hiesige Innungsvertreter so? "Ich glaube, dass eine Zentralisierung stattfindet", sagt Habelitz. Er macht nach wie vor einen Vorteil darin aus, ein Auto bei einem Partner vor Ort zu kaufen, wo ein persönlicher Bezug gegeben sei. Aber das Einkaufen im Internet sei ein Generationenthema. Doch auch, wenn der Vertrieb ausgegliedert wird, werde der Service nach wie vor gebraucht.

Geht der Trend zur markenunabhängigen Werkstatt? Zahlen zu Veränderungen im Vertragshändlernetz etwa bei VW könnten dazu Aufschluss geben. Leider blieb unsere Anfrage beim Volkswagen- und Audi-Händlerverband hierzu unbeantwortet.

Investitionsverpflichtungen betreffen allerdings auch Händler ohne Herstellerbindung. Thomas Habelitz führt als Beispiele neue Prüfverfahren an. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen änderten sich, und dafür gebe es Stichtage. Allein neue, digitalisierte Bremsenprüfstände, wie sie ab 2020 für die Hauptuntersuchung Vorschrift sind, machen Ausgaben zwischen 10 000 und 15 000 Euro nötig. Für die Abgasuntersuchung werden Mitte nächsten Jahren neue Vorgaben gelten.

Hintergrund

Autohaus Engelhardt: Gegründet 1962 durch Willi Engelhardt am jetzigen Standort, hervorgegangen aus einem seit 1949 bestehenden Zweiradgeschäft. Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte Irene Engelhardt ab 1975 den Betrieb weiter. Sohn Klaus und die Töchter Margit Engelhardt und Eveline Weinmann gingen Ende der 1980er-Jahre in die Geschäftsführung und bauten den Betrieb aus. Klaus Engelhardt schied 2010 aus gesundheitlichen Gründen aus. Zum 31.12.2019 wird der autorisierte Servicebetrieb für Audi, VW und Seat in Michelau-Schwürbitz seine Geschäftstätigkeit einstellen. Motor-Nützel: Seit Oktober 2010 gehört der Standort Burgkunstadt mit Audi- und VW-Service und Verkauf sowie Skoda-Service zur Unternehmensgruppe Motor-Nützel Bayreuth. Zum Ende des Monats wird der Standort aufgegeben. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass die in neuen Händlerverträgen geforderten Standards hohe Investitionen erforderlich gemacht hätten, die an diesem Standort in keinem angemessenen wirtschaftlichen Verhältnis gestanden hätten. Die Kunden wurden auf die Häuser in Kulmbach und Scheßlitz verwiesen.