Vierzehnheiligen
Bilanz

Zahra will Polizistin werden

Die Berufsintegrationsklasse hat die Hälfte ihrer zweijährigen Ausbildung hinter sich. Sie werden auch von Mitschülern mit einer Neigungsgruppe unterstützt.
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Eine Bildersammlung dokumentierte die Zustände in den Heimatländern der Flüchtlinge aus der berufsintegrationsklasse. Fotos: Andreas Welz
Eine Bildersammlung dokumentierte die Zustände in den Heimatländern der Flüchtlinge aus der berufsintegrationsklasse. Fotos: Andreas Welz
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Die 17-jährige Zahra Mohamadi ist aus Afghanistan geflohen. Sie besucht die Berufsintegrationsklasse der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste in Vierzehnheiligen. Die junge Frau will Polizistin werden, aber erst Deutsch lernen. Sie und ihre 15 Mitschüler haben jetzt ein Jahr der zweijährigen Schulung hinter sich.

Alle sind engagiert und kommen gern zum Unterricht: trotz der Ungewissheit, ob sie als Flüchtling in Deutschland anerkannt oder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Elke Dormann betreut die Integrationsklasse. "Es ist nicht immer leicht, die jungen Menschen im Alter von 17 und 21 Jahren zu motivieren. Während des Schuljahrs gab es immer wieder schwere Zeiten für die Schüler, in denen sie mit Abschiebung oder schlimmen Schicksalsschlägen in ihren Familien konfrontiert wurden", sagt sie.

Eine große Hilfe ist Dormann die Neigungsgruppe "Brückenbau" aus Schülern anderer Klassen. Tina Schober ist im ersten Ausbildungsjahr. Sie berichtet von zehn Leuten aus verschiedenen Klassen, die sich mit den Flüchtlingen intensiv beschäftigten.

Schulische Veranstaltungen würden gemeinsam vorbereitet und Patenschaften gegründet. Nadine Gewiese von der Neigungsgruppe "Brückenbau" findet es positiv, dass es eine Berufsintegrationsklasse gibt. Sie habe festgestellt, dass die Migranten glücklich seien, wenn Freundschaften entstehen.

Schulleiterin Elvira Berkel sieht in der Integrationsklasse eine Bereicherung des Schullebens: "Wir wollen die jungen Migranten nachhaltig und langfristig integrieren. Ziel sind der Mittelschulabschluss und die Aufnahme einer Berufsausbildung." Eine sozialpädagogische Begleitung führe die Jugendlichen an selbstverantwortliche Zukunftsplanung und -gestaltung heran.


Den Schrecken visualisieren

Vor dem Klassenraum haben die Schüler in Bildern die Zustände in ihren Heimatländern dargestellt. Besonders das Schicksal der neunjährigen Schokria aus Afghanistan schockiert. Sie stammte aus der Volkgruppe der Hasare, wie auch eines der Mädchen der Integrationsklasse. Ihr Bericht: "Schokria wurde mit 20 anderen von Mitgliedern des Islamischen Staats (IS) entführt, vergewaltigt und nach neun Tagen geköpft. Die Terroristen haben sie auf die Straße geworfen. Die Leute haben sie aufgehoben, den Kopf angenäht und beerdigt."

Ein Iraker erzählt: "Jeden Tag sterben viele Menschen auf den Straßen. Vor drei Tagen fiel eine Bombe in meinem Wohngebiet. Eine gute Bekannte, Mutter von drei Kindern, wurde getötet."

Ein andere Iraker sagt: "Ich bin hier, weil ich in meinem Heimatland nicht leben kann. Wenn ich im Irak geblieben wäre, würde ich sterben und meine Familie auch." Sein Vater sei vom IS bedroht worden, deshalb sei man zunächst nach Jordanien geflohen, weitere Stationen waren die Türkei, Griechenland und Ungarn.
Auch Ridwaan Jamaal aus Äthopien hat eine schwere und gefährliche Flucht hinter sich. Der unbegleitete Jugendliche flüchtete in den Sudan, dann nach Libyen. Mit dem Schiff ging es nach Italien und schließlich nach Zirndorf. Später kam er nach Lichtenfels.

Dem 21-Jährigen gefällt es auch deshalb in der Schule, weil sich die Lehrer um jeden einzelnen Schüler kümmern. Sein Berufswunsch: Automechaniker.

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