Wiesen
InFranken.de trifft

Wiesen: Ein gastliches Dorf am Fuß der Eierberge

In unserer Serie "inFranken.de trifft" besuchen wir Dörfer und Städte am Obermain. In jedem Ort befragen wir einige Bewohner, warum sie gerne hier wohnen und was das besondere Flair dieses Ortes ausmacht. Wir beginnen mit dem Staffelsteiner Stadtteil Wiesen.
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Andreas Hellmuth mit seinem eineinhalbjährigen Neffen Franz und seiner Schwester Silke Zellmann Foto: Matthias Einwag
Andreas Hellmuth mit seinem eineinhalbjährigen Neffen Franz und seiner Schwester Silke Zellmann Foto: Matthias Einwag
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Das Dorf am Fuß der Eierberge besitzt einen schönen Ortskern mit der markanten St.-Andreas-Kirche. Was Veranstaltungen betrifft, ist in Wiesen immer etwas los. Das mag auch mit an den beiden Brauereigaststätten liegen, die es in dem knapp 300 Einwohner zählenden Ort gibt. Zu Beginn der Serie haben wir ein wenig genauer bei den Bewohnern nachgefragt - nicht alle Beiträge werden so umfangreich. Aber lassen wir die Wiesener selbst zu Wort kommen.

Andreas Hellmuth leitet seit Anfang Mai als Inhaber den gleichnamigen Brauereigasthof in Wiesen. Der 33-jährige Braumeister lobt die gute Dorfgemeinschaft in Wiesen und den Zusammenhalt untereinander: "Hier hilft einer dem anderen." Und er spricht über Bier: "Zwei Brauereien bei 280 Einwohnern, das ist schon klasse!"
Wiesen liege aber auch topographisch günstig: Wallfahrer kommen durch den Ort, Radfahrer ebenso und in letzter Zeit immer mehr Kajak-, Kanadier- und Kanuwanderer. "Hier ist immer etwas geboten", sagt er. In Wiesen machen alle diese Leute gern Rast, lassen sich in einem der beiden Biergärten nieder: "Bier gehört einfach zu unserer Genussregion dazu - und die Vielfalt hier am Obermain ist gigantisch."

Damit sich seine Gäste künftig noch wohler fühlen, hat Andreas Hellmuth zu Hobel und Säge gegriffen und selbst neue Biertischgarnituren gezimmert. Auf die rustikalen Möbel, die nun vor dem Wirtshaus stehen, ist er sogar ein wenig stolz - ebenso wie auf seine Biere.

Seine Schwester, Simone Zellmann, die in Wiesen aufgewachsen ist, stimmt ihm zu: "Ich schätze hier vor allem die fränkische Gemütlichkeit."

Alfons Thomann braut ebenfalls köstliche Biere. Der 59-Jährige sagt über seinen Heimatort: "Die Natur hier und das ganze Umfeld sind schon wunderschön - sonst würden wohl nicht so viele Urlauber zu uns kommen." Dafür, dass das so bleibt, müsse man aber auch etwas tun, das falle einem nicht einfach zu, diese Zeiten seien vorbei. Die kleinen fränkischen Brauereien und Gasthöfe seien etwas ganz Individuelles, fährt er fort, etwas, das erhaltenswert sei, um die Region für Urlauber attraktiv zu halten. Mit einem Lächeln fügt er hinzu: "Man kann hier auch mal zum Kollegen gehen und dort eins trinken."

Franz Böhmer lebt gern in Wiesen, weil auch seine Vorfahren schon hier lebten. Landschaft, Kultur, Natur und Menschen stünden hier miteinander im Einklang, sagt der 57-Jährige. Es sei wichtig, die Lebensqualität, die man habe, und das, was man von seinen Vorfahren überliefert bekam, zu pflegen, zu erhalten und an die Nachkommen weiterzugeben. Thomas Böhmer gibt seinem Vater Recht. Der 35-Jährige bringt es mit einem Satz auf den Punkt, was die Lebensqualität des Maintaldorfs ausmacht: "Weil in Wiesen ständig 'was los ist."

Wolfgang Jäger ist gebürtiger Wiesener, was inzwischen eine Seltenheit ist, denn auch vor 47 Jahren, als er zur Welt kam, wurden die meisten Kinder schon in Krankenhäusern der Umgebung zur Welt gebracht. Als wir mit ihm sprechen, ist er gerade damit beschäftigt, vor seinem Haus einen Sandsteinsockel zu vermauern.
Warum er so gern in Wiesen lebt? "Weil es da noch eine aktive, intakte Dorfgemeinschaft gibt - hier ist die spontane Geselligkeit noch wichtig." Etwa beim Stammtisch der Eierberg-Freunde, dem Wolfgang Jäger seit vielen Jahren angehört. Statt neu zu bauen, gestaltet er nun sein Elternhaus um. "Einmal Wiesen, immer Wiesen", lautet sein Slogan.

Ernst Göttlicher
ist ebenfalls gebürtiger Wiesener. Der 64-Jährige war jedoch während seines Lebens längere Zeit in Ebern zu Haus, kam aber im Alter gern wieder ins Maintal zurück. "Mir gefällt es sehr gut in Wiesen, sonst wäre ich nicht zurückgekommen."

Gern ist er im Ort mit seinem Fahrrad unterwegs. Irgendwen trifft er hier immer, mit dem sich ein spontaner Plausch anbietet. "Mein Sohn wäre froh, wenn er hier wohnen könnte", fährt er fort, "er lebt derzeit berufsbedingt in München". Seine Tochter und sein Schwiegersohn, die in Wiesen leben, fühlten sich hier ebenfalls sehr wohl.
"Wenn ich aus der Haustür rausgeh', bin ich in der Natur", sagt Ernst Göttlicher. Eine Dorfgemeinschaft, findet er, sei eben etwas ganz anderes als das anonyme Nebeneinander in einer Stadt: "Hier kümmert man sich um seinen Nächsten."

Robert Scherer sagt, er lebe in Wiesen, "weil ich hier geboren bin, weil ich mich hier wohl fühle und weil ich heimatverbunden bin".

Der 58-Jährige ist Vorsitzender der Feuerwehr und geht in seiner Freizeit gern in seinen Gemüsegarten. Das Gärtlein befindet sich nicht weit von seinem Wohnhaus, er muss nur die Dorfstraße überqueren. Hier kultiviert er mit Hingabe - das ist aber auch eine entspannende Tätigkeit - Gurken, Gelbe Rüben Rote Bete, Zwiebeln, Salat, Schnittlauch, Petersilie und etliche Gewürze für den Eigenverbrauch. Der Ortsname Wiesen ist dem Hobbygärtner eine Verpflichtung: Aus Wiesen werden Beete, auf die man etwas pflanzen kann. Von hier fortziehen - nie käme er auf diesen Gedanken: "Ich bin in Wiesen geboren, das verbindet, ein Leben lang."

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