Lichtenfels
Fernseh-Kommissare

Wenn der "Tatort" bei uns wäre...

Der Bayerische Rundfunk hat kürzlich angekündigt, an einem fränkischen "Tatort" zu arbeiten, die Spielorte und Darsteller aber noch offen gelassen. Dennoch: In Lichtenfels gibt es schon einige Leute mit Einfällen zu einem fränkischen Drehbuch der beliebten Krimi-Reihe.
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Katharina Braune, Laiendarstellerin aus Lichtenfels, hat schon eine Idee für den Franken-Tatort.
Katharina Braune, Laiendarstellerin aus Lichtenfels, hat schon eine Idee für den Franken-Tatort.
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Der Dadord kommt. Doch, einige Lichtenfelser sind dafür, dass im Franken-Tatort, den BR-Intendant Ulrich Wilhelm kürzlich angekündigt hat, gefränkelt wird. Nicht zu sehr freilich, damit der Rest der Republik es versteht, aber dezent doch. Der Bayerische Rundfunk hat erst die Entwicklungsarbeit zu einem "Tatort" aus Franken aufgenommen, Schauplätze und Darsteller noch offen gelassen. In Lichtenfels aber fände er eine Menge Anregungen dazu...

Klaus Fugmann verbindet etwas mit dem Tatort. Besonders den Münchener Ermittler Batic mag er - auch privat. Batic, alias Miro Nemec, ist auch Musiker. Der Lichtenfelser Klaus Fugmann steht für ihn bisweilen am Mischpult. Und er war selbst schon filmschaffend tätig. So kommt's, dass der Lichtenfelser eine Meinung zum künftigen Tatort hat. "Der Dialekt sollte dezent sein", findet er, das Fränkische betreffend. Klar, Flagge zeigen und Herkunft nicht verleugnen, aber eben nicht so, dass der Rest der Republik den Kopf schütteln müsste. Für Lokalkolorit könnte als Running Gag, als immer wiederkehrender Witz also, die Kabbelei zwischen Coburg und Lichtenfels sorgen.


Ermittler-Duo favorisiert


Erfahrung mit dem BR hat auch die Lichtenfelserin Katharina Braune gesammelt. Vor vielen Jahren nahm der eine Laienaufführung auf, bei der sie mitwirkte. "Ich bin eine leidenschaftliche Tatort-Guckerin", sagt sie über sich. Die Rentnerin zeichnet ein sehr ausgefeiltes Bild der Kommissare. Geht es nach ihr, wird es nämlich ein ermittelndes Duo geben: Mann und Frau. Mit "tiefer Sympathie" für einander, zunächst. Katharina Braune spinnt die Geschichte weiter, denkt ein paar Jahre voraus. Der Kommissar, ein Tennis spielender Mensch von dezenter Eleganz, geschieden, hat´s mit dem Glücksspiel und pumpt seine Kollegin an. Das menschelt und belastet das Verhältnis zwischen den Ermittlern gleichermaßen. Sowohl ihm als auch seiner Kollegin bleibt im Grunde aber wenig Zeit für Außerberufliches. In einigen Jahren soll der Kommissarin das Geld ausgehen, sie erhält ja nie etwas von ihrem Schnorrer zurück. Den wird sie im Affekt erschießen und der BR die Rollen neu besetzen.

Das mit dem Auftreten als gemischtes Doppel, als Ermittler und Ermittlerin, ist gar nicht aus der Luft gegriffen. Polizeiobermeisterin Iris Eberlein erzählt davon, dass echte Ermittler häufig in dieser Konstellation auftreten. "Ich liebe Tatort, ich schaue fast jeden", sagt die junge Frau, die in der Inspektion der Kreishauptstadt an ihrem Schreibtisch sitzt. Auch das mit der Scheidung sei gleichfalls nicht aus der Luft gegriffen. Der Standardpolizist sei geschieden, meint sie. Nach Feierabend würden die beiden Ermittler bei einem Absacker noch den Tag Revue passieren lassen. "Im Dümpelschöpfer oder beim Wichert." So etwas wie ein latentes unterschwelliges Knistern zwischen dem Kommissar und der Kommissarin sollte es nach Eberleins Meinung nicht geben, weil das Zuschauerinnen durchaus etwas von der Haupthandlung etwas ablenken könnte.


Coburger in Lichtenfels?


Eines ist klar: Bei einem Mord in Lichtenfels würden Coburger Beamte in Lichtenfels ermitteln. Und der Tatort erzählt ja nun mal von Morden. Eberleins Kollege heißt Günter Henning und ist Polizeioberkommissar. Früher sei er ein größerer Tatort-Fan gewesen, gibt er zu, sagt aber auch: "Wenn das bei uns spielen würde, würde ich es mir wieder angucken." Der Tatort schneidet bei ihm nicht schlecht ab, denn "er ist wesentlich realistischer als die US-Serien". Dialekt? Ja, Dialekt sollte auch gesprochen werden. Aber dezent, denn "mit Untertiteln (für nicht fränkische Zuschauer) ist´s blöd". Frotzeleien zwischen Coburger und Lichtenfelser Kollegen als Running-Gag? Das gab es in Wirklichkeit ja auch. "Seid ihr ohne Visum hergekommen?", sei eine gängige Frage an Coburger Kollegen gewesen, damals, als die Polizeidirektion noch in Coburg statt in Bayreuth war.

Auch wäre stark anzunehmen, dass Ermittler eines Fachkommissariats zu zweit in Erscheinung träten. Dann ist da noch die Sache mit der Wurstbude: Am Deutzer Rheinunfer in Köln steht eine Wurstbude, die in Wirklichkeit gar nicht da steht. Dort erlauben sich die Tatort-Kommissare Schenk und Ballauf ihren Snack. Eine Wurstbude auf dem Marktplatz haben wir auch. Wenn der Ermittler also ein Lichtenfelser am Coburger Fachkommissariat ist, dann würde er wohl am Marktplatz essen. Wenn er aber ein Coburger Kommissar in Lichtenfels ist, dann sei das eher nicht anzunehmen, meint Henning. Ohnehin würde Gabriele Kraus vom Würstchenstand am Marktplatz, die Schenk und Ballauf auch mag und durchaus Tatort guckt, den Coburger Unsinn, das Brötchen von oben nach unten aufzuschneiden, nicht mitmachen, sagt sie, und lacht.


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