Weismain
Kaulhaaznfieber

Wenn Stadträte in andere Rollen schlüpfen

Unterm Weismainer Rathaus ging's lustig zu und manchmal auch unter die Gürtellinie.
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Stadtrat Jürgen Dietz gefiel als Tanzmariechen. Foto: Roland Dietz
Stadtrat Jürgen Dietz gefiel als Tanzmariechen. Foto: Roland Dietz
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War da was los beim Kaulhaaznfieber im Weismainer Rathauskeller! Bereits vor Beginn um 19.19 Uhr waren alle Plätze besetzt. Selbst die Weismainer Faschingsikone Franz Besold gab zu, dass es halt für die Akteure ein wesentlicher Bestand ihres Auftritts sei, wenn sie vor vollem Haus auf der Bühne stehen.


Auf dem Hosenboden gelandet

Und dieses Spiel zwischen Publikum und Akteuren sollte den Abend prägen. So war bereits beim Einmarsch des Weismainer Prinzenpaares Tatjana und Dietmar und den närrischen Weibern als Zirkus "Halli Galli" der Stimmungspegel ganz nach oben gerutscht. "Wir sind schon drei Tage unterwegs", sagte die Sprecherin der närrischen Weiber, Irmgard Denzler. Und sogleich mussten der Zirkusdirektor und Bürgermeister a. D. Dauerino ohne Hilfe durch den Reifen springen, was die Landung auf dem Hosenboden zur Folge hatte.
Dompteur und Moderator des Abends war Frank Eitzenberger, der mit Witz durch das Programm führte. "Den Bürgermeister ich nicht begrüßen kann, denn das Rathaus gehört heut den Narr'n." Es seien keine Kosten und Mühen gescheut worden, um eine glanzvolle Zirkusvorstellung zu bieten. So wechselten sich Klamauk, Witze und Sketche mit akrobatischen Tanzeinlagen ab.
Mit dem Fliegerlied und als "Fliegender Nölländer" strapazierte Wolfgang Baumann die Lachmuskeln des Publikums. In einem Flugzeug aus Wellblechgaragen mit Waschbrettern als Tragflächen und einem Mähdreschermotor lud Frank Eitzenberger zum Mitfliegen ein. "Kommen Sie nun an Bord dieser einmaligen Luftmaschine. Ich wünsche, Sie haben einen angenehmen Flug mit der ,Piephohnairline', für Nichtfranken Truthahnfluggesellschaft."
Lustig und akrobatisch ging's weiter. Im Gespräch der Mutter (Birgit Bräutigam) mit ihrer Tochter (Anne Bräutigam) zeigt sich, dass diese mit der Schule nichts am Hut hat denn sie möchte "Denserin" werden. "Hast Du von Rechtsschreibung gehört?", fragt die Mutter entsetzt. "Nein, ich schreibe links..."
Vorab präsentierte dann Franz Besold als Till seine Faschingrede des Umzugs einen Tag später. Ein Wortspiel bot das umgetextete Lied "Hör auf, du zwickst mi" von Irmgard Denzler, das sich am Rande Schlüpfrigkeit bewegte: "Er hot an longa, er hot an longa - er hot an longa Weg vom Wäddshaus ham." Das Lachen und Kreischen des Publikum quittierte die Künstlerin so : "Hobt ihr obbä dräckerta Gedanken."


Allerlei vom Arzt

Nach einem Jahr Pause war wieder ein Orginal der Kauhaazia dabei, Edwin Jungkunz als "Dä Baschdofer". Er erzählte aus dem Wartezimmers seines Arztes. Bis man einen Beipackzettel von dessen Arznei gelesen hat, sei man entweder wieder gesund oder schon gestorben. Ebenso sei es mit den Wartezeiten. "Ich hab' lange warten müssen, selbst der Gummibaum hat drei Blätter bekommen. Wo ist der Herr der seinen Verband wechseln wollte? Der ist inzwischen nach Hause gegangen, denn die Wunde ist zugewachsen."
Rockig-fetzig dann der Auftritt "Tanz der närrischen Weiber" der Tanzschule Alice Goraus. Eine feste Institution beim Kaulhaaznfieber sind die "Schönsten der Stadt", Irene Holhut und Birgit Bräutigam. Sie waren auf einer Schönheitsfarm, aber der Effekt war nur, dass sich der Brustumfang um 30 Zentimeter erweitert hat.
Dann kam ein wahres Finale furioso auf das Narrenvolk zu. Der Sketch "Der Rausch oder der Tag danach" von Maria Winkler und Edwin Jungkunz brachte alle negativen Erinnerungslücken der Feier des letzten Tages hervor. Ungeschminkt hielt die Frau dem Mann vor, dass sein Verhalten im Rausch einfach nur blamabel und eklig war.
Eine Welturaufführung war dann die Tanzeinlage des "Tanzmariechens" (Stadtrat Jürgen Dietz). Dieser bewies, dass auch das starke Geschlecht beim Gardetanz seinem Mann stehen kann. Diese Einlage endete mit einem formvollendeten Spagat und einem begeisterten Publikum.
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