Bad Staffelstein
Krankheit

Wenn Gluten krank macht

Zöliakie, ein Begriff, der für manche mit großen Schmerzen verbunden ist. Die Lösung klingt simpel: glutenfrei leben. Doch so einfach ist es nicht.
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Seit zwölf Jahren ernährt sich die 38-jährige Ulrike Zeis nur noch glutenfrei.  Foto: Sarah Stieranka
Seit zwölf Jahren ernährt sich die 38-jährige Ulrike Zeis nur noch glutenfrei. Foto: Sarah Stieranka
Ulrike Zeis geht in den Supermarkt. Das hat sie früher schon oft gemacht, aber dieses Mal ist es anders. Nach drei Stunden verlässt sie das Geschäft. Ihr Einkaufswagen ist voller Lebensmittel, wie der Großteil davon schmeckt, weiß die Horsdorferin nicht. Die Produkte sind glutenfrei - frei von Getreidesorten, die Ulrike Zeis jahrelang das Leben schwer gemacht haben.

Zöliakie nennt sich diese Krankheit. Am häufigsten erkranken Kinder, doch auch Erwachsene sind betroffen - etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland. Auch die 38-jährige Ulrike Zeis leidet seit über zehn Jahren an der Krankheit. Sie trifft es besonders hart. Immer wieder leidet sie an Verdauungsstörungen, ihr Arzt ist keine Hilfe. "Ich war schwach, hatte Hormonstörungen und Haarausfall."


Fünf Jahre ohne Gewissheit

"Ich habe fünf Jahre daran gelitten, bis die Krankheit erkannt wurde", sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt wiegt die Horsdorferin nur noch 36 Kilo. Ein zweiter Arzt stellt die Diagnose: Zöliakie. "Ich habe gedacht: Gott, was soll ich jetzt nur essen."

Denn Gluten, auch Klebeeiweiß genannt, ist in vielen Lebensmitteln enthalten - es wird zum Binden benutzt. "Gluten kann sogar versteckt in Wurstwaren, Softgetränken oder Pommes sein." Seit 2007 besteht jedoch eine Deklarierungspflicht. Firmen müssen auf Allergene wie Gluten aufmerksam machen.

Kommen die Betroffenen mit Gluten in Berührung, kann sich ihr Zustand schnell verschlechtern. Dabei ist es nicht einmal nötig, dass sie etwas Glutenhaltiges zu sich nehmen, erklärt die Gesundheitspädagogin: "Man muss darauf achten was man isst und tut. Man kann nicht denselben Toaster benutzen, wie jemand, der glutenhaltigen Toast macht. Das Schnitzel kann man auch nicht in dasselbe Fett legen. Der Arbeitsplatz muss sauber sein, die Messer auch. Ich habe sogar eine eigene Butterdose."


Kontaktperson des Vereins

Die Küche größtenteils glutenfrei zu bekommen, dauerte mehrere Monate, erinnert sich Ulrike Zeis. Mittlerweile fungiert die Horsdorferin als Kontaktperson des Vereins "Deutsche Zöliakie-Gesellschaft" in Kronach, Coburg und Lichtenfels. Den 70 Mitgliedern steht sie zur Seite - vor allem Neuzugänge sind mit der Krankheit anfangs überfordert.

Wurde durch eine Magenspiegelung erst einmal eine Zöliakie festgestellt, müssen die Essgewohnheiten zwingend geändert werden. "Manche haben nur Kopfschmerzen oder Migräne. Eine etwa 70-jährige Dame im Verein hatte jahrelang Schmerzen. Als man es erkannte, waren ihre Knochen so schlecht, dass sie schon einen Wirbelbruch hinter sich hatte." Im schlimmsten Fall kann sich sogar ein Dünndarm-Krebs entwickeln.

Über solche Probleme, aber auch schöne Erlebnisse, tauschen sich die Mitglieder monatlich bei einem Stammtisch aus. "Letztens hat einer eine glutenfreie Pizza im Laden gesehen. Das war ein Ereignis. In Österreich gibt es sogar einen glutenfreien Burger bei McDonald's."


Zeit, Geld und Ausdauer

An Zöliakie erkrankte Menschen müssen nicht nur viel Zeit und Ausdauer in ihre Krankheit investieren. "Die Lebensmittel sind sehr teuer. Da bezahlt man schnell drei Mal so viel." Vier Brötchen kosten dann schnell mal drei Euro.

Die Lebensmittel, in denen statt Getreide Mais, Hirse, Canihua, Soja oder Quinoa ist, kauft Ulrike Zeis größtenteils im Reformhaus oder in Bio-Läden. Seit einigen Jahren ist das Angebot in den normalen Geschäften aber stark gewachsen - mittlerweile gibt es sogar glutenfreie Ecken. Aber nicht nur der alltägliche Einkauf, sondern auch die Restaurantbesuche und der Urlaub müssen gut geplant werden.

"Auf Kreuzfahrtschiffen und in Italien kennen sie sich gut aus", rät die 38-Jährige, die sich über das immer größer werdende Interesse in den Geschäften und Restaurants freut. "Vor 30 Jahren gab es Glutenfreies nur in der Apotheke auf Rezept."


Weitere Informationen zum Verein:

Mitgliedschaft Pro Kalenderjahr beträgt der Mitgliedsbeitrag 45 Euro exklusive einer einmaligen Verwaltungspauschale von 15 Euro. Weitere Familienmitglieder zahlen nur noch drei Euro pro Jahr. Dafür gibt es vom Verein ein mehrere hundert Seiten dickes Buch mit Informationen, welche Produkte von welcher Firma gegessen werden dürfen, eine Liste mit Arzneimitteln sowie eine kostenlose App. Weitere Informationen unter http://
www.dzg-online.de

Kontakt Jeden dritten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr findet ein Stammtisch mit glutenfreier Pizza "Bei Gino" in Altenkunstadt statt. Kontaktperson ist Ulrike Zeis, erreichbar unter Tel. 09573/34298.
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