Weismain
Faschingsumzug

Weismainer haben trotz allem gut lachen

Weismain erweist sich einmal mehr als närrische Hochburg im Landkreis Lichtenfels. Auch wenn die Stadtkasse leer ist, behalten die "Kaulhaazen" ihren Humor und feiern ausgelassen.
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Der "Limburger Bischof" genoss das Bad in der Menge - und in seiner goldenen Wanne. Fotos: Klaus Gagel
Der "Limburger Bischof" genoss das Bad in der Menge - und in seiner goldenen Wanne. Fotos: Klaus Gagel
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"Wer über sich selbst lachen kann, hat immer was zu lachen" lautet eine ironische Weisheit, und diese haben sich die Weismainer offensichtlich längst zu eigen gemacht. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die vier Bürgermeisterkandidaten symbolisch vom Stadtrat unter dem Schlachtruf "Kaulhaazia helau" als "ein Käfig voller Narren" durch die Straßen der Stadt gezogen wurden. Sehr zum Amüsement von tausenden Besuchern, die begeistert den Faschingszug und die Rede des Till auf dem Marktplatz bejubelten (mehr dazu auf Seite 14).
Majestäten wie das Weismainer Prinzenpaar Andrea und Philipp und das Prinzenpaar Katja I und Steffen II vom Mainleuser Carnelvals Club verliehen dem Festzug seinen Glanz.
Auch die geistliche und weltliche Prominenz durften nicht fehlen: Und so spendete kein Geringerer als der Limburger Skandal-Bischof Tebartz-van Elst (alias Markus Leikeim) dem Narrenvolk seinen Weihwasser-Segen, während vom Kolping-Wagen die Bürgermeister und die, die es werden wollen, nebst dem stellvertretenden Landrat Helmut Fischer das Wahlvolk mit allerlei Kamellen für sich zu gewinnen suchten.
Überhaupt beschäftigte die bevorstehende Wahl die Narrenschar. "Wählt Außerirdische in den Stadtrat rein, das kann doch kein Fehler sein", Andere erklärten gar die Bürgermeisterwahl zum Würfelspiel oder meinten gar resignierend "nach der Wahl sind die Versprechen scheißegal!"
Doch egal, wie die Wahl ausgeht, eine Metzgerei und ein Wurstladen müssen her, sonst verkommt Weimain zur Geisterstadt. Die Vision stammte vom FCN-Fanclub Marc Oechler, während sich die Niestener Piraten über die leere "Stadtkassa" ärgerten und schon mal mit den Fluch der Karibik drohten.

Superhelden Sportler

Die närrischen Weiber von Weismain konnten sich als Hüterinnen des Rathausschlüssels derweil einer ganz anderen Leidenschaft hingeben. Sie waren bei der amerikanischen Hard-Rock-Band Kiss in die Lehre gegangen und hatten daraufhin beschlossen, den Kochtopf gegen die Rockgitarre einzutauschen.
Überhaupt probten zum Faschingshöhepunkt die Weismainer Damen die Emanzipation. Während sich die Männer vom SCW Obermain noch als "Superhelden" wähnten, machten die Damen mächtig Werbung in eigener Sache: "Geiler geht's nicht, spiel doch mit, die SCW-Obermain-Damen sind der Hit! Bist Du auch so fit wie wir, ist der Fußballplatz Dein Revier!" Jedenfalls sind hier Neuzugänge stets willkommen.
Natürlich durften auch die großen, überregionalen Themen nicht fehlen. "Sind die Verkaufszahlen wieder miese, hilft der ADAC aus Krise", wussten die Basketballer des TV Weismain, und die Jugendfeuerwehr Weismain kritisierte die Bespitzelung durch die NSA.
Sein großes Finale fand der Faschingszug durch das Jura städtchen wie in jedem Jahr auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus, wo Franz Besold als Weismainer Till den Narren seinen Spiegel vorhielt.
"Kinder, wie die Zeit vergeht"", murmelte da einer der Besucher, als Bürgermeister Udo Dauer verkündete, dass Franz Besold bereits im 30. Jahr in der Weismainer Bütt stehe. Dafür gab es einen Geschenkgutschein der Stadt für Franz Besold und seine Gattin, die an den närrischen Tagen oft auf
ihren Ehemann verzichten muss.
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