Lichtenfels
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Weihnachten in der Klinik-Küche

Das Fest der Liebe im Krankenhaus verbringen zu müssen, ist nicht wünschenswert. Sebastian Sommer und Holger Knab, Küchenchefs im Klinikum Lichtenfels, versuchen dennoch, den Patienten diese Tage möglichst angenehm zu machen.
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Momentan ist in der Küche noch nichts von weihnachtlicher Besinnlichkeit zu spüren. Schließlich läuft das ganz normale Tagesgeschäft mit bis zu 1000 Essen. Für das Weihnachtsmenü haben Sebastian Sommer und Holger Knab (von links) bereits an Ostern vorbestellt. Foto: Lisa Kieslinger
Momentan ist in der Küche noch nichts von weihnachtlicher Besinnlichkeit zu spüren. Schließlich läuft das ganz normale Tagesgeschäft mit bis zu 1000 Essen. Für das Weihnachtsmenü haben Sebastian Sommer und Holger Knab (von links) bereits an Ostern vorbestellt. Foto: Lisa Kieslinger
Linseneintopf mit Rauchfleisch an Heiligabend, geschmorte Gänsebrust mit Kloß und Wirsing - der Klassiker am ersten Weihnachtsfeiertag - und am zweiten Feiertag Schweinelendchen in Gorgonzolarahmsoße mit Spätzle und Kaisergemüse: Da läuft einem wirklich das Wasser im Mund zusammen und die Vorfreude auf Weihnachten wächst noch ein Stückchen weiter. Gerade die ersten beiden Gerichte sind wohl die Klassiker, die Weihnachten zu diesem besonderen Fest im Jahr machen.

Diese Zeit im Krankenhaus verbringen zu müssen, ist wohl für niemanden erstrebenswert: Kein weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer, keine Plätzchen, kein Glühwein und erst recht kein Festmenü. Im Klinikum Lichtenfels trifft das nicht zu. Die beiden Küchenchefs Sebastian Sommer und Holger Knab bringen für die Patienten etwas Festliches ans Krankenbett. "Wir wollen den Leuten, die über Weihnachten hier sind, mit dem Essen einfach etwas Gutes tun", sagt Holger Knab.

Die Planung beginnt an Ostern. Ja, richtig gehört, an Ostern. Sonst kommt die Ware nicht pünktlich zur Weihnachtszeit. Neben den Lebensmitteln, die für das Menü gebraucht werden, bestellen Sebastian Sommer und Holger Knab auch kleine Schoko-Nikoläuse und Servietten mit Sternchen drauf. Schließlich gehört das genauso zu Weihnachten wie eine Gans. Sebastian Sommer verhandelt mit den Lieferanten. Das ist seine Aufgabe. "Wir haben unterschiedliche Lieferanten und einer davon ist schließlich immer der Günstigere", sagt Holger Knab. Und den versucht sein Kollege zu finden.


Nur 200 Essen an Weihnachten

Ein solches Weihnachtsmenü ist natürlich teurer als das Essen, das es sonst im Krankenhaus gibt. "Den höheren Wareneinsatz können wir uns aber über Weihnachten gut leisten, weil wir weniger Essen brauchen", erklärt Knab. Über die Feiertage werden im Lichtenfelser Klinikum ungefähr 180 bis 200 Essen benötigt. Nicht alle Patienten bekommen das Festmenü, denn schließlich gibt es auch Menschen, die Vegetarier sind oder die nicht so schwer essen dürfen. Aber auch für die haben sich die Küchenchefs etwas einfallen lassen.

An normalen Tagen macht die Lichtenfelser Klinikum-Küche an die 1000 Essen. Darunter für die Patienten aber auch für verschiedene andere Einrichtungen im Landkreis wie Schulen, Rotes Kreuz oder auch die HPZ-Einrichtungen.

"Weihnachten ist für uns auf jeden Fall viel ruhiger als jetzt", sagt Knab. Deswegen kann das Personal auch zeitlich ein solches Menü zaubern. Doch hierin liegt für die beiden Küchenchefs auch eine Herausforderung: die Personal-Einteilung. "Wir müssen schauen, dass jeder mal an Weihnachten frei hat. Vor allem die Mitarbeiter, die Kinder haben", sagt Knab. Über die Feiertage arbeiten jeweils elf bis 13 Leute in der Küche. Alle an ihrem festen Platz: Zwei Köche kümmern sich um Soßen, Wirsing und Klöße, ein Mitarbeiter macht Salat ein anderer kümmert sich ums Frühstück und würzt das Fleisch. Und dann gibt es noch den sogenannten Dessert-Posten. Seine Devise: Jacke an, Mütze auf und rein in den Froster. 100 Portionen Eis können schließlich nicht neben kochendem Kloßwasser auf die Teller drapiert werden.


Auch zuhause der Chef am Herd

Das Weihnachtsessen oder auch das fränkische Buffet zur Krankenhaus-Weihnachtsfeier machen den beiden Küchenchefs immer besonders viel Spaß. "Es ist einfach schön, wenn wir mal zeigen können, dass unsere Küche auch gehoben kochen kann", sagt Holger Knab.

Zuhause geht es bei Holger Knab am Heiligen Abend bodenständig zu. Es gibt Wiener mit Kartoffelsalat. Und an den anderen Feiertagen ist er bei Verwandten eingeladen. Verschnaufpause für den Koch. Doch eigentlich bräuchte er das nicht, denn er kocht auch daheim sehr gerne. "Meine Tochter freut sich schon immer, wenn ich zu Hause koche", sagt er ganz stolz.

Und auch von den Patienten bekommen die Küchenchefs öfters mal Rückmeldung. "Sie schreiben dann auf die Rückseite der Essenskarte, dass es ihnen geschmeckt hat und wünschen uns schöne Weihnachten. Das ist schon sehr ergreifend, wenn man das sieht", sagt Knab.
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