Die aufwändigste und kostenintensivste Sanierung in der langen Geschichte der Sankt-Andreas-Kirche fand mit einem Kirchenfest vor Kurzem einen würdigen Abschluss. Hunderte von Besuchern ließen sich von den Helfern der Kirchenstiftung bewirten, viele davon interessierten sich auch für die Führungen durch das Gotteshaus, die so manches informative Detail bereit hielten.

Gleiche Steine wie am Dom


Mit einem aus historischen Sicht spannenden Hinweis, der wohl kaum einem der Rundgangsteilnehmer geläufig war, eröffnete der baubegleitende Architekt Georg Schilling aus Hollfeld seine Führungen: Zwar sei schon immer klar gewesen, dass Sankt Andreas zu den ältesten Landkirchen der Erzdiözese zählt. "Man erzählt sich aber, dass die Weidener Dorfkirche zur gleichen Zeit - und mit dem gleichen Stein, aus dem Kleinziegenfelder Steinbruch - erbaut wurde wie der Bamberger Dom", erklärte Schilling den staunenden Besuchern.
Wissenschaftlich belegbar sei diese These mangels Dokumenten zwar nicht, aber ganz aus der Luft gegriffen sei sie ebenso wenig. Schließlich ist die Erkenntnis gesichert, dass das Bistum an seinen Grenzen zu eben jener Zeit mehrere Wehrkirchen errichtete, um die heidnischen Slawen zu bekehren. "Insofern können wir annehmen, dass wir heute eine Woche früher als der Dom das 1000-jährige Bestehen eines Gotteshauses feiern", sagte Schilling, der auf den Altarraum mit seinem Kreuzgewölbe als Ursprung der ersten Weidener Kirche aufmerksam machte, die sich in der Laufe der Jahrhunderte aber verändert habe.
Neben den im Zuge der Sanierung verwirklichten Neuerungen, etwa ein "derzeit einzigartiges Lichtkonzept", das an den meisten Stellen im Inneren Tageslicht-Atmosphäre schafft, standen weitere bauliche Zeitzeugen der wechselhaften Geschichte der Sankt-Andreas-Kirche im Mittelpunkt der Führungen. Erwartungsgemäß zog die spätmittelalterliche und vor gut einem halben Jahr freigelegte Bohlenbalkendecke die Blicke auf sich.

Balken aus dem Jahr 1645


Viele Fragen zu dem historischen Holz beantwortete der Architekt, der zudem ein altes Fichtenbrett präsentierte. Dabei handelt es sich um den einzigen Teil der aus den Jahren 1645/46 stammenden Decke, der ausgetauscht werden musste. Ansonsten sei die zuvor unter einer Putzschicht verborgene Konstruktion verblüffend gut erhalten. Durch Ausharzung habe kein Holzwurm eine Chance gehabt; "man bringt nicht einmal mehr einen Nagel in die Balken", berichtete Schilling. Diese Decke wieder in ihrer Pracht zu zeigen, sei "Herausforderung der Sanierung und zugleich Wertschätzung der damaligen Handwerkskunst" gewesen.

"Sargdeckel" bleibt offen


Weitere "Hingucker" warteten auf die Teilnehmer, die die seltene Chance ergriffen, Dachstuhl und Kirchturm in Augenschein zu nehmen: Den "Sargdeckel" beispielsweise, eine Aussparung in der Kirchendecke im Bereich der Empore, die ursprünglich während der Arbeiten entfernt wurde, dann aber als bauliche Besonderheit unverändert blieb. Oder die ersetzten Holzteile in der Dachkonstruktion, der von den Weidenern in Eigenleistung angebrachte Bodenbelag und das von ihnen eigens für das Fest auf Hochglanz polierte Uhrwerk aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Beste Stimmung herrschte währenddessen auf dem Festplatz neben der Kirche. In Windeseile waren die 250 Mittagessen ausverkauft; auch später ließen sich die Gäste zum Wohle der Kirche Kuchen und Gegrilltes schmecken. Viel beachtet wurde eine Fotodokumentation über die Sanierung.
Begonnen hatte das Kirchenfest mit einem Festgottesdienst, den der Weismainer Stadtpfarrer Sebastian Palapparampil zelebrierte. Kirchenpfleger Georg Kauppert freute sich besonders, dass mit Pfarrer Erhard Meissner aus Modschiedel auch derjenige Geistliche der Einladung gefolgt war, der Weiden nicht nur von 1976 bis 2007 seelsorgerisch betreute, sondern unter dessen Regie auch die bislang letzte Sanierung in den 1980er Jahren verwirklicht worden war. Während seiner Ansprache am Ende des Gottesdienstes würdigte Kauppert die Leistungen von Architekt Schilling und der beteiligten Firmen, mit denen es "ein wunderbares Miteinander gegeben" habe. Er dankte Zuschussgebern (Ordinariat Bamberg, Oberfrankenstiftung, Landkreis Lichtenfels, Landesamt für Denkmalpflege) und Spendern für die Unterstützung bei dem zirka 320 000 Euro teuren Maßnahmenpaket.
Besonders lobte er die Einwohner, die insgesamt 650 freiwillige Arbeitsstunden leisteten. "Alle Ortsfamilien waren beteiligt", unterstrich der Kirchenpfleger den Zusammenhalt in dem knapp-170-Seelen-Dorf. Wer nicht mit anpackte, sorgte für Verpflegung oder stellte Materialspenden. Und leistete Kauppert zufolge damit einen Beitrag zu einer "rundum gelungenen Sanierung".