Der Gag war gelungen: Landrat Christian Meißner (CSU) überreichte bei der Kreisausschusssitzung dem Staffelsteiner Bürgermeister Jürgen Kohmann das erste Nummernschild des Altlandkreises Staffelstein. Damit setzte der Landkreischef postwendend die Entscheidung des Bundesrats um, der am vergangenen Freitag den Plänen der Bundesregierung zugestimmt hatte, die alten Kfz-Kennzeichen wieder zuzulassen.
Ganz so einfach sei die Sache aber nicht, sagte Meißner. Zunächst wollen die Länder ihren Segen dazu geben, und schließlich müsse die Kommune einen entsprechenden Antrag stellen.
Im Mittelpunkt der Kreisausschussitzung standen die Berichte aus den Sachgebieten Landkreisentwicklung, Regionalmanagement, Wirtschaftsförderung und Zukunftscoaching. Die "vier Glorreichen", so der Behördenjargon, machten ihre Arbeitsschwerpunkte transparent.

Wanderwegenetz ausbauen


Die neue Regionalmanagerin Stefanie Hahn und Landrat Meißner erfreuten das Gremium mit der Ankündigung, dass die Oberfrankenstiftung den Ausbau des Wanderwegenetzes mit Kosten von 260 000 Euro im Landkreis fördere. Jetzt sei der Weg frei für die Leader-Förderung, ein Förderprogramm der Europäischen Union für die ländliche Wirtschaft.
Im Radwegekonzept erfolge jetzt der Feinschliff, Verbesserungsvorschläge würden eingearbeitet, so Stefanie Hahn. Auch der Jura-Mühlen-Radweg nehme Formen an. Alle Förderanträge seien eingereicht. Auch das Kooperationsprojekt "Genussregion Oberfranken" setze seine Erfolgsgeschichte fort. In Vorbereitung sei der Park der Generationen in Weismain und die Radwegeoptimierung in Redwitz. Als weitere Schwerpunkte nannte sie den Ausbau eines Geoportals, eine Darstellungsplattform für Projektierergebnisse. Auch die Gesundheitsregion Obermain werde weiter entwickelt. Um der Überalterung der Bevölkerung vorzubeugen, werde eine ganze Reihe von Maßnahmen vorbereitet. Videoclips und Flyer würden speziell für junge Familien vorbereitet, die die Vorzüge des Landkreises als Wohnstandort kennenlernen können. Das integrierte Klimaschutzkonzept werde umgesetzt. Die Alleinstellungsmerkmale Flechtkultur, Lichtdesign oder Kelten am Obermain wolle man weiter ausbauen.
Kreisentwickler Andreas Grosch ging auch auf die Zertifizierung der Gesundheitsregion ein. Mit der Ankündigung: "Wir sind am Anfang, jetzt geht's los", wies er auf den weiteren Ausbau von Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen hin. Im Bereich Klimaschutz seien bei drei Foren 61 Maßnahmen identifiziert worden, die jetzt bearbeitet oder vorbereitet werden. Im Breitbandausbau stellte er Zahlen vor. Die Gesamtinvestitionen belaufe sich auf 3,6 Millionen Euro. Der kommunale Anteil betrage 1,15 und der Finanzierungsanteil der Netzpartner 1,64 Millionen Euro. 815 000 Euro flössen in die Infrastrukturmaßnahme.

Rückkehr schmackhaft machen


Zukunftscoach Dilber Demiray berichtete von einem ganzen Bündel von Handlungsfeldern. Mit Hochdruck arbeite man am Rückholprogramm für Landkreisbürger, die ihre Heimat verlassen haben, aber zurückkommen wollten. Begonnen habe eine neue Willkommens- und Anerkennungskultur mit einer Veranstaltung im Landratsamt. Betätigungsfelder wie Attraktivitätssteigerung des Landkreises oder berufliche Qualifikation würden bearbeitet. Zielgruppen seien Fachkräfte, Existenzgründer, Auszubildende, Schüler oder Studenten, Senioren und Migranten.
In der Diskussion regte der Redwizer Bürgermeister Christian Mrosek (CSU) an, dass auch die Kommunen anstelle der Landkreisverwaltung Neubürger willkommen heißen könnten.

Erhalt heimischer Betriebe


Robert Fiedler (Freie Wähler) regte an, man solle nicht Rückholprogramme ausführen, sondern verhindern, dass Firmen den Landkreis verlassen. Landrat Meißner relativierte die Aussage über Personalentscheidungen von Unternehmen. Die Konzernumstrukturierung zum Beispiel bei Baur sei noch nicht abgeschlossen. "Unser Fokus muss auf dem Erhalt heimischer Betriebe liegen", unterstrich er.
Hans-Peter Marx (SPD) fragte nach dem angekündigten Integrationsbeauftragten. Meißner stand dazu. Allerdings wollte er zunächst der verantwortlichen Sachgebietsmitarbeiterin Dilber Demiray Zeit zur Einarbeitung geben. Danach werde er die wichtigsten Migrantengruppen an einen Tisch bitten, um Vorschläge zu diskutieren.
Über die Wirtschaftsförderung referierte Helmut Kurz. Sein Ressort befasse sich intensiv mit Unternehmensgründung, - verlagerung und -ansiedlung. Letztgenanntes Projekt enthalte die Schaffung von neuen Produktionshallen in Ebensfeld.