Weismain
FT-Leseraktion  

Warum der Schäfer Ziegen braucht

Bei einer "Schäferwanderung" am Fuße des Kalkberglehrpfades gab es Zeitungsabonnenten eine Menge interessanter Antworten auf viele Fragen rund um einen interessanten Beruf. Aber das war nicht alles.
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Ein Motiv wie aus einem Romantik-Bilderbuch  Fotos: Markus Häggberg
Ein Motiv wie aus einem Romantik-Bilderbuch Fotos: Markus Häggberg
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Wer Zeitung liest, hat mehr vom Wochenende. Im Falle des Fränkischen Tags (FT) und seiner Abonnenten trifft das zu. Besonders tat es dies am Samstag, denn im Zusammengehen mit der Umweltstation Weismain gelang ein gesundes Stück Infotainment samt Kulinarik. Bei einer "Schäferwanderung".
Am Fuße des Kalkberglehrpfades angekommen, hieß es aus den Autos steigen. Der Himmel über einem zeigte sich bewölkt und bereit für Wechselhaftigkeiten. Aber was soll ein Schäfer erst zu solchen Bedingungen sagen? Besagter Mann stand oben, Tausende Meter weit entfernt, gestützt auf seiner Schäferschippe und in Ruhe verharrend. Ein romantisches Bild, das für die Wanderer Fragen aufwerfen sollte.

Die Waldorchidee am Wegrand

Aber noch war es nicht so weit, noch nahm der Aufstieg gefangen und dabei war es Andrea Musiol, die im Gehen Horizonte eröffnete.
"Lückige Vegetation" ließ sie den Wanderern auffallen. Und Pflanzen wie die unbeachtet am Wegrand wachsende Waldorchidee oder den Ackerrittersporn. Letzterer gibt Auskunft darüber, wie es hier einmal ausgesehen haben muss, denn er ist Anzeige dafür, dass nur selten gedüngt wurde.
Der Aufstieg ging weiter und in der räumlichen Annäherung an das Wanderziel gelang Andrea Musiol auch eine thematische. Denn Schäfer sind Landschaftspfleger. Dann, auf einem Plateau, galt es nur noch eine Wiese zu durchstreifen, dann waren die Wanderer angekommen.

Über 800 Schafe und Lämmer

Felix Steinhagen ist 26 Jahre alt. Zwei Hunde führt er mit sich und dass der moderne Mensch sich von der Natur entfernt hat, weiß er anekdotisch zu belegen. Eine Frau habe sich einmal verwundert darüber gezeigt, dass sein Hund ein Schäferhund sei. "Tja, was glauben Sie, woher der Name kommt?", gab er zur Antwort. Mit Hut, auf einen Stock gestützt und mit einem Schäferhemd bekleidet stand er da, wachend über eine Herde, bei deren Schätzung der Viehzahl sich jeder in der Wandergruppe getäuscht hatte. Über 800 waren es der Schafe und Lämmer.
Aber kann man von dem Beruf leben? Warum gibt es eigentlich schwarze Schafe und wie gefragt ist Schafswolle? Und was, wenn es regnet? "Dann stehe ich noch genauso hier, wie jetzt", so ein lachender Tierwirtschaftsmeister Steinhagen. Tierwirtschaftsmeister ist ein Ausbildungsberuf. "Schwarze Schafe führen wir mit, damit die Tiere ihre Scheu vor dunklen Schäferhunden verlieren", erklärte der Mann, der einräumte, während der Arbeitszeit auch Zeit am Handy und mit einem guten Buch verbringen zu können. Seit April ist der Mittelfranke hier, pendelt täglich ein und stößt zu seiner Herde. 260 Berufsschäfer wie ihn gibt es noch in Bayern, die meisten nicht in Franken.
Ziegen auch. Tatsächlich. Mit Hintersinn und gesetzlich geregelt. Denn fünf Prozent Ziegen muss er in der Herde mitführen, da sie dort knabbern, wo die Schafe es nicht tun. In und an Gebüschen. Auch das ist Landschaftspflege und Auflage, wird gesetzlich gefördert und ist für einen Schäfer subventionierter Zuverdienst zur Fleisch- und Milchwirtschaft.
Antworten über Antworten zu Fragen über Fragen. Dann, nach einer Weile mit einsetzendem Regen, war alles besprochen und die Rückkehrer erwartete an der Umweltstation ein lukullischer Ausklang. Hauswirtschaftsmeisterin Angelika Herbst aus Ebensfeld hatte anrichten lassen: Lammfleisch, Schafskäse in mehrere Variationen, Schafskäsejoghurt etc. Ein schöner Ausklang mit Picknick-Charakter und jeder Menge Rückschau auf das Erlebte. Fazit von FT-Leserin Birgit Fleischmann aus Memmelsdorf: Toll, einfach toll die Leseraktion. Als Laie kommt man ja nie in Kontakt mit Schäfern. Und die Kombination, dass man auch was probieren darf - toll."

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