Burgkunstadt
Denkmaltag

Warum der Erhalt etwas wert ist

Ein heimisches Unternehmen sichert den Bestand eines historischen Gebäudes. Aus sentimentalen Gründen, wie der Firmenchef sagt. Aber nicht nur. Was wäre ein Stadt- oder Ortskern ohne seine historischen Gebäude? Der Charme ginge verloren. Wir sprechen mit Gerald Klimke (Signet Wohnmöbel) zum Tag des offenen Denkmals.
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Die ehemalige Schuhfabrik Iglauer in Burgkunstadt, Lichtenfelser Straße 14 (gegenüber dem Rettungszentrum). Kein Neubau könnte sie im Ortsbild ersetzen. Foto: privat
Die ehemalige Schuhfabrik Iglauer in Burgkunstadt, Lichtenfelser Straße 14 (gegenüber dem Rettungszentrum). Kein Neubau könnte sie im Ortsbild ersetzen. Foto: privat
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Es waren die schwierigen Anfangsjahre seines Unternehmens, die Gerald Klimke mit dem alten Fabrikgebäude in Burgkunstadt verbindet. Die Zeit des Aufbaus Anfang der 90er Jahre. Aus kleinsten Anfängen heraus, nur von Familienmitgliedern unterstützt, wollte er es schaffen, ein eigenes Unternehmen für moderne Polstermöbel aufzubauen. Heute hat die Signet-GmbH 80 Mitarbeiter und ihren Sitz längst in Hochstadt. Für die erste Hausmesse aber wählte man ganz bewusst die einstige Schuhfabrik mit dem morbiden Charme ihrer Räume. Sie lieferten den gewollten Kontrast zu den Designermöbeln. Doch sentimentale Gefühle hin oder her, bald war klar, dass die Fenster unbedingt erneuert werden mussten und mindestens der Außenputz. Klimke investierte, Schritt für Schritt. Welche Summe da hineinfloss, kann er auf Anhieb nicht nennen. Er denkt nicht über die Fördermittel nach, die er hätte bekommen können, wenn das von ihm erworbene historische Gebäude Denkmalstatus hätte. Er ist durch und durch Unternehmer, ein kreativer Kopf. Von Subventionen halte er eigentlich nichts, sagt er.

"Das persönliche Engagement fehlt in unserer Gesellschaft", findet er. Wenn sich niemand für die alten Häuser in den Ortskernen einsetzt, ihnen mal einen neuen Farbanstrich verpasst, sie mit Leben erfüllt, wenn alle nach draußen in neue Siedlungen ziehen, neue Häuser und Hallen errichten, dann würden unsere Städte und Dörfer von innen heraus faulen und ihren Charme verlieren. "Wenn Du kein Leben drin hast, verkommt alles", betont Klimke. Deshalb hätte er in den Ausstellungsräumen, die er in der alten Schuhfabrik eingerichtet hat, öfter als nur zur jährlichen Hausmesse und zum monatlichen Werksverkauf Menschen. 2013 gelang es ihm, der selbst in einer Band den Bass spielt, in Zusammenarbeit mit dem Kleinkunstverein TECnet den weltbekannten Gitarristen von "Supertramp" für ein Konzert dort zu gewinnen. Mit Sondergenehmigung der Behörden. Er hätte gern öfter kulturelle Veranstaltungen in den alten Fabrikmauern, aber das ist nicht so einfach. Brandschutz, Fluchtwege - es gebe viele Vorgaben und leider wenige klare Aussagen dazu, berichtet Klimke. Jemanden, der einen bei der Hand nimmt, wenn man ein altes Gebäude nutzen möchte - so einen Berater wünscht sich Klimke mehr als irgendwelche Fördergelder. "Es wäre schön, wenn der Weg für die, die etwas tun möchten, was auch der Allgemeinheit dient, nicht so steinig wäre."


Ein Gebäude, das Geschichte in sich trägt

Die ehemalige Schuhfabrik war nicht immer Schuhfabrik. Und sie ist heute mehr als nur ein Ausstellungsraum. Sie ist ein Teil der Burgkunstadter Stadtgeschichte.

Der Wollhändler Carl Iglauer (*1857) gründete mit seinem Schwager Leopold Birkenstein eine Fabrik, die Hausschuhe herstellte. 1899 siedelte sie in das 1884 bezogene Gebäude des Tuchhändlers Oppenheimer über und produzierte Arbeitsschuhe und Feldsandalen.


Die Marke mit der Gemse

Der Markenname lautete Hochland und war am Zeichen mit der Gemse erkennbar. Die Belegschaft schwankte zwischen 30 und 50 Personen. 1922 brannte es dort dreimal. Der Firmengründer starb 1935. Sein Grab befindet sich im Judenfriedhof am Ebnether Berg. Sein Sohn Stephan übernahm die Firma, gab diese jedoch ein Jahr später auf, da die Machthaber des Dritten Reiches es Juden immer schwieriger machten. Dies veranlasste Iglauer, den Betrieb aufzugeben und mit seiner Familie über London nach Amerika auszuwandern. Der Gebäudekomplex wurde vom damaligen Schuhversandhaus Baur übernommen, blieb während des Krieges als Marinelager zweckentfremdet. (Quellen: Rudi Fetzer, Rudolf Barth, S. Oppenheimer, Karl Heinz Goldfuß, Günter Amann).

Das von Gerald Klimke 1990 gegründete Unternehmen Signet bezog die ehemalige Schuhfabrik ein Jahr später als Mieter der Baur-Stiftung. 2007 erwarb der inzwischen nach Hochstadt übersiedelte Polstermöbelhersteller die Gebäude, um sie als Ausstellungsräume zu nutzen. Vor der Sanierung waren sie in einem Besorgnis erregenden Zustand, nachher dem Landkreis Lichtenfels sogar eine Würdigung mit dem Baupreis Goldener Ammonit für die vorbildliche, behutsame Instandsetzung wert.


Kontakt zu Evi Iglauer

Evi Iglauer, inzwischen über 80-jährige Tochter des einstigen Firmenbesitzers und in New York lebend, besuchte die Klimkes vor Jahren, um die Wirkungsstätte ihres Vaters und Großvaters zu sehen. Seither steht man in Briefkontakt. Die "Stolpersteine", die vor dem Gebäude an das Schicksal der jüdischen Familie erinnern, haben die Klimkes anbringen lassen.


Motto "Handwerk, Technik, Industrie"

Schon im Frühjahr erwartete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Koordinator des bundesweiten "Tags des offenen Denkmals" die Anmeldungen aus den Städten und Gemeinden. Für Kreisheimatpflegerin Andrea Göldner ist dies eine vertraute Aufgabe, doch heuer sei die Auswahl nicht leicht gefallen, berichtet sie. Dabei gebe es gerade im Landkreis Lichtenfels viele Denkmäler, die zum diesjährigen Motto "Handwerk, Technik, Industrie" passen würden. Aber darunter kämen nur wenige für eine Veranstaltung mit einem größeren Besucherkreis infrage. Wo also die Eröffnungsveranstaltung abhalten? Zumal die Museumsgebäude in Michelau und Burgkunstadt, die in die Auswahl fielen, bereits öfter im Fokus der Öffentlichkeit standen. Schließlich entschied man sich dafür, die zentrale Veranstaltung zum Denkmaltag in einem Gebäude abzuhalten, das gar kein Denkmal ist. Aber es ist ein gutes Beispiel für die gelungene Nutzung eines historischen Gewerbegebäudes, und wäre durchaus "denkmalwürdig", wie die Kreisheimatpflegerin betont. Maßgeblich für eine Aufnahme in die Denkmalliste sei die Untere Denkmalschutzbehörde - in Abstimmung mit den Eigentümern.


Besichtigungsmöglichkeiten am "Tag des offenen Denkmals"

Am "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 13. September, stehen in vier Orten des Landkreises Lichtenfels Gebäude Besuchern offen beziehungsweise sind Ensembles zu besichtigen. Die Eröffnungsveranstaltung findet um 14 Uhr in Burgkunstadt in der ehemaligen Schuhfabrik Iglauer, Lichtenfelser Straße 14, statt. Bis 17 Uhr besteht anschließend die Möglichkeit, die Räume anzuschauen. Das einstige Fabrikgebäude dient heute der Firma Signet Polstermöbel als Ausstellungsfläche.

Burgkunstadt Neben der ehemaligen Schuhfabrik Iglauer sind von 14 bis 17 Uhr auch das Deutsche Schustermuseum und die Alte Vogtei geöffnet, in der das Nachlasszimmer mit Gegenständen aus dem persönlichen Besitz des Ehepaars Kathi und Friedrich Baur besichtigt werden kann.

Horsdorf Die "Untere Mühle" geht auf ein früheres Gebäude aus dem Jahr 1828 zurück. Zum Ensemble gehört eine Fachwerkscheune aus dem 17. Jahrhundert, die 2007 vorbildlich saniert wurde. In den folgenden Jahren restaurierte der Besitzer auch das Mühlengebäude, so dass sich das Anwesen mit funktionstüchtigem Mühlrad nun als gelungene Einheit präsentiert. Besichtigungsmöglichkeit besteht von 14 bis 17 Uhr; Gaststättenbetrieb in der Mühle ( " Zur Fuch senmühle 4") ist bis 21 Uhr.

Michelau Seit 1967 ist im ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus einer Michelauer Korbhändlerfamilie das Deutsche Korbmuseum untergebracht. In dem 1815 entstandenen Gebäude werden fast 2000 Exponate aus aller Welt gezeigt. Das Haus (Bismarckstraße 4) wurde 2009 durch einen modernen Anbau erweitert und erhielt danach eine einheitliche neue Farbgebung der Fassade. Am Sonntag ist es von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Weismain Zum Thema: "Sandstein an historischen Bauwerken in Weismain - Herkunft, Handwerk, Zustand" werden am Sonntag Führungen mit dem Geologen Friedrich Leitz angeboten, und zwar ab 15 Uhr "Vom Kastenhof zum Rathaus", und ab 16 Uhr "Vom Kastenhof zum Oberen Tor". Treffpunkt ist jeweils im Weismainer Kastenhof, Kirchplatz 7.


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