Lichtenfels
Bahnhofstoiletten

WC-Container in Lichtenfels: Wer muss, der kann - mit 50 Cent

Mit der Inbetriebnahme des WC-Containers am Lichtenfelser Bahnhof wurde ein Schlusspunkt unter ein leidiges Thema gesetzt.
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Jetzt nur noch das 50-Cent-Stück aus der Jackentasche holen und dann wird die WC-Tür aufgehen: Für Bürgermeister Andreas Hügerich (links) war die Inbetriebnahme des Bahnhofstoiletten kein bierernster Termin. Anwesende Stadträte, Bürgermeisterkollegen und die Leiterin des Bahnhofsmanagements, Heike Steinhoff (Mitte) applaudierten.
Jetzt nur noch das 50-Cent-Stück aus der Jackentasche holen und dann wird die WC-Tür aufgehen: Für Bürgermeister Andreas Hügerich (links) war die Inbetriebnahme des Bahnhofstoiletten kein bierernster Termin. Anwesende Stadträte, Bürgermeisterkollegen und die Leiterin des Bahnhofsmanagements, Heike Steinhoff (Mitte) applaudierten.
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Der Pressetermin reizte zu Sticheleien und Wortspielen. Wer darf aufs Foto und wie? Wie nennt man die offizielle Eröffnung einer Toilette? - Anschiss? Haha. Bierernst nahmen die anwesenden Stadträte die Inbetriebnahme des WC-Containers am Bahnhof nicht. Auch Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) konnte sich da ein Schmunzeln nicht verkneifen. Immerhin: Er hatte an alles gedacht. An das 50-Cent-Stück, das nötig ist, um Einlass zu bekommen. An die schriftliche Information über technische und praktische Details dieser Neuanschaffung, die den Benutzern "ein Höchstmaß an Hygiene und Sauberkeit" bieten soll. Auf diesem Papier prangte demonstrativ das Logo der Deutschen Korbstadt neben dem der Deutschen Bahn. Auch wenn die Bahn letztlich durch das Schließen der heruntergekommenen Toiletten den Notstand verursacht hatte und nicht bereit war, Ersatz zu schaffen - jetzt wurde sie ins Boot geholt. Heike Steinhoff, die Leiterin des Bahnhofsmanagements Bamberg, war da und lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Die hatte auch mit einer Investition von fast 200 000 Euro den größten Part zur Änderung des Missstandes beigetragen. Stellplatz, Strom-, Wasser- und Anschlusskosten sind Sache der Bahn. Die staatliche Zuwendung beläuft sich auf 37 500 Euro. Das große Anliegen, hier gemeinsam eine Einrichtung zu schaffen, die jeder Gast am Bahnhof erwarte, hob der Bürgermeister hervor. Er selbst brauchte sich nicht von dem jahrelangen Gezerre um das fehlende Bahnhofsklo zu distanzieren, das lange vor seiner Wahl stattfand. Er konnte also ganz entspannt die gefundene Lösung präsentieren.

Die sieht so aus, dass es nun neben dem Bahnhofsgebäude einen beheizten und beleuchteten Container mit drei getrennten Kabinen gibt: eine für Damen, eine für Herren und eine barrierefreie mit Wickeltisch. Die Ausstattung ist überwiegend aus Edelstahl. Die Sitzbrillen aus Acrylstein werden nach jeder Benutzung nach hinten eingezogen und desinfiziert. Spülung und Entlüftung erfolgen automatisch. Bei Bedarf rutscht eine neue Papierrolle nach, es gibt warmes Wasser, Seife und Händetrockner. Die Tür der Behindertenkabine öffnet sich mittels elektrischem Antrieb und schließt sich nach Einfahren mit dem Rollstuhl. Drinnen gibt es zudem einen Spritzenbehälter zur sicheren Entsorgung, wenn sich jemand ein Medikament injizieren musste. Für Notfälle ist in der Tür ein Not-Auf-Taster eingebaut. Regulär öffnen sich die Türen jeweils nach 15 Minuten wieder. Weil sich niemand darin länger aufhalten soll, als er muss.

Kommentar: "Zur Behaglichkeit ist's noch weit"

Der modernste Container kann nicht da rüber hinwegtäuschen, dass am Lichtenfelser Bahnhof mit hoher Investition nur die zweitbeste Lösung möglich war. Die Bahnhofstoiletten hätten in das Gebäude gehört und nicht in einen charmelosen Kasten daneben. An die einstigen Klos im Bahnhof mag man sich freilich ungern erinnern; auch dort wäre nur mit viel Geld ein sauberer Eindruck entstanden. Dagegen aber sperrte sich die Bahn, und die Stadt hätte dann quasi eines anderen Toilette saniert. "Es ist so die bessere Lösung", findet Heike Steinhoff, Leiterin des Bahnhofsmanagements. Weil der jetzige Standort eher einen öffentlichen Charakter habe. Die Lage an der Gebäuderückseite wäre im Hinblick auf Vandalismus ungünstiger gewesen. Das mag sein. Mal sehen, wie der Container in fünf Jahren aussieht.

Die leeren Räume im Bahnhof dulden indes kein Abwarten mehr. Den Toilettentrakt könne man an die Fläche des Bistros anschließen, meint Heike Steinhoff. Wenn man einen Mieter hätte.

"Es muss sich was ändern", räumt die Bahn-Vertreterin ein. Ob es an den Konditionen lag, dass niemand die Nachfolge der Pächterin antreten wollte, könnten uns am ehesten die abgesprungenen Kandidaten sagen, von denen es angeblich einige gab. Mittlerweile gehe man regelrecht Klinkenputzen, so Steinhoff. Das ist auch nötig. Am Lichtenfelser Bahnhof ist es nämlich zur Behaglichkeit noch ein weiter Weg.
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