Bad Staffelstein
Betrugsmasche

Vorsicht Abofalle: Betrugsmasche kann Vereine treffen

Als Georg Müller, Vorsitzender der "Naturfreunde", ein Schreiben vom "Gewerberegistrat" bekommt, wird er misstrauisch und geht zur Polizei. Was auf den ersten Blick offiziell aussieht, kann am Ende teuer werden.
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Dass eine solche Eintragung von einer vermeintlich offiziellen Stelle 588 Euro im Jahr kostet steht nur im Kleingedruckten.  Foto: Georg Müller
Dass eine solche Eintragung von einer vermeintlich offiziellen Stelle 588 Euro im Jahr kostet steht nur im Kleingedruckten. Foto: Georg Müller
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Kostenfrei, sagt Gerald Storath und schüttelt den Kopf. Der Leiter der Polizeistation Bad Staffelstein zeigt auf die 0800-Nummer ganz unten auf dem Schreiben. "Rückantwort kostenfrei an 0800/xxx" steht da.
Im Briefkopf steht fett gedruckt "Eintragserfassung Gewerberegistrat Raum Bad Staffelstein", Absender ist die "GES Registrat GmbH", die passenderweise in der Gerichtstraße in Berlin ihren Sitz hat.
So jedenfalls steht es auf dem Brief, den Georg Müller schließlich in seinem Briefkasten hatte. Adressiert war er an die Staffelsteiner "Naturfreunde", deren Vorsitzender Müller ist.

Kurz gesagt wird in dem Schreiben angeboten, ein Unternehmen bekannter zu machen; dafür müsse man nur seine Daten angeben und kostenfrei an die 0800/xxx faxen. Eine Telefonnummer ist nicht angegeben.
In der viertletzten Zeile steht: "Der Preis für das Leistungspaket beträgt 588 Euro incl.
MwSt für ein Jahr."

Der Verdacht bestätigt sich
Georg Müller kam das verdächtig vor, er recherchierte im Internet, fand zig Seiten, die vor einer "Abofalle" warnen. Mal heißt es "Gewerberegistrat", mal "Deutsches Firmenregister zur Erfassung und Registrierung inkl. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer". Das Prinzip ist jedesmal dasselbe.

Das sogenannte Deutsche Firmenregister schickt zusätzlich noch "Erinnerungsschreiben" raus, in denen darauf hingewiesen wird, dass bereits einmal ein Schreiben zur Erfassung der Firmendaten zugesandt wurde.
"Ja, das ist bekannt", sagt Polizeichef Gerald Storath als Georg Müller ihm das Schreiben auf der Dienststelle vorbeibringt. "Es sind auch schon mehrfach Warnhinweise rausgegangen."

Es gebe auch eine Liste. Darauf seien bundesweit wohl zwischen 100 und 150 Firmen verzeichnet, die sich dieser Masche bedienen. Vermutlich seien es in der Realität weitaus weniger, eine andere Adresse heiße schließlich nicht, dass auch eine andere Person dahintersteckt.

"Am besten gar nicht beachten", sagt Jürgen Stadter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Art und Weise dieser Maschen komme immer wieder vor.

Genaue Zahlen, den Kreis Lichtenfels betreffend, hat er nicht, das sei rein dokumentarisch nicht möglich, da die Fälle unter anderem als Verdacht eines Betrugs aufgenommen würden - wie so viele andere Vorfälle eben auch. Was er sagen kann, ist, dass diese Betrugsfälle insgesamt wohl nicht mehr geworden sind. "Es kommt eben immer mal wieder vor."

Mehr als an den gesunden Menschenverstand zu appellieren kann auch die Polizei in solchen Fällen nicht machen. Man sollte überlegen, sagt Stadter, ob es plausibel ist, dass man mit dem Unternehmen, der vermeintlichen Stelle, schon einmal Kontakt hatte.

Der Versand solcher Briefe sei wohl erst einmal nicht rechtswidrig. Und die Masche ist auch nicht neu. Bereits im Oktober 2013 hatte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft 16 Firmen im Großraum Köln durchsucht, die unter dem Namen "Gewerbeauskunft-Zentrale" ebensolche Schreiben verschickt hatte.
Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Vorwurfs gewerbsmäßigen Betrugs ein. Der Oberstaatsanwalt sagte damals gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger: "Der Gesamteindruck der Aufmachung des Schreibens unterliegt dem Tatvorwurf der Täuschung."

In der Deutschen Handwerkszeitung rät der Präsident der Wettbewerbszentrale, Peter Solf, nicht auf die folgende Rechnung oder Mahnungen zu reagieren und den Vertrag anzufechten.
Die einfachste Warnung, sagt Gerald Storath, sei immer noch: Nichts unterschreiben, was man nicht gelesen hat - auch im Kleingedruckten.

Georg Müller ist zufrieden, er lächelt, als er die Polizeistation verlässt und sagt: "Wenn einer nicht unterschreibt, weil er das liest, dann ist damit schon mein Ziel erreicht."

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