Lichtenfels
Bilanz

Volks- und Raiffeisenbanken stehen gut da

Kaum ein Tag vergeht ohne Nachrichten über die Finanz- und Schuldenkrise sowie entsprechende Rettungsmaßnahmen europäischer Regierungen. Um die Genossenschaftsbanken muss man sich aber keine Sorgen machen, wenn man die am Dienstag vorgelegten Zahlen betrachtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
38 Geschäftsstellen unterhalten die Raiffeisen- und Volksbanken im Genossenschaftskreisverband Lichtenfels. In die Hauptstelle in Lichtenfels (im Bild die Gebäuderückseite) wurde besonders investiert; das Gebäude wurde grundlegend saniert.
38 Geschäftsstellen unterhalten die Raiffeisen- und Volksbanken im Genossenschaftskreisverband Lichtenfels. In die Hauptstelle in Lichtenfels (im Bild die Gebäuderückseite) wurde besonders investiert; das Gebäude wurde grundlegend saniert.
+3 Bilder
"Solange sich die Politik nicht mit Markt gestaltenden Maßnahmen einmischt, muss sich auch niemand um uns Sorgen machen", merkte der stellvertretende Vorsitzende des Genossenschaftskreisverbandes Lichtenfels, Randolf Menna, bei der Bilanzpressekonferenz an. Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Autsch betonte: "Wir haben die Krise nicht verursacht, leiden aber sehr darunter." Der Gesetzgeber differenziere in der aktuellen Regulierungswelle viel zu wenig nach dem Risiko des Geschäftsmodells und der Größe der Bank. Eine Konsequenz der expansiven Geldpolitik der Notenbanken, die kontinuierlich sinkende Zinsspanne, drücke auch auf das Geschäft der Volks- und Raiffeisenbanken.

Dennoch habe man im Kreisverband das Jahr 2012 mit einem "ordentlichen Gewinn" abschließen und das Eigenkapitalpolster stärken können. In allen wichtigen Bilanzkategorien habe man deutliche Zuwächse erreicht - bessere sogar als im oberfränkischen Vergleich. Die drei Banken im Verbund, die Raiffeisen-Volksbanken Bad Staffelstein, Lichtenfels-Itzgrund und Obermain Nord, beziffern das von ihnen betreute Kundenvolumen auf fast zwei Milliarden Euro. "Dieser Wert macht uns wirklich stolz, weil er zeigt, dass die Menschen in der Region uns nach wie vor Vertrauen, und das zu Recht!", sagte Autsch.

Die Summe der privaten und gewerblichen Darlehen erhöhte sich um 8 Prozent auf 534 Millionen Euro. Die Gelder, die die Kunden angelegt haben, belaufen sich auf rund 1,06 Milliarden Euro, wobei hier eine Zunahme um 4 Prozent vermeldet wurde. Der Bilanzgewinn konnte auf 2,15 Millionen Euro gesteigert werden. Mehr als 40 Prozent der Kunden sind gleichzeitig Eigentümer der Bank, was sich, wie Autsch ausführte, für sie lohne - bei einer Dividende von 4,5 Prozent.

Regionalität ist wichtig
Die Regionalität ist den Genossenschaftsbanken wichtig, deshalb waren Investitionen vor Ort unter Einsatz heimischer Firmen, die Rolle als Arbeitgeber und Steuerzahler in der und für die Region sowie das soziale Engagement Themen, die der Vorstand herausstellte. Fast zwei Millionen Euro wurden 2012 in Gebäude und Ausstattung investiert. Der größte Teil entfiel hiervon auf die energetische Sanierung der Hauptstelle in Lichtenfels. In die Erneuerung des Daches, der Fenster, der Fassade sowie der Haustechnik und der Gestaltung des Außenbereichs flossen in mehreren Bauabschnitten, die sich über zwei Jahre hinzogen, rund zwei Millionen Euro.

Mit einem gewissen Stolz berichtete der Vorstandsvorsitzende auch, dass die Raiffeisen- und Volksbanken im Kreisverband acht neue Arbeitsplätze geschaffen haben, jetzt 313 Mitarbeiter beschäftigen und 23 junge Leute ausbilden.

Randolf Menna gab eine gute Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr ab. Er verband sie allerdings mit einigen kritischen Gedanken. Jedem, der Dienstleistungen der Raiffeisen- und Volksbanken in ihren 38 Geschäftsstellen in Anspruch nimmt, müsse klar sein, dass dabei Kosten entstehen - und gewisse Gebühren verlangt werden. "Man kann die Konditionen einer Direktbank, die in einem Industriegebiet sitzt, nicht mit einer Kreditgenossenschaft wie unserer vergleichen", sagte er.

Durch das Eingreifen der Politik sah Menna den Wettbewerb im Bankgeschäft zurzeit gestört. Die Raiffeisen- und Volksbanken müssten mit Kreditinstituten konkurrieren, die staatlich gestützt würden und dadurch Kunden mit besonderen Konditionen locken könnten, oder die sich eine funktionsfähige Einlagensicherung sparten. Eine "Schnäppchenjagd" könne sich bei einer Bankpleite dann böse rächen. "Sicherheit muss wieder ihren Preis haben", unterstrich der stellvertretende Vorsitzende. "Wir alle müssen uns da rüber klar werden, welche Banken wir in Zukunft wollen."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren