Bad Staffelstein
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Viele Hühner starben wegen der Stallpflicht

Wegen der Vogelgrippe mussten die Geflügelhalter ihre Tiere vier Monate im Stall einsperren. Die Tiere traf das hart - viele starben wegen der Stallpflicht.
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Die Stallpflicht hat bei den Tieren sichtbare Spuren hinterlassen - Krusten und kahle Stellen sind das Resultat. Fotos: Sarah Stieranka
Die Stallpflicht hat bei den Tieren sichtbare Spuren hinterlassen - Krusten und kahle Stellen sind das Resultat. Fotos: Sarah Stieranka
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Herausgerissene Federn, kahle Stellen und verkrustete Haut: Es ist kein schöner Anblick, der sich uns beim Besuch des mobilen Hühnerstalls von Katharina und Franz-Josef Teuchgräber aus Bad Staffelstein bietet. Die Stallpflicht hat beim Geflügel sichtbare Spuren hinterlassen. Aber auch das Ehepaar hatte in den vergangenen Wochen erhebliche Mehrkosten.

Der Grund: Durch die Vogelgrippe mussten die Tiere vier Monate im mobilen Stall eingesperrt werden. Die gewohnte Auslauffläche von 500 Quadratmetern wurde schlagartig auf ein Zehntel reduziert. Ein Zustand, den einige Hühner besser, andere schlechter weggesteckten.


Monatelang auf engstem Raum

"Sie sind es gewohnt rauszugehen. Wir würden uns auch an die Gurgel gehen, wenn man uns in ein Zimmer sperren würde", sagt Katharina Teuchgräber. Monatelang erlebte sie mit, wie sich ihre Hühner gegenseitig angriffen. Über 20 Prozent der Tiere starben während dieser Zeit, erzählt sie mit gesenktem Blick. "An der Kloake, wo das Ei rauskommt, haben sich die Hühner gegenseitig angepickt." Es entstand eine Wunde, wodurch die Tiere innerhalb von Stunden verbluteten. "Es ging so schnell. Wir haben gemacht, was in unserer Macht ist, aber ich bin oft mit Bauchschmerzen zum Stall und habe daran gedacht, was mich wieder erwartet", erinnert sich die 35-Jährige. Statt der üblichen zwei Mal am Tag, musste sie mindestens fünf Mal am Tag im Hühnerstall nach dem Rechten sehen.

Üblicherweise würden sich die Hühner bei einem mobilen Stall mit Auslauf nicht angreifen. Doch aus Langeweile sei es immer wieder zu solchen Zwischenfällen gekommen. "Ein Huhn braucht eine gewisse Anzahl an Pickgesten pro Tag", erzählt Katharina Teuchgräber, die mit Strohballen, Picksteinen und Gemüse versuchte, ihre Tiere zu beschäftigen. Ein Futterautomat warf alle paar Stunden Getreide zum Picken aus, doch "irgendwann waren die letzten Mittel erschöpft", so die 35-Jährige.


Ein Zelt und nahrhaftes Futter

Es kamen weitere Investitionen auf das Ehepaar zu: ein Zelt sowie nahrhaftes Futter, damit die Hühner genug Nährstoffe aufnehmen - so zum Beispiel Luzerne-Gräser. "Normalerweise bräuchten wir das nicht. Auch das Zelt haben wir uns nur wegen der Stallpflicht angeschafft." So konnten die Tiere wenigstens auf einer kleinen Fläche draußen herumlaufen - sicher überdacht, vor dem Kot von Wildvögeln.

Doch der Auslauf reichte bei weitem nicht, sagt die Staffelsteinerin, die zusehen musste, wie ihre Tiere aufeinanderlagen, um ein wenig Sonne abzubekommen. Als "Tierquälerei" bezeichnet Franz-Josef Teuchgräber die Stallpflicht. Ihn ärgerte vor allem, dass lediglich die Ergebnisse des Friedrich-Loeffler-Institutes betrachtet wurden. "Sie haben auf ihrer These beharrt, obwohl namhafte Ornithologen die Ursachen woanders sahen." Dadurch, so Teuchgräber, habe man viele Tiere "großen Qualen" aussetzen müssen.


Keine Gewinneinbußen für die Familie

Durch die Stallpflicht hatte die Familie übrigens keine Gewinneinbußen. Nach drei Monaten Stallpflicht mussten viele Bauern ihre Freiland-Eier zum Preis der Bodenhaltung abgeben. "Uns hat es weniger getroffen, weil wir nicht an Geschäfte verkaufen. Unsere Eier werden nicht gestempelt." Andere Hühnerhalter hatten da weniger Glück - sie hatten Gewinneinbußen von etwa 30 Prozent, weiß Katharina Teuchgräber. Außerdem musste sie zusätzlich Geld für neue Schachteln und die Umstellung der Stempel-Maschinen in die Hand nehmen.

Ein Verkaufsverbot wurde zur Erleichterung des Ehepaares im Landkreis Lichtenfels in den vier Monaten nicht ausgesprochen. Das wäre nur notwendig, wenn im Umkreis von drei Kilometern ein Tier ohne erkennbaren Grund verendet wäre.

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