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Klosterlangheim
Tourismus

Urlaubsbauernhöfe im Kreis Lichtenfels auf dem Prüfstand

Anspruchsvollere Gäste und das Internet stellen Urlaubsbauernhöfe vor neue Herausforderungen. Heidi Gieger hat für ihren Hof in Klosterlangheim offenbar den richtigen Weg gefunden. Dem Landwirtschaftsamt gilt er als Vorzeigehof.
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Heidi Gieger betreibt in Klosterlangheim seit 22 Jahren einen Urlaubsbauernhof: "Man muss immer ein bisschen was machen". Kürzlich hat sie überall neue Küchen eingebaut. Foto: Anja Greiner
Heidi Gieger betreibt in Klosterlangheim seit 22 Jahren einen Urlaubsbauernhof: "Man muss immer ein bisschen was machen". Kürzlich hat sie überall neue Küchen eingebaut. Foto: Anja Greiner
Die Gummistiefel hat Heidi Gieger in jeder Größe. Gieger steht vor dem Schuhregal am Ende der Holztreppe, die zu sechs Ferienwohnungen führt. Sie lacht, als sie auf das Paar Gummistiefel blickt. Alles für den Gast. Ihren Gast. Den Urlaubsbauernhof in Klosterlangheim betreibt Heidi Gieger seit über 20 Jahren. Sie sagt: "Mir gefällt es, irgendetwas netter herzurichten, an dem Leute ihre Freude haben."

Marianne Rebelein sitzt in ihrem Büro im Landwirtschaftsamt in Coburg. Dort ist sie unter anderem für Urlaub auf dem Bauernhof zuständig. Sie hat die Tagung mitorganisiert, die Ende April auf Kloster Banz stattfindet. Es geht um Zukunftskonzepte für Urlaubsbauernhöfe in Zeiten von Online-Booking, Social Media und steigenden Gäste erwartungen.

Der Ökonomiehof von Heidi Gieger in Klosterlangheim ist einer der Betriebe, den Marianne Rebelein mit den Gästen der Tagung besucht, der einzige im Landkreis Lichtenfels. Eine Art Vorzeigebetrieb, sagt Rebelein.
19 Urlaubsbauernhöfe im Kreis Lichtenfels hat Rebelein in ihrem Arbeitskreis. Für die einen ist es ein festes Standbein und ein Arbeitsplatz vor Ort, für die anderen ein zusätzliches Einkommen, sagt sie.

Der Teufel steckt im Detail

Für Heidi Gieger ist es einfach das Richtige. Sie ist gelernte Agrartechnikerin, wollte aber dann doch lieber mit Menschen zusammen sein. Die Ferienwohnungen, sagt sie, sind nicht die Haupteinnahmequelle. Das sei der Ackerbau, den ihr Mann auf 230 Hektar betreibt.

Die Ferienwohnungen bauten sie 1993, als der abgebrannte Dachstuhl wieder aufrichtet wurde. Ein wenig blauäugig, wie sie heute sagt. Geholfen haben Schulungen, die das Landwirtschaftsamt angeboten hat, als Bedingung für die Förderung.

Wenn man sie fragt, was anfangs am schwersten war, dann lacht Gieger und sagt: "Ich hatte ja keine Vorstellung, wie viel tatsächlich zu putzen und zu waschen ist." Am Wochenende putzt Gieger auch mal selbst, unter der Woche ein Zimmermädchen. Die Hauptsaison geht von März bis Oktober. Sicher, mit Oberbayern oder dem Allgäu kann Oberfranken nicht unbedingt mithalten, dafür ist es hier günstiger.

Gieger steht auf dem kleinen Rasenstück inmitten ihres Hofes. Als sie unter einem Busch eine Metallkrone liegen sieht, lacht sie. Die Krone gehört zu einer Dekofigur ein paar Meter weiter. "Die Kinder räumen ständig alles um." Sie überlegt kurz, dann sagt sie: "Das lass ich jetzt einfach mal liegen."

Urlaub auf dem Bauernhof muss kinderfreundlich sein, sagt Gieger. Ein Streichelzoo, Reitstunden, eine Scheune mit Tischkicker, Bobbycar und Tischtennisplatte, das bietet sie an. Die Renner jedoch sind die Kinderkleiderhaken in den Zimmern. Eigentlich keine große Sache, sagt Gieger, aber die Eltern seien davon jedesmal richtig begeistert.

Marianne Rebelein lebt mit ihrer Familie selbst auf einem Hof. Vermieten wollte sie nie. Fremde Menschen, die bei ihr ein und aus gehen, das musste nicht sein. "Man muss schon auch gerne Gastgeber sein", sagt sie. Gerade war ein Ehepaar aus Bamberg bei Heidi Gieger zu Gast gewesen. Sie haben die Hälfte ihrer Sachen vergessen. "Ich muss die Woche eh' nach Bamberg, da bring ich ihnen alles mit", sagt sie.

Man muss auf die Wünsche seiner Gäste eingehen, man dürfe sich aber nicht aufopfern, sagt Gieger. Sie sei nun 48 Jahre alt, und sie mache nicht mehr alles für jeden. Früher habe sie auch samstags noch Reitstunden gegeben, auch wenn klar auf ihrer Webseite steht, dass es die Stunden nur wochentags gibt.

Neue Vorzeichen durchs Internet

Viele Betriebe im Landkreis, die damals mit Gieger angefangen haben Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, hätten seitdem nichts mehr verändert. Gieger hat kürzlich in allen sechs Ferienwohnungen neue Küchen eingebaut, immer mal wieder die Möbel erneuert, Vorhänge und Bilder aufgehängt. "Man muss immer ein bisschen was machen und investieren."

Die Kloster-Suite ist die neueste Investition, eine Ferienwohnung - sie ist größer und moderner eingerichtet als die bisherigen, dafür auch teurer. Vielleicht wolle sie die Wohnung auch zum ersten Mal über Online-Booking Portale anbieten.

Es gebe Betriebe, sagt Rebelein, die hätten noch nicht einmal eine Email-Adresse. Auf der anderen Seite gebe es auch Betriebe, die in ihren Biergärten Ladestationen für E-Bikes aufstellen, oder mondäne Blockhäuser am Waldrand errichten.

Der Gast ist anspruchsvoller geworden. Er möchte große Bäder, moderne Küchen, gute Gastronomie. Eine Spülmaschine ist heute Pflicht, damit Betriebe überhaupt klassifiziert werden.

Klassifiziert wird, ähnlich wie bei Hotels, in Sternen - jedenfalls vom Landwirtschaftsamt. Früher, sagt Rebelein, sei diese Klassifizierung ausschlaggebend gewesen, wenn Gäste sich informieren wollten, heute sind es die Bewertungsportale im Internet. Und die Homepage - die werde von den Gästen praktisch auswendig gelernt, sagt Gieger.

Manchmal wollen Gäste Dinge aber auch nur, damit sie da sind. Die Sauna, sagt Gieger, werde so gut wie nie benutzt, bis auf die ein oder andere Ausnahme: Von der Familie zum Beispiel, in der sich die Eltern am Anfang des Urlaubs zerstritten haben und er dann zwei Wochen in der Sauna geschlafen hat. Ein Nachtkästchen hatte er sich vom Antiqitätenhändler besorgt.

Gieger lacht, sie könnte ein Buch füllen mit solchen Geschichten.














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