Bad Staffelstein
Auftritt

Unverbrauchter Witz macht Laune

Der Nürnberger Tobias Hacker alias Gymmick gab in Bad Staffelstein manchem mit seiner Unterhaltungskunst Rätsel auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gymmick präsentierte in der Alten Darre einfach nur schrägen Humor, der sich jeder Bestimmung widersetzt. Foto: Markus Häggberg
Gymmick präsentierte in der Alten Darre einfach nur schrägen Humor, der sich jeder Bestimmung widersetzt. Foto: Markus Häggberg
+2 Bilder
Nach Ende der Veranstaltung fragte jemand aus den Besucherreihen: Worum ging es eigentlich? Man kann nicht sagen, dass dieser Jemand während des Programms "Schlicht und ergreifend" nicht vergnügt oder ausgelassen gewirkt hätte. Ganz im Gegenteil sogar. Aber was der Nürnberger Gymmick während der zwei Stunden in der Alten Darre trieb, gab Rätsel auf und widersetzte sich allen Versuchen einer Bestimmung.

Er zieht Fratzen, bringt schräge Verse vor, morbide ist er auch und während er sich einen Reim macht, darf man sich die Moral seiner Geschichten selbst denken. So ungefähr verlief der Samstagabend in der Alten Darre, ein Abend der KIS (Kultur Initiative Staffelstein).

Hermann Hacker, Vorsitzender der KIS, begrüßte wohl vier Dutzend Zuschauer und einen Mann, der doch tatsächlich den gleichen Nachnamen trägt: Tobias Hacker.
Diesen Mann kennt in und um Bad Staffelstein oder Lichtenfels wohl kaum einer. In Nürnberg, wo er her aufwuchs, ist er als Cartoonist bekannt, darf für Museen Hans Sachs darstellen, hat den Kulturförderpreis der Stadt errungen und tritt auch mal in dritten Programmen auf. Eine Biografie im Gauklertum im besten Sinne und mit unverbrauchtem Witz.

Dazu gehörte es auch, Stimmungslieder zu singen, die den Untergang feiern, merkwürdige Unfälle bejubeln und sich im Absurden austoben. Etwa dann, wenn die Intimpiercing-Mafia Menschen auflauert, um ihnen untenrum Klipse anzutun. Noch schräger wird es, wenn er für Verständnis bei ADHS wirbt, den ADAC und AC/DC sinnbe freit mitverwurstet und zu solchem Nonsens mitunter grandiose Akkorde auf dem E-Piano findet. Die Anfangszeiten eines Billy Joels hätten fröhliche Urstände feiern mögen, wären die Texte nicht so genial bekloppt gewesen. Freilich, manche Plattheiten gab es schon auch, aber die wurden durch manche sprachlichen Subtilitäten auch wieder aufgehoben.

Ad hoc reimte der 41-Jährige auf Zuruf aus dem Publikum Möglichkeiten, wie süße Tiere Suizid begehen könnten. Oder auf welche Weise ein unbegabter Friseur Frisuren zu schänden imstande wäre. Auch den langweiligsten Kuss der Welt beschrieb er gähnend. Und wenn ihm danach war, dann stieg er von der Bühne über die erste Stuhlreihe und zog mit der Gitarre eine hilflose Frau im Publikum in einen grauslichen Flirt.

All das war Absicht, Blödeln um des Blödelns willen, irgendwo zwischen Heinz Erhardt, Georg Kreisler und Helge Schneider gepanscht und mit gehörig Mut zur Hässlichkeit sowie einem Schulterzucken für Schubladen. Im Wörterbuch wird ein "Gimmick", ein etwas also, auf das sein Künstlername Bezug nimmt, als ein lustiges Etwas von geringem materiellen Wert erklärt - abwarten. Zumindest macht unverbrauchte Kleinkunst mit Typen wie diesem Laune.


Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren