Unter der Leitung Lothar Triers entwickelte sich die Firma Scherer & Trier mit Sitz in Michelau zur internationalen Unternehmensgruppe und zu einem der größten Arbeitgeber der nordbayerischen Region.

1929 in Oelsnitz geboren, war seine Generation noch direkt vom Zweiten Weltkrieg betroffen. Lothar Trier wurde selbst mit 15 Jahren noch zum Militärdienst eingezogen. Nach dem Krieg fand er zuerst eine Stelle als Lehrling der Elektrotechnik. So installierte er in Grafenwöhr die Elektrik in den Haushalten des amerikanischen Militärs. Am Wochenende verdiente er sich noch etwas nebenbei dazu. Als Lohn bekam er Zigaretten, die er dann für fünf Reichsmark pro Stück verkaufte. Von dem Ersparten kaufte er Funkartikel aus den Lagerbeständen der Wehrmacht - daraus baute er dann Radios, eine seiner großen Leidenschaften.

Als 1947 die Lager langsam zur Neige gingen, begann er in einer Leder-Fabrik, wo man gleichzeitig Kunststoffprofile herstellte, die elektrische Versorgung zu legen. Die ganze Zeit über schaute er neugierig zu, wie die neuen Maschinen nach und nach in Gang gesetzt wurden. Im Jahr 1949 wurde Lothar Trier gefragt, was er nach der Installation tun wolle - und so begann seine "Karriere" in der Kunststoff verarbeitenden Industrie. Die Firma war übrigens die Rehau AG, ein heutiger Wettbewerber zu Scherer & Trier, die sich anfangs noch Fränkische Lederfabrik Plastik GmbH nannte.

Zu dieser Zeit stand Lothar Trier acht Stunden an der Extrusionslinie, danach baute er acht Stunden Werkzeuge. Als einen seiner größten Erfolge aus dieser Zeit ist die Leistung zu nennen, Schuhrahmen aus Kunststoff nahezu ohne Ausschuss zu extrudieren - für die damalige Zeit fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Er arbeitete sich bei Rehau vom Schichtführer bis zum technischen Leiter des Zweigwerks in Feuchtwangen hoch und baute einen weiteren Kunststoffbetrieb auf, die Schock & Co in Schorndorf. Der große Sprung in die Selbstständigkeit kam dann im Jahr 1967 mit der Gründung von Scherer & Trier in Michelau, zusammen mit Georg und Andreas Scherer. Mit anfangs 20 Arbeitskräften fertigten sie Flechtmaterialien und Profile für die Baubranche. 1972 kamen die ersten Aufträge aus der Automobilindustrie, die heute noch den Großteil des Geschäftes bestimmen. Jahrzehnte lang übernahm Lothar Trier soziale Verantwortung und schuf ein Unternehmen mit heute über 2000 Mitarbeitern. Zusammen mit seinen Söhnen Hartmut und Martin Trier leitete er das Unternehmen bis zu seinem Tod. Zeit seines Lebens führte er seinen Erfolg auch auf den direkten und unbürokratischen Kontakt zu seinen Mitarbeitern zurück. Diese kannten ihn stets als harten Arbeiter, der bescheiden lebte und zuweilen auch hart gegen sich selbst war.

Für seine Lebensleistung und seine Verdienste durfte Lothar Trier zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen: So erhielt er die Johann-Puppert-Medaille in Gold, die höchste Auszeichnung, die die Gemeinde zu vergeben hat. Bei seinem 80. Geburtstag im vergangenem Jahr bezeichnete Bürgermeister Helmut Fischer Lothar Trier als einen der profiliertesten Unternehmer in ganz Oberfranken. Bei der Jahresschlussansprache 2009 nannte er ihn namentlich als einen derer, die lange Zeit für den Wohlstand der Gemeinde gesorgt hätten.

Trier zählte zu den Trägern des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse. Es verwundert daher nicht, dass er stets mit dem Herzenswunsch lebte, dass das Unternehmen auch nach seiner aktiven Zeit erfolgreich weiter geführt wird, um die Zukunft der Unternehmensgruppe und somit auch die zahlreichen Arbeitsplätze einer ganzen Region zu sichern. Die Firma Scherer & Trier Kunststofftechnik in Michelau ist der zweitgrößte Arbeitsgeber im Landkreis Lichtenfels.