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Ebensfeld
Kulturring

Unterhaltsames Naturerlebnis am Veitsberg

Ein literarischer Spaziergang reichte von den gescheiterten Romanzen Victor von Scheffels bis zu einem abschließenden Orgelkonzert am Ansberg.
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Foto: Markus Häggberg
Foto: Markus Häggberg
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Gesellig gehen und Gehörtes sacken lassen - so formuliert, könnte man dem Kulturring Lichtenfels für seinen "literarischen Spaziergang" glatt Pädagogik unterstellen. Wohl eine halbe Hundertschaft zog am Samstagnachmittag vom Treffpunkt "Am Dornig" hinüber zum Ansberg (Veitsberg). Dass dies beinahe drei Stunden in Anspruch nehmen würde, lag an dem Wechselspiel aus Infotainment und Bewegung.
Was als Frühlingswanderung in den Mai betrachtet werden mochte, begann mit einem Scherz: "Laut Satzung" sei der Geschäftsführer des Kulturrings e.V. für gutes Wetter bei den alljährlichen literarischen Gängen zuständig, so Vorsitzender Stefan Voll neckisch auf Stephan Franke verweisend. Ein Blick zum Himmel gegen 14 Uhr verriet Voll: "Das könnt' a ganz netter Nachmittag werden." Tatsächlich bedurfte es schon fast eines ganzen Nachmittages, um eine Strecke zu bewältigen, obwohl man schon auf Sicht marschieren konnte. Im Sonnenschein lag der Veitsberg, aber bis dorthin gab es Wald und Windungen und Gelegenheiten für die vom Kulturring arrangierten Unterbrechungen.
Für die Gruppe derer, welche die Spaziergänger planmäßig aufzuhalten hatten, konnte der Kulturring neben Bezirksheimatpfleger Günter Dippold auch Autor und Kabarettist (ehemals bei TBC) Helmut Vorndran, die Spitzenkennerin des Lebens von Victor von Scheffel, Natalie Gutgesell, den sehr mit dem Akkordeon vertrauten Andreas Kerner oder das Flötenensemble des heimatlichen Evangelischen Bildungswerks gewinnen.
Der Frage danach, wie leicht oder schwer es für den Kulturring war, all die Mitmacher zu gewinnen, konnte der Vereinsgeschäftsführer Stephan Franke lächelnd begegnen. Beispielsweise mit dem Hinweis darauf, dass Dippold zweiter Vorsitzender ist. Doch bis zu dessen Abschlussvortrag über die Kapelle am Ansberg, welche zudem noch ein Orgelkonzert durch Franca Wiesmann (17) erfuhr, waren es ein paar Kilometer und Einsichten. Beispielsweise diese, die Natalie Gutgesell über Joseph Victor von Scheffel zu bieten hatte. Es wurde abseitig, ging ins Skurrile und war darum so erhellend wie anziehend.
Über Mikrofon und auf einer Waldwegerhöhung stehend, erzählte sie von den Romanzen von Scheffels. Besser gesagt von den zumeist ausbleibenden Romanzen. Da war die Rede von der Mutter als Managerin, von Mutter und Schwester, die ihm selbst beim Schreiben von anbahnenden Briefen in die Feder diktierten und davon, dass der Mann aus Schuldgefühlen gegenüber seiner verstorbenen Schwester dazu neigte, ihre Büste auf Reisen mitzunehmen und zu besprechen.
Versorgt mit Wissenswertem wie diesem, ging es bald in die Steigung zum Ansberg, sinnierend über das Gehörte, sich austauschend, Natur genießend und Gesellschaft. Zu den interessantesten Momenten des Tages gehörte ein unmöglich einzuplanender. Als Helmut Vorndran über das Keltentum sprach, darüber, welche Bedeutung der Ort Veitsberg für diese Kultur gehabt haben dürfte, da ging er dazu über, sein Publikum in eine Art Schlachtformation zu bringen, samt dem kriegerischen Gehabe der Kelten.
Die aber schienen wissend um Resonanzgesetze in der Natur gewesen zu sein, um den Eindruck und die Wirkung von Schwingungen; dann etwa, wenn Menschen gleichzeitig aufstampfen und sich mit der Faust gegen ihren Resonanzraum Oberkörper schlagen. Dass das wirksam gewesen sein dürfte, ließ das Aufjaulen eines am Boden liegenden Hundes vermuten. Überhaupt erwies sich Vorndran als versierter Kenner aller möglichen keltischen Zustände.
Was als literarischer Spaziergang angekündigt war, verlief sich auch in das Historische und Musikalische hinüber, blieb aber stets unterhaltsames Flanieren.
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