Bekannter ist da schon "Parkour", spätestens seit Sebastian Foucan als Bösewicht in "Casino Royal" vor James Bond eindrucksvoll und geschmeidig wie eine Raubkatze flüchtete. Da raufhin wurde, schon in den achtziger Jahren von dem Franzosen David Belle in einem Pariser Vorort die Trendsportart "Parkour" ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es in Deutschland einen eigenen Verein: die Deutsche Parkour Association e.V.
Doch was hat Parkour mit Trakour zu tun? Sehr viel, denn inzwischen wurde die Straßensportart, bei der Jugendliche elegant über Treppenstufen springen, über Parkbänke rollen oder sich wie Spiderman an Geländern und Garagenwänden entlang hangeln, von der Straße in die Turnhalle verlegt. Auch in Michelau hat sich unter der Schirmherrschaft des Turnvereins eine Trakour-Truppe etabliert, die sich jeden Donnerstag von 18.15 Uhr bis 20.30 Uhr in der Michelauer Schulturnhalle unter der Anleitung von Stefan Hammerschmidt nach Herzenslust austobt. "Parkour, Trakour & Freerunning" nennt sich die Trainingseinheit, an der inzwischen auch Jugendliche aus Lichtenfels und Weismain gerne teilnehmen.
"Ich hab das vor einem Jahr angefangen, damit die Jungs etwas von der Straße wegkommen", erzählt Stefan Hammerschmidt auf Nachfrage. In Herrsching am Ammersee hat er in einem Kurs des Bayerischen Turnverbandes die Grundlagen und die Hilfestellungen zu dieser modernen Sportart erlernt. "Man macht das ja deshalb in der Halle, damit man draußen das Abrollen und alles richtig beherrscht. In der Halle ist ja die Verletzungsgefahr wesentlich geringer."
Interessant findet Stefan Hammerschmidt, "dass Trakour aus dem Turnerischen kommt und dass man die Übungen nicht mit Haltungsnoten ausführen muss, sondern dass man da wirklich springen und kreativ sein kann, wie man will. Weil alles, wenn es fließend ausgeführt wird, gut ausschaut." Viele Jungs würden vor dem Turnen zurückschrecken, weil man da alles möglichst sauber und perfekt ausführen muss. "Das ist beim Trakour nicht der Fall."
Vorbei ist die Zeit, in der Jugendliche herkömmliches Gerätturnen mit miefigen Turnhallen und langweiligen Sportstunden assoziieren, bei denen man vor jeder Übung in einer Reihe warten musste, und der Lehrer am Ende alles besser wusste. Trakour bringt Bewegung in das Ganze, peppt den Geräteparcours durch ungewöhnliche Konstellationen auf. Und natürlich lassen sich indoor viele interessante Hindernisse aufbauen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Stufenbarren und Sprossenwände eignen sich zum Hangeln, Bänke eingehängt in Ringe oder Kletterseilschlaufen zum Balancieren - und eine Kombination aus Kasten, Trampolin und Weichbodenmatte wird zum perfekten Übungsgerät für spektakuläre Sprünge, Handstandüberschläge oder Salti. Und so fliegen die Jungs unter der Anleitung ihres Trainers über Längs- und Querkasten, von denen gerne auch einmal zwei hintereinander gestellt werden. Auf den Balanceakt auf dem Barrenholm folgt der Unterarmhandstand. Präzision, Körperbeherrschung und jede Menge Spaß sind die wichtigsten Komponenten. Die Zielgruppe ist weit gefächert. Trakour eignet sich am besten für Zwölf- bis etwa 30-Jährige. Bislang interessieren sich eher Jungen für die Trainingsmethode, vor allem diejenigen, die vor lauter Kraft nicht wissen wohin damit. Man kann sich so richtig austoben, nichts muss, vieles kann.
"Die Jungs sind keine halsbrecherischen Draufgänger", erklärt Stefan Hammerschmidt. Jedes Risiko werde sauber kalkuliert. Statt auf hartem Asphalt lande der Sportler sicher auf Matten und habe einen erfahrenen Übungsleiter zur Seite, der Verletzungsrisiken abschätzen und dank kompetenter Hilfestellung minimieren kann. Es gibt keine Haltungsnoten, nur der Schwierigkeitsgrad und die Ausführung zählen. Auch Anfänger und Quereinsteiger kommen hier zu ihrem Recht. Besonders für Parkour-Anfänger ist Trakour als Einstieg geeignet. Die Parkour-Profis verfahren nach der Regel: im Winter in die Halle, und im Sommer auf die Straße oder in den Park.