Bad Staffelstein
Grünes Zentrum

Symbiose aus Denkmalschutz und Funktionalität

In Bad Staffelstein wurde die neu geschaffene zentrale Anlaufstelle für Landwirte feierlich eingeweiht.
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Das Grüne Zentrum in der Lichtenfelser Straße in Bad Staffelstein wurde am Sonntag feierlich eingeweiht. Foto: Mario Deller
Das Grüne Zentrum in der Lichtenfelser Straße in Bad Staffelstein wurde am Sonntag feierlich eingeweiht. Foto: Mario Deller
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"Wenn ich behaupte, mir fällt heute ein Stein vom Herzen, ist das keine Übertreibung," sagte Hans Vetter, und die Erleichterung stand dem Behördenleiter ins Gesicht geschrieben. Feierlich wurde gestern das Grüne Zentrum offiziell eingeweiht. Redner und Besucher würdigten den gelungenen Umbau, durch den die Landwirte der Region nun wichtige Anlaufstellen unter einem Dach finden.

Er sei glücklich, betonte Vetter, dass durch das Grüne Zentrum nicht nur der Gebäudeleerstand und die jahrelangen Umbauarbeiten beendet seien, sondern freue sich vor allem über die Etablierung eines kundennahen Beratungs- und Dienstleistungszentrums für die Landwirtschaft. Dem bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dankte er dafür, dass es stets hinter der Maßnahme gestanden habe.
Als Vertreter des Ministeriums angereist war Hubert Bittlmayer. Dass es in Bayern schön ist, sei auch ein Verdienst der Land- und Forstwirtschaft, betonte er. "Deshalb ist es unser aller Auftrag, die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern zu erhalten und ihnen Unterstützung zu geben durch Schule, Ausbildung, Beratung und Förderung." Bittlmayer zeigte die Vorteile des in Bad Staffelstein geschaffenen Grünen Zentrums auf. Dadurch könnten Ideen und Projekte schneller vorangetrieben werden. Die rund zwei Millionen Euro seien gut investiert.

Für den zu Jahresbeginn eingezogenen Bauernverband sprach Kreisobmann Michael Bienlein. Beengte Zimmer, wenig Stauraum - die Räumlichkeiten in Lichtenfels, in denen die Geschäftsstelle des Bauernverbandes zuvor untergebracht war, hätten einfach nicht mehr den Anforderungen genügt. Er erinnerte an die Geburtsstunde des Grünen Zentrums und die vielen guten Gespräche zwischen Bauernverband und Landwirtschaftsamt, die hierfür die Basis bildeten.


"3815 Fuhr Krumpelstein"

Auf die wechselvolle Geschichte des rund 300 Jahre alten Altbaus - zusammen mit dem Anbau aus den 1950er Jahren haben hier nun 35 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz - ging Bezirksheimatpfleger Günther Dippold ein. Er blickte zurück auf das Jahr 1713, als die Domherren, deren (restauriertes) Wappen noch heute die Fassade an der Lichtenfelser Straße schmückt, den Neubau ihres Amtshauses beschlossen. Das alte Domizil am Kastenhof war durch den Stadtbrand drei Jahrzehnte zuvor zerstört worden. Das Baumaterial stammte beispielsweise aus der Ziegelhütte von Schney oder aus Steinbrüchen der Region. So ist in den Quellen auch die Rede von "3815 Fuhr Krumpelstein" aus Loffeld, also kleine Steinbrocken zusätzlich zu den großen Quadern. Im Zuge der Verstaatlichung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Domkapitel mit einem Federstrich aufgehoben. Die Zeitreise Dippolds umfasste auch Phasen, in denen das Gebäude verwaist war sowie die Zeit, als es bis zur Gebietsreform das Bezirksamt beherbergte. Seit 1972 ist das Landwirtschaftsamt dort ansässig.

Wie alle Redner war auch der Historiker voll des Lobes über die denkmalpflegerische Behutsamkeit beim Umbau des stadtbildprägenden Gebäudes in der Lichtenfelser Straße: "Es ist beeindruckend, zu sehen, wie sensibel das Staatliche Bauamt dabei vorgegangen ist, mit Gespür für das Alte, sinnvoll und geschmackvoll ergänzend."
Wie auch Landrat Christian Meißner (CSU) zeigte sich Hans Rebelein, Geschäftsführer des Bauernverbandes, angetan und zitierte an dieser Stelle einen Satz von Viktor Hugo: "Die Zukunft hat viele Namen - für die Mutigen ist sie eine Chance."

Die Baumaßnahmen bei laufenden Betrieb schilderte Jürgen König vom Staatlichen Bauamt Bamberg und dankte dabei für das Verständnis angesichts der Beeinträchtigungen.

Einen Eindruck davon, wie vielschichtig sich die Umbau- und Sanierungsarbeiten gestalteten, verschaffte eine Führung mit Bauleiter Thomas Kandler. Er ging auf die Erneuerung der Stuckdecken, Holzdielen und der imposanten Treppe im Eingangsbereich ein und erläuterte wichtige Punkte wie den Bau des gläsernen Liftes ("das war Millimeterarbeit") und die energetische Sanierung.


Energie wird eingespart

Nach der Besichtigung der neuen Pelletsheizung, die verglichen mit der alten Ölheizung nur noch 49 statt 140 Kilowatt verbraucht, ging es beim Gang in den alten Gewölbekeller ein wenig enger zu. An den Haken, an denen früher vermutlich Schinken zur Aufbewahrung hingen, sind heute Leuchten befestigt. Der Gewölbekeller dient als Lagerraum.
In der von der "Nothelfer-Kapelle" umrahmten Einweihungsfeier spendeten Dekan a.D. Gerhard Hellgeth und Pfarrer Matthias Hagen den kirchlichen Segen. Anschließend öffnete das Grüne Zentrum seine Pforten für die Allgemeinheit. Bei Kaffee und Kuchen konnten sich jedermann selbst davon überzeugen, dass moderne Gesichtspunkte und Bewahrung historischer Bausubstanz keine Widersprüche darstellen müssen.
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