Rund 56 000 Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in 20 europäischen Ländern verlegt, unter anderen in Burgkunstadt. Die mit einer Messingtafel versehenen Stolpersteine sollen ans Schicksal ermordeter jüdischer Mitbürger während des Naziregimes erinnern. Bei der Stadt Lichtenfels sind, wie Bürgermeister Andreas Hügerich im Stadtrat erläuterte, zwei zweckgebundene Spendenzusagen für Stolpersteine eingegangen.

Die Frage, ob der Stadtrat die Verlegung im öffentlichen Raum genehmigen soll, sorgte im Gremium für Diskussionen. Die Kosten für einen Stolperstein liegen bei 120 Euro. Da der erste Stein von Künstler selbst verlegt wird, werden Gesamtkosten von rund 1000 Euro fällig. Alle weiteren Steine können in Absprache mit Gunter Demnig vom Bauhof selbst verlegt werden, erläuterte Ulrich Sünkel vom Stadtbauamt. Doch trotz langer Diskussion fiel im Stadtrat am Montag keine Entscheidung zu diesem Thema.

Bürgermeister Andreas Hügerich sprach sich für eine Verlegung der Stolpersteine aus, da sie an die düsterste Zeit der deutschen Geschichte erinnern. Anders dagegen Roland Lowig (Wählervereinigung Leuchsental Jura), der sich gegen eine Verlegung aussprach, da Demnig so etwas wie eine Monopolstellung besitze. Als sinnvoller erachtet es Lowig, im Vorgarten der Synagoge eine Tafel mit den Namen derer aufzustellen, die Opfer des Naziregimes wurden.

Arnt-Uwe Schille (SPD) befürwortete die Stolpersteine, da es in der Stadt Lichtenfels mehrere Orte gibt, wo Juden oder andere Verfolgte ansässig waren: "Damit wird kenntlich gemacht, wo sie gelebt haben."

Man solle sich der Geschichte stellen, forderte Bernhard Christoph (Bündnis 90/Die Grünen). Er erinnerte daran, dass sich Lichtenfels bei der Verfolgung von Juden besonders negativ hervorgetan habe. "Man sollte nicht nur Stolpersteine verlegen, sondern auch eine Tafel aufstellen", sagte Christoph.

Kritisch sieht Robert Gack (CSU) die kommerzielle Seite der Aktion, vor allem vor dem Hintergrund, dass bereits 56 000 Stolpersteine verlegt wurden. Dem hielt Monika Faber (SPD) entgegen, dass die Stolpersteine ein Mahnmal seien und auch ein Künstler nicht von der Hand in den Mund lebe.

Christian Barth (Junge Bürger) hätte das Thema lieber in nichtöffentlicher Sitzung diskutiert. Letztlich sprach sich das Gremium mit 22:7 Stimmen für eine Vertagung aus. Auch will die Stadt bei den Spendern nachfragen, ob nicht auch eine andere Form des Gedenkens (Stele, Wandtafel oder ähnliches) in Frage komme. Das Thema soll außerdem noch einmal in den Fraktionen und im Fachausschuss behandelt werden.

Stadtrat kurz gefasst

Gaspreise
Bürgermeister Andreas Hügerich verkündete, dass zum 1. Januar 2017 das Gas billiger wird. Laut Dietmar Weiß, Werkleiter der Stadtwerke Lichtenfels, konnte man sich für das Jahr 2017 um vier bis fünf Prozent bessere Bezugspreise sichern. "Auch die Treuetarifkunden profitieren von dem Preisnachlass", sagte er. Für einen Vierpersonen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunde (kWh) ergebe sich im nächsten Jahr damit eine Einsparung von knapp 70 Euro.

Gewinn Der Wirtschaftsplan der Stadtwerke für 2017 geht von Erträgen in Höhe von etwa 8,65 Millionen Euro und Aufwendungen von 8,6 Millionen Euro aus. Laut Weiß werde damit ein "kleiner Gewinn" gut 52 000 Euro erwirtschaftet.
Prüfung Die Stadtwerke ahben 2015 ordnungsgemäß gewirtschaftet. Das bestätigte Wirtschaftsprüfer Helmut Wiedemann vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband.

Citymanager Am 28. Februar 2017 läuft das von der Regierung von Oberfranken auf Vertragsbasis geförderte Citymanagement der Stadt Lichtenfels aus. Der Eigenanteil der Stadt lag bei jährlich 31 000 Euro. Wie Bürgermeister Hügerich erläuterte, hätten sich in den letzten Jahren Überlappungen der Aufgabenbereiche mit Bereichen der Verwaltung gezeigt. Deshalb erachte es die Verwaltung als sinnvoll, eine entsprechende Stelle im Stellenplan der Stadt zu schaffen mit Kosten in Höhe von mit 60 000 bis 70 000 Euro. Dem stimmte der Stadtrat geschlossen zu.
Zuschüsse Stadtkämmerer Johann Pantel stellte die Bedarfsliste für das Städtebauförderungsprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" im kommenden Jahr vor. Es handelt sich i um eine Reihe von Maßnahmen für 950 000 Euro. 200 000 Euro sind für Gestaltungselemente und Möblierung der Altstadt vorgesehen, weitere 100 000 Euro für die Beschilderung des Verkehrsleitsystems und 150 000 Euro für das Lichtenfelser Stadtsanierungsprogramm. Ebenfalls gefördertwerden sollen unter anderem das Lichtenfelser Geschäftsflächenprogramm sowie der Abbruch von Anwesen in der Judengasse mit jeweils 50 000 Euro. Wie Bürgermeister Hügerich erläuterte, sei die Stadt nicht zwingend an die Durchführung der gemeldeten Vorhaben gebunden. gvö