Es war mitten in den 70er Jahren in der Kurstadt. Das Staffelsteiner Landratsamt war bereits abgeschafft. Der alte Landkreis Staffelstein war aufgeteilt zwischen den Landkreisen Bamberg, Coburg und dem neuen Landkreis Lichtenfels, als es darum ging, die Stadtgebiete neu abzustecken. Zwischen Staffelstein und Lichtenfels ging es darum, die kleinen selbstständigen Gemeinden aufzuteilen.

Baptist Faulstich war oberster Verwaltungsbeamter der Stadt Staffelstein, war hautnah bei den Verhandlungen dabei. Eigentlich wollte der heute 75-Jährige bereits 1972 Bürgermeister werden, aber er unterlag Reinhard Leutner - der spätere Landrat wurde zum Bürgermeister gewählt. Leicht war es nicht, von der politischen Ebene zur sachlichen zurückzukehren. Aber die beiden Männer haben sich verstanden, "sonst wäre es nicht gegangen", sagt Faulstich. Klar, es kam in den kommenden Jahren bis 1978 einiges auf sie zu.


Eingemeindung gestaltete sich teils schwierig



Die Eingemeindungsverhandlungen waren teilweise schwierig, Baptist Faulstich erinnert sich an diejenigen mit Vierzehnheiligen, Grundfeld oder Reundorf, wo richtig gekämpft wurde. "Da ging es schon contra, da wurde alles versucht", sagt Faulstich.

Doch immer sei es fair zugegangen. Die Verhandlungen zogen sich manchmal ganze Nächte hin, in denen die Gemeindevertreter, Faulstich und Bürgermeister Leutner um die Verträge rangen. "Man ist per Sie in die Verhandlungen, dann hat man sich persönlich angenähert und kam per Du wieder raus", beschreibt Faulstich die zähen Sitzungen, die teilweise abends um acht angefangen haben und bis zum nächsten Morgen andauerten. "Da sind die ersten schon wieder arbeiten gegangen", sagt Faulstich. Und das ein oder andere Bier wurde da auch getrunken - "ohne wäre es nicht gegangen." Der 75-Jährige muss lachen, wenn er daran denkt. Er hat seinen Job gerne gemacht: "Es war eine schöne Zeit."


Knappe Entscheidung



Als es an die Bürgerabstimmung ging, in der bestimmt wurde, welche Gemeinde zu welcher Stadt sollte, wurde im Fall von Grundfeld/Vierzehnheiligen bekanntermaßen knapp für Staffelstein votiert: "Vier oder fünf Stimmen waren es für Staffelstein mehr" - knapper geht fast nicht. Bei Reundorf ging die Sache anders aus: Die Gemeinde kam zur Stadt Lichtenfels.

Am Anfang nach der Gebietsreform, der Auflösung des Staffelsteiner Landkreises, war fraglich, was das für die Stadt bedeuten würde. Doch es gab damals keine wirkliche Alternative zur Auflösung. "Der Staffelsteiner Landkreis konnte sich nicht mehr halten", sagt Baptist Faulstich. Der Stadtrat sprach sich deshalb einstimmig für den Beitritt zum neuen Landkreis Lichtenfels aus, denn der erschien ihm als das kleinere Übel. "Vielleicht hätte man auch zu Coburg oder Bamberg gemusst." Die Stadt Staffelstein wäre dann wohl untergegangen.

Die Entscheidung für den Kreis Lichtenfels war rückblickend richtig: "Die Stadt ist unbeschadet herausgekommen", sagt Baptist Faulstich. Den Werbenachteil, den sie durch den Verlust der Landkreisverwaltung, des Amtsgerichts, der Klinik, die dann später nach Lichtenfels kam, oder der Polizei-Inspektion zu verkraften hatte, hat sie abgefedert: Durch die Zivildienstschule, die Hanns-Seidel-Stiftung, die Realschule und die Obermain-Therme konnte sich Staffelstein wieder aufrichten.


Die Leute fehlten auf einmal



Trotzdem waren ein Kaufkraftverlust, ein gesellschaftlicher und vereinsmäßiger Einbruch in der Stadt vorhanden. "Die Menschen sind nicht mehr so oft nach Staffelstein gekommen", sagt Faulstich. Die Leute, die im Landratsamt oder am Amtsgericht gearbeitet haben, mussten weg, die fehlten dann auch in den Vereinen beim TSV Staffelstein oder anderswo als Funktionäre. Und klar: "Gute Bekannte und Freunde hat man schon auch verloren", sagt der Pensionär aus eigener Erfahrung.

An der Rehabilitation Staffel steins war der 75-Jährige persönlich beteiligt: In seiner Amtszeit als Bürgermeister wurde 1996 der Antrag auf staatliche Anerkennung der Stadt Staffelstein als Heilbad gestellt. 1994 hatte sich der Staffelsteiner nach längerer Überlegung noch einmal als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen - und wurde gewählt. Dass Staffelstein heute den Titel "Bad" trägt, hängt also auch mit seiner Person zusammen. Bis 2001 sollte es dann aber noch dauern, bis die Stadt sich "Bad Staffelstein" nennen konnte. Spätestens da war aber für Baptist Faulstich klar: "Die Wunden sind verheilt, man hat einen Weg gefunden, wieder da zu sein."