Bad Staffelstein
Persönlichkeiten

Staffelesteinerin und das "Maschinengewehr Gottes"

Der wortgewaltige Jesuitenpater Johannes Leppich wäre am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. Die Zeitzeugin Elisabeth Müller-Klein erinnert sich an den Wanderprediger, der auch eine flammende Rede in Staffelstein hielt.
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Pater Johannes Leppich war auch Autor: Elisabeth holt dessen 1956 erschienenes Werk mit dem etwas provokanten Titel "Christus auf der Reeperbahn" aus dem Bücherschrank und blättert darin.  Fotos: Mario Deller
Pater Johannes Leppich war auch Autor: Elisabeth holt dessen 1956 erschienenes Werk mit dem etwas provokanten Titel "Christus auf der Reeperbahn" aus dem Bücherschrank und blättert darin. Fotos: Mario Deller
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"Das Evangelium ist nun einmal kein Schlafpulver, sondern Dynamit." Das war noch einer der "harmloseren" Sätze des Geistlichen, der nicht umsonst den Beinamen "Maschinengewehr Gottes" verliehen bekam. Schönrednerei war nicht sein Ding. Die Rede ist vom unvergessenen Jesuitenpater Johannes Leppich.

Am 16. April wäre der für seine wortgewaltigen Reden bekannte Glaubensmann, der als Wanderprediger einst auch in Staffelstein die Massen angezogen hatte, 100 Jahre alt geworden. Die 77-jährige Elisabeth Müller-Klein durfte Pater Leppich kennenlernen. Sie würdigt im Gespräch mit unserer Zeitung die Bedingungslosigkeit, mit der der Jesuit für den gelebten Glauben eintrat.


Schonungslos offen


"Wir haben Gott in die Dome gesperrt und in den Museen konserviert." Zack, wieder hatte Pater Leppich einen verbalen Schuss abgefeuert. Dass er mit Sätzen wie diesen bei der Obrigkeit auch einmal aneckte, lag auf der Hand. Schonungslos offen war der Jesuit, nahm kein Blatt vor den Mund. Leppich rüttelte die Menschen auf, und das war auch seine Absicht. Durch seine volksnahe Bibelauslegung vermittelte der Jesuitenpater vielen religiös entwurzelten Menschen der Nachkriegszeit eine neue geistige Heimat.

Älteren Bürgern von Bad Staffelstein ist Pater Leppich noch heute ein Begriff. Bei etlichen Begegnungen durfte beispielsweise Elisabeth Müller-Klein den Geistlichen, aber auch den Privatmenschen Johannes Leppich kennenlernen. Die heute 77-Jährige traf ihn erstmals 1964 bei einem Exerzitienkurs in Vierzehnheiligen. Noch heute geht ihr das Herz auf, wenn sie von Pater Leppich spricht: "Als tiefgläubiger Mensch stand er immer hinter der Sache, trat ein für das gelebte Christentum und konnte auch einmal toben, wenn ihn etwas aufregte. Doch zugleich war er voller Herzenswärme und sehr humorvoll, er konnte sich kugelig lachen."


Vom Zirkuszelt auf die Straßen


Beginnend mit einer Aufsehen erregenden Predigt im Jahr 1948 in einem Essener Zirkuszelt verlegte Leppich fortan seine flammenden Ansprachen auf Straßen, Plätze und in Fußballstadien. Als "Wanderprediger" setzte er sich ein für ein gelebtes, soziales Christentum - und begeisterte als solcher am 29. Mai 1968 auch die Staffelsteiner. Als wäre es gestern, erinnert sich Müller-Klein noch an diesen Mittwoch, als Leppich auf dem Kirchplatz vor tausenden Bürgern sprach: "Die Straßen waren voll, das war beeindruckend, wie er da auf dem Dach seines Kombis zu den Menschen sprach."

Auch wenn Leppich polarisierte, seine Verdienste sind unumstritten. Er war am Puls der Zeit, auch ein Vordenker. Müller-Klein: "So mancher jüngere Bürger weiß vielleicht gar nicht mehr, dass Leppich als Begründer der Action 365 die ökumenische Laienbewegung voranbrachte und zudem Mitinitiator der Telefonseelsorge war."


Volksnah wie Papst Franziskus

Aufmerksam verfolgt die Bad Staffelsteinerin das Wirken des amtierenden Oberhirten der katholischen Kirchen - und sieht hier durchaus Parallelen: "Die Volksnähe, mit der Papst Franziskus als Jesuit den Menschen gegenübertritt, erinnert mich stark an Pater Leppich." Er habe gewusst, wo die Menschen der Schuh drückt und die sozialen Brennpunkte gekannt.

"Es kommt darauf an, dass man den Menschen auf der Basis eines christlichen Urverständnisses begegnet, so wie es Leppich vorgelebt und gepredigt hat", so Müller-Klein.


1992 in Münster gestorben


Sie möchte dies freilich nicht als Kritik an der heute in der Kirche Tätigen missverstanden wissen: "Die katholischen und evangelischen Geistlichen hier in Bad Staffelstein sind in der Verkündigung und Umsetzung der christlichen Botschaft sehr engagiert", lobt sie.

Pater Leppich, gebürtiger Oberschlesier, starb am 7. Dezember 1992 nach schwerem Leiden in Münster. Doch mit seinen schonungslos offenen Reden, seinem tief verwurzelten Glauben bleibt er unvergessen. Die Erinnerung an das "Maschinengewehr Gottes" ist auch Mahnung an alle Christen, nie in Starrheit zu verfallen, sondern wach zu bleiben und die Nöte der Menschen zu erkennen.
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