Weismain

Spurensuche auf dem Kalkberg

Die Männergruppe der Kolpingsfamilie erkundete die Freifläche, auf der vor über 75 Jahren Soldaten nach Fliegern Ausschau hielten.
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Die Gruppe Soldaten auf dem Unterstand sitzend, dahinter die Freifläche vom Kalkberg; von links Friedrich Löser, Andreas Dietz, Heinrich Dietz und Erhard Schnapp Repro: Erich Lutter
Die Gruppe Soldaten auf dem Unterstand sitzend, dahinter die Freifläche vom Kalkberg; von links Friedrich Löser, Andreas Dietz, Heinrich Dietz und Erhard Schnapp Repro: Erich Lutter
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Fragt man alteingesessene Weismainer nach einer Flugwache im Stadtbereich, ist die Antwort ein ungläubiges Kopfschütteln. Doch es ist kein Scherz, diese Einrichtung gab es tatsächlich, obwohl es weder im Museum, Touristikbüro, Fremdenverkehrssamt oder in Geschichtsbüchern hierzu Aufzeichnungen gibt. Dieser Ungewissheit wollte die Männergruppe der Kolpingsfamilie auf den Grund gehen. Zu Fuß machte sie sich auf dem Weg in südlicher Richtung hoch zum Kalkberg. Als das "Schwedenkreuz" passiert war, befand man sich nach wenigen Metern auf der Hochfläche.

Wenig Baumbewuchs, Bergkiefern, Hecken und jede Menge Wacholderbüsche kennzeichnen die hügelige Landschaft. Die Burgruine von Niesten war in der Ferne zu sehen, die blaue Fahne mit dem Andechs-Meranier-Wappen glänzte in der Abendsonne.
Aus den Baumwipfeln ragte die Turmspitze der Neudorfer St.-Clemens-Kirche empor, während über der Waldgrenze sich die sieben Windräder von Seubersdorf und Zultenberg drehten. Nun standen die Kolping-Männer voller Erwartung auf einer Anhöhe vor einem Erdgraben. Dies sei die Station der Flugwache gewesen, erklärte Fritz Dietz. Der Vorsitzende der Kolpinggruppe und dessen Bruder Georg Dietz (Schmied) schilderten die Eindrücke aus ihrem geschichtlichen Wissen. Dort also befand sich vor über 75 Jahren eine kahle Fläche, die eigentlich zur Schafweide genutzt wurde, frei von jeglichen Baumbestand. Dieses Feld erschien der Wehrmacht zu Kriegszeiten besonders geeignet, um als Beobachtungsstation eine Flugwache zu errichten. Ein Bunker mit Unterstand wurde ausgehoben, worin die Soldaten ihren Dienst von 1938 bis Kriegsende verrichteten. Meist waren es junge Männer, die da oben ihren Ersatzdienst leisten mussten. Darunter befand sich auch der Vater der Gebrüder Dietz, Heinrich Dietz. Immer eine Gruppe von vier Personen hielt täglich dort Wache, sieben Jahre lang. Ihre Aufgabe war es, den Flugraum zu beobachten und das Auftauchen fremder Flugzeuge per Telefon oder Funk zu melden an ihre übergeordnete Dienststelle nach Bamberg oder Nürnberg.


Einen Aussichtsturm gibt es nicht

Hauptsächlich war der Himmel im Osten oder Thüringer Wald von Interesse, denn von dort kamen die feindlichen Flieger. Täglich wurde der Wachgruppe ein warmes Mittagessen von Angehörigen auf den Kalkberg gebracht, erzählte Georg Dietz. Anni Motschenbacher bestätigte wiederum, dass die Gruppe ihr warmes Essen zu Hause einnahm. Ihr Vater, Michael Bornschlegel, mit dem Dienstgrad Feldwebel, war der Leiter der gesamten Wachstation. Es waren nicht nur Weismainer in grau-blauer Uniform im Einsatz, sondern auch auswärtige Soldaten, die in der Stadt wohnten.
Die freie Fläche am Kalkberg wäre hervorragend geeignet gewesen, einen Aussichtsturm zu errichten, erzählte Fritz Dietz. Aber dem mit großem Interesse verfolgten Plan des ehemaligen Bürgermeisters Peter Riedel sei leider nicht stattgegeben worden.

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