Der Deutsche Bauernverband wählt heute einen neuen Vorsitzenden. Gerd Sonnleitner gibt das Amt nach 15 Jahren ab. Einziger Kandidat für den Posten des Vorsitzenden ist Joachim Rukwied, der aktuell das Amt des Bauernpräsidenten von Baden-Württemberg inne hat. Doch wie sieht man die Arbeit Sonnleitners in unserer Heimat und welche Wünsche hat man an seinen Nachfolger? Der Fränkische Tag hat nachgefragt und dabei festgestellt, dass man nicht überall die gleiche Meinung vertritt.

So ist die Kreisbäuerin Marion Warmuth mit der Arbeit von Sonnleitner zufrieden. Ihrer Meinung nach habe er sich sehr gut für die kleineren Verbände eingesetzt und dafür gesorgt, dass die kleiner strukturierten Betriebe genauso ernst genommen werden wie die großen in Norddeutschland. Man habe "gemeinsam für den Bauernstand gekämpft" und so auch einiges erreicht. So sei beispielsweise die Agrarvergütung mit seiner Hilfe erheblich fairer geworden. Ihr Wunsch an den Nachfolger Sonnleitners erscheint daher klar: Genauso gutes Engagement und aktiven Einsatz, vor allem für die hier beheimateten betrieblichen Kleinstrukturen.

Eine andere Sicht auf die Dinge hat der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Anton Reinhardt. Er ist sehr unzufrieden mit der geleisteten Arbeit und hofft auf Veränderung. So habe sich Sonnleitner dadurch ausgezeichnet, ein Befürworter der großindustriellen Landwirtschaft zu sein. Massentierhaltung, Gentechnik und erhebliche Flächenförderungen habe er zugunsten des Profits in Kauf genommen und diese teilweise auch befürwortet. Bei alledem habe er den Blick für die kleineren Bauern verloren, die jenseits der großen Strukturen agieren und noch ihre "gute handwerkliche Praxis" beibehalten hätten.


Weg von Massentierhaltung und Gentechnik



Aus diesen Kritikpunkten ergeben sich auch die Forderungen Reinhardts an den neuen Vorstand des Deutschen Bauernverbandes: Die Massentierhaltung soll verschwinden, eine Distanzierung zur Gentechnik wäre wünschenswert und die regionale Landwirtschaft sollte mehr Fördermittel erhalten. Zudem sollte man ökologisch anerkannte Betriebe fördern und so auch für andere Betriebe Anreize schaffen, möglichst ökologisch zu wirtschaften. Des Weiteren bedürfe es einer faireren Entlohnung, gerade von Kleinbauern, damit diese auch weiterhin ihre Tätigkeit ausüben können und nicht "dazu gezwungen werden, aufzugeben". Damit dies alles möglich ist, sei es laut Reinhardt erforderlich, dass es einen Wandel in der Agrarpolitik gäbe. "Hin zu Selbstständigkeit, weg von der Abhängigkeit durch Wachstumsgedanken”, so sein Motto.

Mit diesem Spruch verleiht er einem zukunftsweisenden Wunsch Ausdruck, den er mit Kreisobmann Michael Bienlein gemeinsam hat. Der "Flächenfraß" durch die Industrie verschlinge wertvolles Ackerland, was sich wiederum auf die Produktionsfähigkeit der regionalen Betriebe auswirke. Durch die fehlenden Anbauflächen nähme auch die Produktionsfähigkeit der regionalen Bauern ab, ihre Produkte würden aber dennoch weiterhin benötigt. Daraus folge ein erhöhter Import, der nicht nur die heimische Wirtschaft, sondern durch den Treibstoffverbrauch beim Transport auch die Natur schädigen würde.

Anders als Reinhard ist Bienlein allerdings sehr zufrieden mit der Arbeit Sonnleitners. Der scheidende Vorsitzende habe es geschafft, über alle Strukturformen hinweg gute Arbeit zu leisten und alle Betriebsgrößen gleichermaßen zu fördern.