"Wenn im Sommer die Sonne scheint, können wir uns darunter stellen und bekommen keinen Sonnenbrand", erklärt Sophie den Verwendungszweck der ungewöhnlichen Bauwerke. Am Mittwoch war am Rudufersee Erstaunliches zu beobachten. Statt in der Schule zu sitzen, fleißig rechnen und schreiben zu lernen haben die Mädchen und Jungen der Schwürbitzer Grundschule einen ungewöhnlichen Unterrichtstag im Freien verbracht.
Unter Anleitung erfahrener Flechter und zusammen mit den Lehrkräften der Schule haben die Kinder fünf so genannte Strandmuscheln gebaut.
Vater der Idee ist Kreisfachberater Michael Stromer. Vor Ort am Rudufersee sind auch Mitarbeiter der Umweltstation in Weismain und der Marktgraitzer Weidenbauer Heinrich Geßlein zu finden. Aus seinem Weidenanbau stammt das verflochtene Material.
Stromer freut es besonders, dass die Schule sich spontan für das Projekt am Rudufersee entschieden hat. "Da der Rudufersee allen Kindern bekannt ist und sie genau wissen, dass man im Sommer einen Schatten braucht, lag eine Teilnahme nahe", erklärt Schulleiterin Stefanie Mayr-Leidnecker.
Wie sie Stromers Idee umgesetzt haben, das erklärt die achtjährige Sophie: "Wir haben Löcher in die Erde gemacht und die Weiden in den Boden gesteckt". Doch zunächst haben sich die kleinen Baumeister Gedanken über die Größe ihres Sonnenschutzes gemacht. "Bei unseren finden mindestens drei Familien Platz", schätzt Maja.
Auch wer nicht mit einer Großfamilie oder der ganzen Clique unterwegs ist, findet am Rudufersee das passende Modell.
Die Strandmuscheln sollten auch bezüglich der Größe und ihres Aussehens nicht wie ein Ei den anderen gleichen. Individualität war gefragt. Klar, dass beim Schaufeln der Löcher alle Kinder fleißig mithalfen. Nachdem die Weidenruten in der Erde waren und das obere Ende fixiert war, ging es ans ausflechten der Zwischenräume. "Damit später die Sonne nicht durchscheinen kann", erklärt Sophie.
Neben den fünf Strandmuscheln ist auch ein Sonnenschutz für den Sandkasten entstanden. Jetzt müssen die Weiden nur noch gut gewässert werden, damit sie austreiben. Dann können sie mit Beginn der Badesaison ihren Zweck als Sonnenschutz erfüllen. Der nächste Wandertag, das verrät Stefanie Mayr-Leidnecker, soll an den Rudufersee führen. Dann können die Kinder schon Mal testen, ob sich alles nach Wunsch entwickelt hat.
Über so viel Engagement freut sich natürlich auch Bürgermeister Helmut Fischer (CSU). In den späten Vormittagstunden schaut er am Rudufersee vorbei. Zum Mitmachen aufgefordert gesteht Fischer schmunzelnd, dass er in seiner beruflichen Laubahn zwar Tonnen von Weidenmaterial verkauft habe, aber noch keinen einzigen Korb geflochten hat.
Mit den Rudufersee in Michelau sei für die Korbmachergemeinde ein Naherholungsgebiet entstanden, das sich im Sommer steigender Besucherzahlen erfreue. Die natürliche Gestaltung mit dem Material Weide bezeichnet Fischer als echte Bereicherung. "Dass wir mit Stefanie Mayr-Leidnecker eine so tüchtige Rektorin haben freut mich natürlich auch", sagt Fischer.
Das Projekt der Umweltstation Weismain entstand im Rahmen des Programms Umweltbildung Bayern des Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.