Unterneuses
Bürgerbefragung

"So etwas passt nicht in unser ,Golddorf'"

Der SPD-Ortsverein Ebensfeld hörte sich die Sorgen der Unterneuseser Bürger an. Und die haben große Bedenken gegen den nach ihrer Meinung überdimensionierten Bau eines rund 18 Meter hohen Cafés in ihrem Ort.
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Gemeinderätin Eveline Zeis (Zweite von links) und Ehrenvorsitzender Hans Gahl (links neben Ursula Frese, Bildmitte) im Gespräch mit Bürgern aus Unterneuses Foto: Kurt Hammer
Gemeinderätin Eveline Zeis (Zweite von links) und Ehrenvorsitzender Hans Gahl (links neben Ursula Frese, Bildmitte) im Gespräch mit Bürgern aus Unterneuses Foto: Kurt Hammer
Im "Golddorf", so sollte man meinen, müsste doch alles in Ordnung sein. Wäre auch so - wenn da nicht das Bauvorhaben einer Biobäckerei mit der Errichtung eines zirka 18 Meter hohen, futuristisch anmutenden Glasgebäude-Komplexes direkt am Ortseingang wäre. So könnte man die Bürgerbefragung des SPD-Ortsvereins Ebensfeld in Unterneuses zusammenfassen.
Überraschend viele Bürger aus dem Ort und der näheren Umgebung waren der Einladung unter dem Motto "Kommunalpolitiker fragen - Bürger antworten" gefolgt. Der SPD-Ortsverein Ebensfeld startete damit sein angekündigtes Vorhaben, die Bürger mehr und vor allem frühzeitig in die politische Entscheidungsfindung einzubeziehen. Vorsitzender Kurt Hammer stellte kurz das neu entwickelte Leitbild des Ortsvereins vor (siehe Internet http://spd-kreis-lichtenfels.de/389.html ).
Unterstützt von den beiden SPD-Gemeinderäten Eveline Zeis und Georg Dusold sowie vom Ehrenvorsitzenden Hans Gahl und den Vorsitzenden Ursula Frese und Fritz Semmelmann, startete die Bürgerbefragung. Die Fragen nach dem Lebensraum (wie schaut es mit Wohnungsbau bzw. Bauplatzangebot aus), nach Schulen, Spielplätzen, Kindergärten, Freizeit, Kultur und Vereinsleben waren schnell beantwortet. Hier ist im "Golddorf", dank der Bemühungen der Bürger und der Vereine, allen voran der Gartenbauverein, alles "goldrichtig".

Fragen nach Arbeitsplätzen


Den zirka 40 anwesenden Bürgern ist jedoch niemand aus dem Ortsbereich bekannt, der bei der Firma Herbstlogistik oder bei der Bio-Bäckerei Schedel einen der in Aussicht gestellten Arbeitsplätze bekommen konnte. Die Befürchtung, dass sich dies bei dem neu geplanten Bauwerk mit Bäckerei, Verkaufsladen und Café ebenso verhält, ist groß.
Die Frage nach umweltbewusster, konzeptioneller Verkehrspolitik ergab umfangreiche Diskussionen. Es wird befürchtet, dass sich das ohnehin nicht unbedenkliche Verkehrsaufkommen durch Unterneuses nach der Errichtung der Handwerksbäckerei mit Drive-In, Verkaufsladen und Café direkt am Ortseingang noch erheblich verstärken wird. Um den neu errichteten Geh- und Fahrradweg nach Ebensfeld oder Bad Staffelstein zu erreichen, muss die Staatsstraße im Ort überquert werden. Das wird auch so sein, wenn man dann in der Bäckerei seine Brötchen holen will. Wie gefährlich das jetzt schon ist, machte ein Auffahrunfall zu Beginn der Befragung deutlich.
Kritisiert wurde auch, dass aus den Versprechungen, die bei der Dorferneuerung gemacht wurden, nichts geworden sei.
Letzte Station des Rundganges war die Flur-Nr. 80, ein Grundstück unmittelbar vor dem Ortseingang. Hier soll der Neubau einer Öko- Handwerksbäckerei mit Café durch die Firma Schedel entstehen. Dagegen hätten sie nichts, lautete die einhellige Meinung der Befragten. Aber müsse das eine 18 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Glasverkleidung sein, die weithin sichtbar sein und das ländlich geprägte Ortsbild für immer verändern werde? "So etwas passt nicht in unser ,Golddorf'", war der Tenor der Befragten.

Auch andere haben Bedenken


Besonders wichtig erscheint der Ebensfelder SPD die Stellungnahme der Regierung von Oberfranken, die es nicht für nachvollziehbar halte, was der Sinn eines 18 Meter hohen Cafés in einem Dorf wie Unterneuses sein soll. Und das Landratsamt Lichtenfels betone, dass insbesondere die Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes in einem ausgewogenen Verhältnis stehen sollte. Ähnlich klängen auch die Einwendungen von Bürgern, die bisher unbeantwortet blieben.
Bei der Abstimmung darüber am 22. Mai im Marktgemeinderat Ebensfeld wurden nach Meinung der Befragten die wesentlichen Einwendungen nicht oder nur ungenügend berücksichtigt. So sei die beschlossene Verringerung der Turmhöhe von 19 auf 17,75 Meter für den Betrachter kaum zu erkennen. Dass damit dieses Bauwerk nun in das Orts- und Landschaftsbild passt, sei eine Fehleinschätzung.
Auch den SPD-Gemeinderäten genügten die Anpassungen der Einwendungen nicht: Sie lehnten die Beschlussvorlage ab, die jedoch mit 13:7 Stimmen angenommen wurde. ft
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