Lichtenfels
Franken helfen Franken  

Sie weiß in Lichtenfels Rat in allen Lebenslagen

Beate Ehl von der Lichtenfelser Caritas weiß vor allem bei (amtlichen) Bescheiden Bescheid. Sie übersetzt Beamtendeutsch in eine verständliche Sprache und hilft so Bedürftigen durch den Bürokratismus-Dschungel.
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Aufmerksames Zuhören über Stunden hinweg - Beate Ehl beherrscht diese Übung. Nur so ist auch Klienten geholfen.  Foto: Markus Häggberg
Aufmerksames Zuhören über Stunden hinweg - Beate Ehl beherrscht diese Übung. Nur so ist auch Klienten geholfen. Foto: Markus Häggberg
Eine junge Frau ist aus ihrer Ehe geflohen. Jetzt sitzt sie da, blickt Beate Ehl in die Augen und hat Hoffnung auf Veränderung. Neues Leben, neue Wohnung. Aber dieses Leben muss auch möbliert werden, schon der Kinder wegen. Mit ihrer Arbeit, für die sie einen niedrigen Lohn erhält, lässt sich das nicht problemlos stemmen. Wenn jetzt jemand Rat weiß, dann die Sozialpädagogin der Caritas. Beate Ehl berät seit 2011 in dem vom Fränkischen Tag mittels Franken helfen Franken unterstützten Konzept "Tafel plus" Menschen, die in drängender Sorge stehen.
Soziale Beratung und Asylberatung stehen auf der Visitenkarte Beate Ehls. Am Schlossberg hat sie ihre Wirkungsstätte, aber einmal in der Woche macht sie Außendienst. Dann zieht es sie gegen 12 Uhr in den Schnäppchenmarkt, wo die Mitarbeiter der Lichtenfelser Tafel an jedem Mittwoch Lebensmittelausgabe gestalten und sich der Raum mit Sozialhilfeempfängern oder Asylbewerbern und mit Sprachen fremder Zunge füllt.
"Jobcenter, Krankenkasse, Rente, Sozialamt - alles was mit Bescheiden zu tun hat", erklärt Beate Ehl ihren Zuständigkeitsbereich. Wer blickt bei diesen Dingen schon durch? Orientierungslosigkeit bei Behörden ist nicht selten Symptom der Armut. "Ich bin so etwas wie ein Behördenwegweiser", erklärt die Dame ihre eigene Rolle. In Kurzberatungen klärt sie "grob", wie und ob einem Fragesteller zur Aufstockung von Unterstützungsleistungen verholfen werden kann, und ob es sonstigen Bedarf gibt, der "intensiv bearbeitet werden muss".
Unverständliche Schriftverkehre zwischen Krankenkassen und Rentenkassen, zwischen Ämtern und Behörden, zwischen Aktenzeichen und Nummern und Zahlen - häufig stellt die Bürokratie eine Hemmschwelle dar. Hier, im unbürokratischen Umfeld der Tafel, soll diese Hemmschwelle für die Inanspruchnahme eines Beratungsangebots überwunden werden. Manchmal stellen sich Stolperfallen für Hilfesuchende im Alltäglichen ein. Dann, wenn ein Überweisungsformular ausgefüllt werden muss, der Überweisende aber der deutschen Sprache und des Banken deutsch noch nicht mächtig ist. Dann greift die seit 25 Jahren tätige Sozialberaterin auf ihr gutes Englisch zurück.
Beate Ehl hört zu und sie verfügt über eine Sprache, die allgemeinverständlich ist. Vielleicht vermag sie aber auch, sich auf ihre jeweiligen Klienten einzustellen. Klienten, so heißen die Menschen, die mittwochs zu ihr oder ihren beiden Mitstreiterinnen kommen, wertschätzend. Aber das Zuhören unterliegt einer stundenlangen Konzentration, denn die äußeren Bedingungen bei den Beratungsgesprächen zwischen 13 und 17 Uhr sind nicht einfach: Stimmengewirr, Aufregungen, Gedränge.
Trotzdem. In einer Ecke hat Beate Ehl für sich und ihre Klienten eine kleine Nische eingerichtet, ein Platz, der im Durchgang zu einem von Tafel-Mitarbeitern häufig begangenen Trakt liegt.
Trotzdem. Aus dieser Ecke konnten schon Erfolge erzielt werden. So wie der, der Beate Ehl besonders in Erinnerung blieb, weil "eine Klientin einen Job bekommen hat, der ihr richtig Spaß macht". Sie selbst habe durch stetige Ermutigungen dazu beitragen dürfen und einmal, zwei Tage vor einer für die Klientin wichtigen Prüfung, wollte diese in einer Kurzschlusshandlung hinschmeißen, weil eine Kontopfändung sie belastete. Durch Bearbeitung dieses Problems konnte die Caritas-Mitarbeiterin dem Prüfling aber den Rücken freihalten.
Der jungen Frau, die aus ihrer Ehe floh, steht nun auch eine Verbesserung ins Haus. Aus ihren mitgebrachten Papieren ist ersichtlich geworden, dass sie auf eine finanzielle Aufbesserung hoffen darf. Sie steht ihr von Rechts wegen auch zu.




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