1951 hat der Würzburger H. Viebach zum ersten Mal am Treffen der Corps philister in Staffelstein teilgenommen, jetzt am Wochenende war der 83-Jährige zum 60. Mal dabei. Der älteste Corpsphilister war indes mit 89 Jahren Eberhard Ferber aus Hannover. Die weiteste Anreise innerhalb Deutschlands hatte Wilhelm Wilken aus Schwerin, die stärkste Gruppe mit 14 Personen reiste mit einem Bus aus Hamburg an, und aus dem Ausland konnte der AHSC-Präsident Jörg Fluhrer den Brüsseler Peter-Alexander Sondermann begrüßen. Egal, welches Alter und welche Herkunft: Ziel der Zusammenkunft am Samstag war das mittlerweile 120. Treffen der Corpsphilister in der Stadt.
Die beiden ersten Zusammenkünfte der Coburger und Bamberger Corpsphilister, aus denen das Staffelstein-Treffen letztendlich entstanden ist, fanden im September 1890 und im Juli 1891 in Lichtenfels statt. Dabei wurde unter anderem beschlossen, im September 1981 wieder zusammenzukommen, diesmal in Staffelstein, und "mit diesem Treffen einen Ausflug auf den Staffelberg und einen Besuch bei dem durch Scheffels unsterbliches Lied bekannten Einsiedler zu verbinden". Dieser Beschluss ist die Gründungsurkunde des Staffelstein-Treffens, welches seitdem - nur durch die beiden Weltkriege unterbrochen - jedes Jahr am ersten Samstag im September stattfindet.
Was wesentlich ist an dem Fest, ist stets gleichgeblieben: die gegenseitige freundschaftliche Begrüßung der Ankommenden im Garten des Brauerei-Gasthofes "Grüner Baum" (seit
1919 Stammlokal) , der Aufstieg auf den Staffelberg, die Einkehr in der Klause, der Rundgang um das Plateau mit der einmaligen Aussicht "von Bamberg bis zum Grabfeldgau" im Laufe des nachmittags, dann der Abstieg ins Städtchen im Schein der untergehenden Sonne und am Abend der Festkommers.
Festredner Thomas Kunze, AHSC Coburg, meinte schmunzelnd: "364 Tage im Jahr ist Bad Staffelstein eine Kurstadt, einen Tag lang ist sie Universitätsstadt!" Mit Bussen aus Hamburg und Ulm, mit dem Auto oder mit dem Zug aus Bochum, Mainz, Berlin, Würzburg und vielen anderen deutschen Städten waren die Studenten und "Ehemaligen" am Freitag und Samstag angereist, gaben der Stadt ein buntes Outfit mit ihren verschiedenfarbigen Mützen und Bändern und freuten sich zunächst über die freundliche Begrüßung an allen Eingängen der Stadt. Peter-Alexander Sondermann war zufrieden: "Trotz Semesterferien und Vorbereitungen von Examina sind eigentlich ziemlich viele gekommen." Der Belgier selbst ist schon das achte Mal hier, knapp 700 Kilometer einfache Fahrstrecke ist ihm dafür nicht zu weit. "Man hat einfach einen menschlichen Vorteil, wenn man in der Verbindung ist. Hier wird das Generationenband aktiv gelebt", lobt der ehemalige Student aus der Uni-Stadt Göttingen, der jetzt in Brüssel wohnt.
In der Tat haben junge Studierende viele Vorteile: sei es beim Einschreiben für Kurse, beim Vorbereiten der Examina oder anderer Prüfungen, beim Lernen, oder wenn es "nur" darum geht, einen guten Rat zu erhalten. Zirka 200 Verbindungen gibt es zur Zeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mitgezählt werden auch die Technischen Universitäten.
Beim Festkommers im großen Tanzsaal ging es gemütlich zu: Aus rund 200 Männerkehlen erklang das Frankenlied (bei einigen mit individueller Melodie), ein Klavierspieler gab den rechten Ton vor, und immer wieder unterbrachen die Festredner Rüdiger Kutz (Corps Makaria München und Corps Franconia Würzburg), Thomas Kunze oder auch Jörg Fluhrer ihre Vorträge, um ein "Prost" oder ein "Jubilate!" auszusprechen. Immer wieder aufstehen, die Hände reichen, anstoßen, singen und im Gespräch langjährige Freundschaften pflegen. Rüdiger Kutzs Abschlussworte fanden viel Beifall: "Die Franken haben den Staffelberg, wir Corpsstudenten haben den Horizont".
Auch erinnerte Kutz an den ehemaligen Bürgermeister von Staffelstein, Anton Mittelweger (1907-1978): "So war es und so ist es und so soll es immer sein: Die Corpsstudenten gehören zu Staffelstein!"