Bad Staffelstein

Seit 15 Jahren ist Staffelstein Bad

Vor 15 Jahren erhielt Staffelstein das Prädikat "Bad". Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ging bei einem kleinen Festakt auf die Bad-Geschichte ein.
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Je einen Bademantel überreichten Bürgermeister Jürgen Kohmann (Zweiter von links) und Thermenkönigin Katharina (Zweite von rechts) an drei Ehrengäste: Renate Leutner (stellvertretend für ihren Mann, Altlandrat Reinhard Leutner) sowie die Altbürgermeister Baptist Faulstich (links) und Georg Müller (rechts). Symbolisch sollten damit ihre Leistungen auf dem Weg zur Bad-Anerkennung gewürdigt werden. Foto: Matthias Einwag
Je einen Bademantel überreichten Bürgermeister Jürgen Kohmann (Zweiter von links) und Thermenkönigin Katharina (Zweite von rechts) an drei Ehrengäste: Renate Leutner (stellvertretend für ihren Mann, Altlandrat Reinhard Leutner) sowie die Altbürgermeister Baptist Faulstich (links) und Georg Müller (rechts). Symbolisch sollten damit ihre Leistungen auf dem Weg zur Bad-Anerkennung gewürdigt werden. Foto: Matthias Einwag
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Was 1975 nur ein April-Scherz in der Zeitung gewesen ist, war 2001 Wirklichkeit geworden: Staffelstein hatte den Bad-Titel. "Doch mit der Erhebung war der Weg nicht zu Ende", sagte Günter Dippold in seiner Festrede. Der Bezirksheimatpfleger sprach darin mehr von den Herausforderungen als von Vergangenem. Mit der Bad-Anerkennung seien der Stadt neue, weitere Wege gewiesen worden. Seither sei sie ein gutes Stück Wegs vorwärts gegangen. "Aber machen wir uns bewusst: Ein Ziel gibt es nicht. Der Weg ist das Ziel."

Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) hatte einleitend an das Wirken von Altlandrat Reinhard Leutner (CSU), den "Vater der Therme", erinnert, der aus gesundheitlichen Gründen nicht am Festabend teilnehmen konnte. Das seit 30 Jahren bestehende Thermalbad, das in den nächsten Tagen den 23-millionsten Badegast erwartet, bezeichnete er als "Motor für die Entwicklung der Stadt, des Landkreises und der gesamten Region."

Landrat Christian Meißner (CSU) sagte, für ihn sei "das Phänomenale, dass so viele in den Stadtteilen und den Nachbargemeinden mitmachen", das Leben in der Stadt mitzugestalten. "Mitgestalten bedeute: nicht nur zuschauen, sondern tatkräftig anpacken."

Günter Dippold stieg mit zwei Beobachtungen in seine Rede ein: "15 Jahre heißt Staffelstein jetzt Bad Staffelstein. Man hat sich daran gewöhnt, die Fremden und sogar die Einheimischen." Kaum noch finde man Verkehrsschilder, auf denen bloß Staffelstein stehe. "Und sieht man eines - ich habe heuer in Dietersdorf bei Seßlach eines gesichtet -, dann kommt es einem seltsam vor."

Sogar die Bahn habe sich inzwischen umgestellt. Er erinnere sich an eine Zugfahrt vor vielleicht 14 Jahren, als die Ansage kam: "Nächster Halt: Staffelstein." Der halbe Wagen habe fröhlich zurückgeschrien: "Bad Staffelstein!"


"Heilmittel des Bodens"

Der Badtitel mehre das Ansehen einer Stadt, fuhr Günter Dippold fort. Das "Heilmittel des Bodens" habe Staffelstein zu diesem Renommee verholfen. Der gelernte Buchbinder und Betreuer des Heimatmuseums, Heiner Kohles (1913-1986), habe hartnäckig zum Bohren nach Thermalwasser angeregt. Der damalige Staffelsteiner Bürgermeister Reinhard Leutner (CSU) "witterte die Chance, zumal die Fachleute die Argumente von Heiner Kohles als stichhaltig erklärten". Was nach wochenlangem Bohren und bangem Warten aus dem Boden sprudelte sei so stark gewesen, dass es sogar als Unkrautvernichtungsmittel taugte", frotzelte Günter Dippold.

1986 öffnete die Obermain-Therme ihre Pforten. 1999 kam der Kurpark hinzu, der Gradierwerke, Seebühne, Brückentheater und die Skulpturen von Wilhelm Uhlig besitze. Aber der Park reiche nicht - das ganze Stadtbild müsse zu einem Heilbad passen, lautete eine der Forderungen bei Staffelsteins Bad-Bewerbung. "In der Tat, die Anmutung Staffelsteins ist städtischer geworden in den letzten Jahrzehnten", sagte Dippold. Im 19. Jahrhundert bestimmten dreckige Straßen das Bild des ländlich geprägten Städtchens. "Ländlich hieß später: Versiegeln was geht." Der Asphalt sei Nachfolger des Drecks geworden. Nun aber sei die Bahnhofstraße zu einem Schmuckstück geworden: "Die Straße gewinnt ihre Würde zurück."

Altes bewahren, Neues schaffen, darum gehe es. "Deshalb ist es wichtig, wie Neues gestaltet wird." Bei aller Wirtschaftlichkeit dürfe in einer Badstadt nicht billig gebaut werden. "Schlimm genug, dass den Ankommenden in der äußeren Lichtenfelser Straße seelenlose Supermarktkisten empfangen", schimpfte der Bezirksheimatpfleger. Den Staffelsteinern legte er ans Herz: "Was gebaut wird, prägt das Stadtbild auf Jahrhunderte. Seid selbstbewusst!" Schließlich hätten einst erstklassige Architekten wie die Dientzenhofers und Balthasar Neumann hier gewirkt und Meilensteine der europäischen Architekturgeschichte hinterlassen. "In einem solchen Landstrich darf man sich nicht mit Zweitklassigem zufrieden geben."


Gesundheit als Wirtschaftszweig

Günter Dippold skizzierte, wie sich das Gesundheitswesen in der Stadt entwickelte. Er zeigte auf, wie wichtig Gesundheit als Wirtschaftszweig für die Stadt und ihr Umland geworden ist.
In dieser Genussregion gebe es jedoch Verbesserungsmöglichkeiten gastronomischer Art, denn "nichts steigert das Wohlbefinden mehr als Genießen". "Hören wir bitte auf, uns über den Preis zu vermarkten", sagte er, denn es gelte, über Qualität zu reden - und da sei manches noch ausbaufähig. Es komme nicht nur darauf an was auf dem Teller liege, sondern auch darauf, wie der Teller zum Gast kommt, wie er auf seinen Tisch gestellt werde. "Ein Lächeln, ein gutes Wort, Wachheit im Service steigern den Genuss."

"Viel findet nebeneinander statt, wo es darauf ankäme, die Vielfalt zu bündeln und gebündelt zu vermarkten. Das ginge - wenn nur alle mithelfen", regte Günter Dippold an. Günter Dippold: "Was begeistert uns denn andernorts? Am Ende doch immer die menschliche Begegnung." Deshalb brauche die Region es Menschen, die für eine Sache brennen, "denn wer nicht selbst brennt, kann auch andere nicht entflammen".

Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Klampfengruppe der Kultur- und Freizeitfreunde. Eine Dia-Schau der Fotogruppe dieses Vereins rundete den Abend ab. Zwischendurch gab die SKK-Jugendgarde unter Leitung von Christina Ullmann eine Probe ihres Könnens.
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