Lichtenfels

Schule macht Appetit auf Müsli

An der Lichtenfelser Herzog-Otto-Mittelschule (HOS) läuft seit acht Jahren eine Aktion, die landkreis- und vielleicht deutschlandweit einmalig ist: Jeder Schüler erhält gratis Milch und Müsli.
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Roswita Simon initiierte vor rund acht Jahren die Aktion, kostenlos an Schüler Müsli und Milch zu verteilen. Umsonst ist die landkreis- und vielleicht sogar deutschland-weit einmalige Aktion gewiss nicht.
Roswita Simon initiierte vor rund acht Jahren die Aktion, kostenlos an Schüler Müsli und Milch zu verteilen. Umsonst ist die landkreis- und vielleicht sogar deutschland-weit einmalige Aktion gewiss nicht.
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So leistet Ini tiatorin Roswita Simon seit acht Jahren kontinuierlich einen Beitrag zur gesunden Ernährung. Die Schüler freut's.
Mittagspause. Lukas und Florian eilen in das Schulcafé, die "HOSteria", und dort schnurstracks zu drei großen Behältern voller Müsli. Sie schnappen sich je eine Schale, füllen sie mit den Cerealien und Milch, setzen sich an einen Tisch und essen ihr Schälchen leer. Gegen 13 Uhr löffelt fast die Hälfte der Schüler in der vollbesetzten "HOSteria" Müslibecher leer. "Es ist für sie selbstverständlich, reinzukommen und eine Schale Müsli zu nehmen", weiß die Schulcafé-Beauftragte. "Wir essen's, weil's gut schmeckt.", sagt Lukas. Florian ergänzt: "Es gibt verschiedene Sorten." Zum ersten Mal ausprobiert hatten es die 14-jährigen Zwillingsbrüder, als sie Nachmittagsunterricht und kein Geld dabei hatten.
Mittlerweile gehört das Müsli dazu.

Viele Schüler kommen ohne Geld

2005 wurde das Schulcafé fertig gestellt. Förderlehrerin Roswita Simon hat festgestellt: "Viele Schüler kommen ohne Essen und Geld in die Schule." Ihr liege am Herzen, dass sie etwas Gesundes zu sich nehmen. So entstand die Müsli-Idee. "Wir verkaufen auch Bananen und Äpfel unterm Einkaufspreis", ergänzt sie. Finanziert wird die Müsli-Aktion mit dem Verkauf von Snacks und kleinen Süßigkeiten. Zudem kann von dem Erlös ein Patenkind in Burkina Faso monatlich unterstützt werden, sodass dessen Ausbil-dung und Ernährung gesichert sind. "Trotz der geringen Preise bleibt etwas übrig", berichtet Simon. Manchmal zudem für die Anschaffung eines Spiels am Jahresende. Wichtig ist auch der Gemeinschaftsaspekt: Um sich im Café aufzuhalten, muss man nichts kaufen.
Eine "Helferklasse" unterstützt nicht nur beim Verkauf. Almir und Luis stehen heute hinter der Theke - mit Roswita Simon oder Lehrerin Helga Prandell oder Doris Gagel vom Elternbeirat. "Wir lernen viel Hausarbeit. Wenn wir hier aufräumen, kochen und spülen, können wir's zuhause auch", sagt der zwölfjährige Luis. "Man lernt, freundlich zu sein", sagt der gleichaltrige Almir. So werden Werte vermittelt: Soziale Kompetenz, Sauberkeit und Gemeinschaft sowie das Heranführen an eine gesunde Ernährung. Der 14-jährige Dominik hilft einmal pro Woche in seiner Freistunde im Schulcafé: Einkauf aufräumen, Müll trennen, Spülmaschine leeren, Pizza und Baguette zubereiten, Brötchen mit Salat, Wurst, Käse und Tomaten belegen. "Ich esse gerne Obst oder belegte Brötchen, Naturjoghurt mit Obst und wenig Süßigkeiten."
Schulleiter Wolfgang Fischer betont: "Viele reden von ‚gesunder‘, ‚richtiger‘ Ernährung. Punktuelle Programme werden ebenso immer wieder gestartet wie plakative Pressemitteilungen, etwa für das ‚gesunde Frühstück‘. Aber nach einiger Zeit sind Initiative und Engagement oft verebbt. An der HOS ist das anders. Ohne jegliches Sponsoring gibt es den ‚Müsli-Selbstläufer zum Nulltarif‘ schon seit acht Jahren."
Roswita Simon ist begeistert: "Es wird unglaublich gut angenommen. Wir brauchen in der Woche ungefähr 24 Liter Milch und genauso viel Cerealien im Müslispender. Immer mehr essen Müsli. Obst und Joghurt auch. Auch die Eltern sind sehr angetan."
Dass gesunde Ernährung aber nicht alles ist, wissen Florian und Lukas, während sie ihre Taschen schultern, um zum Nachmittagsunterricht zu gehen: "Viel Bewegung gehört auch dazu."

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