Ein Ehrenamt nach vielen engagierten Jahren abzugeben, da schwingt meist etwas von Sich-zur-Ruhe-setzen mit. Nicht bei Franz Böhmer. Er bleibt weiter mit ganzer Kraft Landwirt, auch wenn er bald nicht mehr Kreisobmann sein wird. Am 31. Januar steht die Neuwahl an, und er wird nicht mehr antreten.
58 Jahre alt ist Franz Böhmer und hat kürzlich einen Mähdrescher gekauft. Bei einer Investition in einer Größenordnung, in der in unserer Gegend ein Wohnhaus zu haben ist, ist der Blick in die Zukunft gerichtet. Franz Böhmer geht davon aus, mindestens noch acht Jahre auf seinem Hof in Niederau zu schaffen. Und dann, wenn vielleicht die nächste Generation in der Verantwortung stehen wird, mitzuarbeiten, so lange er kann. Ackerbau, etwas Bullenmast und ein großer Anteil Lohnarbeit sind die Standbeine der Böhmerschen Landwirtschaft. Schon als 13-Jähriger musste er dem Vater helfen und Schlepper fahren. Er wollte damals nicht Bauer werden, sondern hätte sich lieber mit der Mechanik der großen Maschinen auseinandergesetzt. Doch da gab es für ihn kein Aufbegehren gegen die Erwartungshaltung seiner Eltern. Er hat sich nicht nur dreingefunden, sondern diesen Beruf schätzen gelernt - vor allem wegen der Eigenverantwortlichkeit, die er mit sich bringt. Der Respekt vor der Natur ist Franz Böhmer wichtig, gegen die Natur könne man nicht erfolgreich Landwirtschaft betreiben, so seine Überzeugung. Ein Bio-Bauer ist er nicht geworden - den für die Bullenmast nötigen Maisanteil rein biologisch zu erzeugen, wäre schwierig und sehr aufwendig, erklärt er. Doch habe er versucht, durch veränderte Bodenbearbeitung den Aufwand für Dünger und Spritzmittel herunterzufahren, und das sei ihm auch gelungen. Böhmer war auch Ideengeber für den Regionalvermarktungsverein "Main-Jura-Natur", dessen Produkten ebenfalls strenge Anbaurichtlinien zugrunde liegen.
Gegen den Flächenverbrauch einzutreten hatte er sich schon zur Aufgabe gemacht, "als noch keiner davon gesprochen hat". Es ist zumindest gelungen, das Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Neue Flächen, die zur Bebauung hergenommen werden, seien einfach zu billig, findet er. Da baue einer lieber einen neuen Supermarkt, während woanders alte Gebäude leerstehen. Da müsse man das Preisgefüge ändern oder Auflagen machen. Im Hinblick auf die Ernährung der Weltbevölkerung könne man sich den weiteren Flächenverbrauch nicht mehr leisten.
Nur richtig findet es der Landwirt, dass seine Kollegen auf den von der Natur weniger begünstigten Jurahöhen einen finanziellen Ausgleich fürs schwierigere Bewirtschaften und Pflegen dieser Flächen erhalten. Dass die Bayerische Staatsregierung eben jene Unterstützung gestrichen habe und für die sogar mittels einer Petition eingebrachten Argumente nicht mehr zugänglich gewesen sei, verbucht Böhmer heute unter den negativen Erfahrungen in seiner 15-jährigen Amtszeit als Kreisobmann. Manch anderer Einsatz war dagegen von Erfolg gekrönt, beispielsweise wenn es um die Sozialversicherung der Landwirte ging oder um die Erbschaftssteuer. "Das ist Lobbyarbeit, das ist die Stärke des Verbandes", unterstreicht er. "Es wird oft verkannt, was da erreicht wurde." Gleichzeitig ist Franz Böhmer an Grenzen gestoßen. "Als Kreisobmann hat man wenig Gestaltungsmöglichkeiten, man rennt den Vorgaben der Politik hinterher, um sie einzufangen und noch auf den rechten Weg zu lenken." Für Böhmer, der sich auch kommunalpolitisch als Gemeinde- und Kreisrat (Freie Wähler) engagiert, ist es selbstverständlich, demokratische Entscheidungen zu akzeptieren, auch wenn sie nicht seiner Meinung entsprechend gefällt wurden. Er kennt nach 25 Jahren im Kreisvorstand des Bauernverbandes die Spielregeln, doch fällt es ihm nicht immer leicht, wie er sagt, "Beliebigkeitspolitik für den Verband zu machen". Die Überzeugung, nur in der Gemeinschaft etwas erreichen zu können, war ihm Antrieb, sich immer wieder einzusetzen. Einzelne waren es, die ihm mit bitterböser Kritik diese Arbeit schwer machten. "Landwirte sind heute auf bestimmte Produktionsbereiche spezialisiert", erklärt er, und da suche jeder seinen Vorteil, sehe nur seinen Betrieb, wolle seine Meinung durchsetzen - und manchmal wird dann auch schon mal dem Obmann Druck gemacht. "Das tut weh." Dieser Druck sei mit den Jahren gewachsen, beschreibt Franz Böhmer. Ein Grund für seine Entscheidung zum Rückzug.
Wer sein Nachfolger wird, darüber will er nicht spekulieren. Es sei ja 1997 auch eine Überraschung gewesen, als er selbst sich auf Anhieb gegen vier Mitbewerber durchsetzte. Seine Frau hat die Zeitungsberichte gesammelt, die seither über diese Arbeit erschienen sind - damit die Enkel einmal nachlesen könnten, was der Opa gemacht hat. Für sie wird Böhmer bald auch mehr Zeit haben.