Bad Staffelstein
Christbaum-Aktion

Sammeltour für guten Zweck

Auf eine Initiative des evangelischen Kindergartens hin werden in Bad Staffelstein ausgediente Weihnachtsbäume Jahr für Jahr vor den Häusern abgeholt. Die Gebühr dafür fließt nach Tansania.
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Oliver Albert wirft Bäumchenvom Anhänger auf einen Haufen im Wertstoffhof. Foto: Markus Häggberg
Oliver Albert wirft Bäumchenvom Anhänger auf einen Haufen im Wertstoffhof. Foto: Markus Häggberg
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"Weihnachtsbaumrückflugaktion" sagt Oliver Albert am Samstag scherzend, als er eine kleine Tanne vom Anhänger wirft. Sie landet im Wertstoffhof auf einem Haufen aus vielen anderen Ex-Weihnachtsbäumen. Das Einsammeln gekennzeichneter Bäumchen darf sich auf traditionelle Akzeptanz verlassen. Vor allem aber ist es für den guten Zweck.

Jedes Jahr ziehen Anfang oder Mitte Januar Elternbeiräte los, um Menschen bei der Entsorgung ihres Weihnachtsbaumes zu helfen. Das kostet drei Euro, ein geringer Betrag, bedenkt man den Aufwand, den es dem Privatmann machen würde, das nadelnde Gehölz selbst in den Wertstoffhof zu bringen oder zu zersägen. Aber so gilt: Der Bad Staffelsteiner stellt seinen Baum raus, die Elternbeiräte der evangelischen Kindertagesstätte holen ihn ab, der Erlös geht an Freunde in einem Partnerdekanat in Tansania.
9.05 Uhr, Handschuhe an und Abfahrt. Vier Lkw beziehungsweise Transporter mit Hänger machen sich auf den Weg, ein weiteres Fahrzeug ist schon auf Tour. Fünf Fahrzeuge, fünf Bezirke. Die Logistik ist erprobt, und die Fahrer kennen auch so ganz gut die Stationen, die sie anfahren müssen. "Seit 2000 gibt es dieses Projekt, und schon am Anfang haben zirka 150 Menschen mitgemacht und ihre Bäume abholbereit rausgestellt", erklärt Beate Wagner, Leiterin der Kindertagesstätte. Dann sind immer wieder neue Unterstützer dazugekommen und die alten weitgehend geblieben.

Abholbereit heißt gekennzeichnet. Ein gelber Stern ist an jedem Baum anzubringen, käuflich erworben für drei Euro. Mit genügend Vorlaufzeit werden Plakate angefertigt und in die Geschäfte gebracht, erklärt Beate Wagner. Auf den Plakataufruf hin melden sich Spender, teilen ihre Adresse mit und versehen ihren Baum mit dem Stern. Sie wollen ein Projekt im tansanischen Meru unterstützen, bei dem der Armut durch Bildung begegnet wird. Das wollen auch die Einsammler und sind deshalb alljährlich dabei. Wind und Wetter halten sie nicht ab, hinter dem Pflichtbewusstsein steht ein triftiger Grund: "Man muss dranbleiben, ansonsten geht die Aktion den Bach runter", formuliert es Oliver Albert.

10.05 Uhr: Oliver Albert, Ehefrau Kristin und Carolin Schnapp sind schon zum zweiten Mal auf dem Wertstoffhof, um ihren Anhänger zu leeren. 40 Minuten später werden sie wieder hier sein, um die eingesammelten Bäume von der Plattform zu bugsieren. Im Schritttempo haben sie eingesammelt, in Sackgassen rangiert und gewendet.

Es kommt auch vor, dass manche Bürger ihren Weihnachtsbaum ohne gelben Stern rausstellen. "Die sagen dann, der Stern sei verloren gegangen oder abgemacht worden", berichtet Oliver Albert. Er vermutet den Versuch des kostenlosen Trittbrettfahrens und nimmt diese Bäume konsequent nicht mit.

Anni Herbst steht in den 70ern. Sie ist so etwas wie die gute Seele der Kindertagesstätte und war beim Tischdecken behilflich. Nach 27 Stationen und 43 eingesammelten Sternen treffen Alberts und Schnapp wieder in der Tagesstätte ein und stoßen zu den anderen. Es ist kurz vor 11 Uhr und man sitzt versammelt beim Helferessen mit Wienerchen. Die Spritkosten für die Aktion übernehmen die Fahrer. Man greift zu, scherzt und spricht von vergangenen Aktionen. Das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, macht sich breit. Und wenn doch ein Baum vergessen worden sein sollte - halb so schlimm. Jemand sagt, für diesen Fall habe man noch die Anni. "Die fährt mit dem Rad hinterher und macht die Restarbeiten..."


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