Bad Staffelstein
Ausstellung

Rost als Zeiger der Zeit

Benno Noll bietet im Museum Kloster Banz Einblick in sein künstlerisches Schaffen
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Gegenständlich beim Motiv, den Rost gewähren lassend bei der Patina - Martin Luther King ist Geschichte und das sieht man dem Bild an.  Foto: MH
Gegenständlich beim Motiv, den Rost gewähren lassend bei der Patina - Martin Luther King ist Geschichte und das sieht man dem Bild an. Foto: MH
Der Künstler spricht. Benno Noll (57) ist zugänglich. Seine Bilder, die seit 16. September an den Wänden des Museums Kloster Banz hängen, sind es bedingt. Kunst? Sehr vermutlich! Schönheit? Das Auge des Betrachters darf sich noch bis zum 30. November selbst ein Bild machen.

Bei der Vernissage am Freitagabend eröffnete sich den Besuchern von "Beauty and loss" Raumseele, Schönheit und Vergänglichkeit. Acrylfresko und Rost, Acrylmonotypie und Rost - ungewöhnliche Ausrichtungen. Dass jemand Dinge so wie er tut, habe auch er noch nie gesehen, sagt Noll. Und die 15 Besucher wollten am Freitag diese Einmaligkeit von Bild zu Bild und Raum zu Raum durchschreiten.


Zeitfaktor

Rost. Welch ein Sinnbild für das beschädigende Verstreichen von Zeit.
Noll arbeitet mit Rost, er befördert ihn sogar, wenn er Eisenspäne auf Leinwandmotive legt, mit feuchten Tüchern bedeckt und abwartet, was der Prozess des Eisenfraßes hervorbringt. Was er gewinnt, ist Realität, die in Melancholie verrottet.

Denn der Mann kann gegenständlich malen und zeichnen, er ist auf die Gestaltungskraft von Rost gar nicht angewiesen. Aber die Welt, die Bauwerke, die Menschen und Ideen verwehen nun mal durch Zeit oder Gewalt oder des Menschen Dummheit.

Das machte einst vor einer Anna-Amalia-Bibliothek ebenso wenig Halt wie vor dem berühmten Hotel Esplanade oder einem Pubelo im Chaco Canyon - allesamt Motive, die in rostbraun den Betrachter fordern.


Richtungsweisend

Doch Noll kann nicht nur malen und durch seine Technik die Dinge ihren Lauf nehmen lassen: Er kann auch gewichten, hervorheben, Akzente setzen. Dann, wenn er einem gelungenen Motiv noch zusätzlich zusetzt, um ihm Patina oder Botschaft zu geben, indem er Furchen betont.

"Ich arbeite mich an den Erscheinungen der Welt ab", sagt Noll einmal kurz, nachdem Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck ihre Laudatio zu seinem Tun gehalten hatte. Es war eine gleichwohl fachliche wie kurzweilige Betrachtung, voller glückender Reflexionen, die Werdegang, Schaffen und Themen sowie handwerkliche Umsetzung zueinander in Bezug setzten.


Aus der Pfalz

Und der Künstler selbst? Im Umgang mit dem Publikum gab er sich völlig frei von Attitüden, nahm sich Zeit für Antworten und zeigte sich ob mancher Fragen selbst angenehm verwundert.

Geboren in der Pfalz, führte ihn der Weg nach dem Studium des Grafikdesigns und der Illustration über Berlin, nach Coburg. Reisen in die USA, nach Schottland, Frankreich, Neuseeland, Nepal und Norwegenhat Noll unternommen, der Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler in Oberfranken ist. Noll ist auch Träger einer Vielzahl namhafter Preise und Auszeichnungen.
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