Es ist ein großes Thema in der Öffentlichkeit: sexueller Missbrauch in der Gesellschaft. Die Vorfälle passieren überall. "Auch in einer Ebensfelder Einrichtung gab es Vorfälle", sagt Jürgen Jäger, Rektor der Pater-Lunkenbein-Schule Ebensfeld. Das war der Auslöser für die Grund- und Mittelschule , ein Präventionsprojekt zu starten, das die ganze Schule und auch Eltern einbindet. "Wir wollen sensibilisieren, wo sexueller Missbrauch stattfinden kann", sagt Jäger.

Bei einem Informationsabend für Eltern im Dezember 2011 wurde aufgeklärt, warum Kinder schweigen und wie Eltern trotzdem erkennen können, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Auch die Lehrer wurden im Februar sensibilisiert. Die Resonanz war sehr gut, sagt Jürgen Jäger.

Seit letzter Woche laufen nun in den Klassen von eins bis neun verschiedene Präventionsprojekte. Auch die Klasse 3a nimmt teil. Die 25 Schüler sitzen alle im Halbkreis um Tamara Luding und Jasmin Greßmann, die die Schüler an das Thema in vier Schulstunden heranführen.


Mit Gefühlen umgehen



Die beiden Frauen sind von der Organisation Schutzhöhle. Der Hofer Verein, den es seit fünf Jahren gibt, hat sich Prävention und Aufklärung von sexuellem Missbrauch auf die Fahnen geschrieben. Unter dem Titel "Gefühle und so" zeigen die beiden Frauen den Schülern, wie Gefühle wahrgenommen und mit ihnen umgegangen werden kann.

Jasmin Greßmann hält ein Pappgesicht in die Höhe: "Was ist das für ein Gesicht?" Die Kinder melden sich: "Der ist glücklich." "Wann seid ihr denn glücklich?", fragt Tamara Luding nach und geht durch die Reihen. "Beim Spielen mit Freunden", sagt Lukas, oder "wenn man sich was traut".

Dann kommt das traurige Gesicht, und die Schüler berichten von ihren traurigsten Erlebnissen: als die Katze gestorben ist oder "als mein Bruder mein Lego kaputt gemacht hat", sagt Sebastian. Und dann sagt noch ein Mädchen: "Als meine Eltern sich getrennt haben." "Das war bei mir auch so", sagt Tamara Luding. Mit viel Verständnis versucht die Geschäftsleiterin der "Schutzhöhle" den Kindern zu zeigen, dass es wichtig ist, über das eigene Erlebte und die Gefühle, die dabei entstanden sind, zu sprechen.

Danach geht Tamara Luding, wenn sie in den Klassen eins bis vier ist, immer auf Geheimnisse ein. "Wie fühlt sich denn ein Geheimnis an im Bauch?", fragt sie die Schüler dann. Die Schüler sollen lernen, zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden. Und, was ganz wichtig ist: "Die Kinder sollen wissen, an wen sie sich wenden können." Eltern, Freunde, Geschwister, Opa oder Oma, das sollen die Schüler in den außergewöhnlichen Schulstunden für sich selber herausfinden.


Über Geheimnisse sprechen



Mit einem Theaterstück zeigen Tamara Luding und Jasmin Greßmann, was die Kinder in Notfällen tun können. Welche Lösungen es für eine Situation gibt, in der sie selbst vielleicht einmal in Bedrängnis geraten.
Tamara Luding und Jasmin Greßmann erzählen in dem Stück die Geschichte von Max, der immer wieder in schwierige Situationen gerät. Dabei wird den Schülern auch gezeigt, wie ein Onkel ziemlich aufdringlich wird. Und mal ein Küsschen von Max will. Max weiß nicht, was er tun soll, der Onkel ist ja ein Familienmitglied, den Max nur ungern verraten will.

Die Schüler sollen während des Theaterstücks immer wieder ihre Vorschläge einbringen, was Max denn machen könnte in der jeweiligen Situation. "Wegrennen" ist die erste Lösung in der Situation mit dem Onkel, schlägt Tamara Luding den Kindern vor.

Auf ein Brett lässt die Erzieherin die Schüler dann kleine Zettel nageln, auf denen Klassenlehrerin Christel Kaiser die Lösungen der Schüler aufgeschrieben hat. Auf den Zetteln stehen Verhaltensregeln und Ansprechpartner, sie bilden ein Netz, das für die Kinder Hilfe und Erinnerung sein soll, sollten sie einmal in eine solche Situation geraten.

Und am Schluss des Präventionsunterrichts stehen alle noch einmal auf, werfen ihre Arme nach vorne, und rufen: "Ich sag' nein, lass das sein!"