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Lichtenfels
Infranken trifft

Platzwart in Oberwallenstadt: Karl, der Camping-Kumpel

Im Lichtenfelser Stadtteil Schney wird dem Reporter zunächst nicht allzu viel geboten. Das ändert sich, als er den sympathischen Platzwart vom "Maincamping" in Oberwallenstadt kennen lernt.
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"Chef" auf dem Maincamping: Platzwart Karl Gröschel.
"Chef" auf dem Maincamping: Platzwart Karl Gröschel.
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Warum nicht mit dem Fahrrad? Gefragt, getan. Bei meiner vierten "inFranken trifft"-Tour erkunde ich das Obere Maintal mit dem Mountainbike. Von Coburg aus geht's knapp 17 Kilometer in den Lichtenfelser Stadtteil Schney. Ein Navi ist nicht nötig, die Strecke ist vorbildlich ausgeschildert. Und das Beste: Auf der Tour durch kleine Ortschaften, über staubige Flur- und großzügige Radwege wird dem Reporter eine Menge geboten. Nach knapp 90 Minuten folgt auf eine unbeschwerte Radtour allerdings die große Ernüchterung...

Alles fängt schon recht unglücklich an: Mein Dartpfeil hat die Bahnschienen auf der Strecke zwischen Lichtenfels und Ebersdorf getroffen. Weil ich nicht lebensmüde bin, erkunde ich stattdessen die Umgebung. Die evangelische Kirche St. Maria liegt unterhalb der Schienen. Die Türen sind geöffnet, innen übt eine Frau das Orgelspiel. Ich habe spontan Lust, mit der Pfarrerin über Gott und die Schneyer zu sprechen. Die Gottesdienerin, erfahre ich, weilt aber im Urlaub.

Direkt nebenan steht das Schloss Schney. Über das Baudenkmal, erklärt mir eine freundliche Sekretärin, könne mir der Geschäftsführer etwas erzählen. Der lauscht unserem Gespräch vom Kopierer aus, winkt allerdings ab. "Wenig Zeit. Wenn, dann in einer halben Stunde." Dann eben weiter.


Keiner daheim

Da war doch noch was? Richtig: die Korbmacherei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blühte diese Industrie am Obermain auf. Von Lichtenfels aus wurden weltweite Handelsbeziehungen aufgebaut. Auch in Schney wird das Handwerk noch ausgeübt. Das könnte ich mir zeigen lassen. Doch wieder Pech: Der Besitzer der "Flechtstube" ist nicht daheim. Und auch beim Obst- und Gartenbauvereins stehe ich vor verschlossenen Türen.

Dann eben ein leckerer Kaffee in der "Cafeteria zur Rosi". Die habe ich beim Vorbeiradeln in einem Hinterhof entdeckt. Doch auch Rosi weilt im Urlaub. Außerdem gibt sie ihr Geschäft zum 1. September auf. "Ich danke meinen Stammgästen" steht auf einer Kreidetafel. Echt schade.
Langsam macht sich Frust breit. Da hilft nur eine Stärkung. Auf Höhe der Metzgerei Nowotny kitzelt Fleischgeruch meine Nase. In einem Grillwagen werden Bratwürste und Steaks gebraten. Während ich mir eine Wurst schmecken lasse, beobachtet mich ein Gast vom Verkaufstresen aus. Ich wage es. "Nicht besonders viel los hier in Schney. Alle im Urlaub?" "Ja. Kann sein. Urlaub", lautet seine knappe Antwort.

Ich gebe nicht auf und strampele schnurstracks in die Natur. Am Mainufer vernehme ich lautes Kinderlachen, sehe aber nichts. Eine junge Hundebesitzerin gibt mir den entscheidenden Hinweis: der Ortswiesensee.
Ein guter Tipp. Der Badesee ist bestens besucht. Junge Burschen wagen vom Steg aus tollkühne Kopfsprünge, Mädchen malen mit den Füßen ihre Namen ins Wasser, Mütter und Väter räkeln sich in der Sonne. Ständig kommen neue Badegäste, wahrscheinlich ist halb Schney heute hier.

Direkt nebenan, zwischen Badesee und Main, befindet sich der Campingplatz "Maincamping". In der Rezeption sitzt Karl Gröschel am Computer. Der sympathische Platzwart, das merkt man schnell, ist beliebt bei den Stammgästen. Man schätzt seine kumpelhafte Art. Nahezu jeden begrüßt und verabschiedet Gröschel mit einem lockeren Spruch.


"Ich kann gut mit Menschen"

Neuankömmlinge lernen den 59-Jährigen schnell kennen. "Was hast du denn für ein Oberteil an? Kommst du vom Schützenfest", empfängt Gröschel einen Herren mit neongelben T-Shirt, der gerade erst sein Wohnmobil geparkt hat. Der Schmalkaldener kann gar nicht anders: Lachend folgt er dem Chef in die Rezeption.

Bei einem Rundgang zeigt mir Gröschel "seinen" Platz. Seit sechs Jahren hat der Vollbartträger hier das Sagen. Vorher war er Busfahrer. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, hat er sich sofort beworben. "Der Job passt zu mir. Ich kann gut mit Menschen", sagt Gröschel, der neben der Rezeptions-Arbeit auch als Eisverkäufer, Haus- und Bademeister, Erste-Hilfe-Beistand und Reiseführer gefragt ist. Gerade im Sommer, wenn nahezu ständig alle 136 Plätze besetzt sind, ist immer was zu tun.

Bereut hat Karl Gröschel den Karriere-Schritt aber nicht. Ganz im Gegenteil. Während er zwischen den Zelten umherstreunt, einem Dauercamper die Zeitung auf den Camping-Tisch legt und bei dem nächsten eine Prise Schnupftabak abstaubt, sagt er: "Ein Job muss einem Menschen Spaß machen. Da habe ich echtes Glück."
Die Camper lieben ihren Kumpel Karl". Er wird gegrüßt, eingeladen und um Hilfe gebeten. Und immer wieder fällt ein lockerer Spruch. Spätestens als Gröschel über seine Zukunft spricht, weiß man, wie sehr auch er diesen Ort am Main ins Herz geschlossen hat. "Wenn ich Rentner bin, kaufe ich mir einen Wohnwagen. Und dann mache ich hier Dauercamping."

Auf dem Weg zu meinem Fahrrad wird Gröschel von einer Camperin angehalten. Mit dem Strom passt etwas nicht. Zeit, tschüss zu sagen. "Vielleicht sieht man sich ja noch mal. Ich verspreche dir: Wenn du einmal hier warst, kommst du wieder", verabschiedet mich der 59-Jährige mit einem Lächeln.

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