Bad Staffelstein
Landfrauentag

Plädoyer für das Ehrenamt beim Staffelsteiner Landfrauentag

Sechs mitten im Leben stehende Frauen erläutern, wie und wo sie Verantwortung übernehmen.
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Mit fröhlichen Weisen erfreute der vielstimmige Landfrauenchor und der Leitung von Dirigentin Eva-Maria Schnapp. Fotos: Mario Deller
Mit fröhlichen Weisen erfreute der vielstimmige Landfrauenchor und der Leitung von Dirigentin Eva-Maria Schnapp. Fotos: Mario Deller
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Es zählt nicht nur, dass wir gelebt haben, sondern der Unterschied, den wir im Leben anderer bewirkt haben, wusste schon der berühmte Nelson Mandela. Den zeitlos aktuellen Charakter dieser Sichtweise unterstrich der Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes, heuer unter dem Motto "Landfrauen tragen Verantwortung".
Die Veranstaltung in der Peter-J.-Moll-Halle bot einen gelungenen Mix aus engagierten Reden mit teilweise recht deutlichen Worten, persönliche Einblicke in proppenvolle Terminkalender und unterhaltsamen musikalischen Beiträgen. Neben zahlreichen Gästen des Bayerischen Bauernverbandes und des Amtes für Landwirtschaft sowie natürlich den Landfrauen konnte Kreisbäuerin Marion Warmuth neben weiteren Vertretern aus Politik und Geistlichkeit auch etliche Bürgermeister aus dem gesamten Landkreis begrüßen, darunter Jürgen Kohmann, quasi als "Hausherr".


Geschichte der "Wunderblume"

Das Ehrenamt gebe einem sehr viel, meinte Pfarrerin Anne Salzbrenner, die Hauptrednerin. Anschaulich mithilfe einer hübschen Geschichte von einer "Wunderblume" und zwei Prinzessinnen, die diese völlig unterschiedlich behandelten, rückte die Referentin das Thema in ein positives Licht. "Menschen, die bewusst Verantwortung übernehmen, werden offen, stärker, selbstständiger." Wer außerdem Gott als wichtigen und wertvollen Kraftquell nutze, traue sich Verantwortung auch eher zu, so Salzbrenner, die an alle appellierte, den Satz mit Inhalt zu füllen, der da lautet "Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen."
Beim Landfrauentag wurde hier und da auch richtig Tacheles geredet. So thematisierte Kreisbäuerin Warmuth unumwunden auch die nicht zu verhehlende Nachwuchsproblematik im Ehrenamt: "Die jungen Menschen wissen oft gar nicht, was sie für ein Potenzial haben." Der Kontakt der gesamten Bevölkerung zur Landwirtschaft bilde die Grundlage für ein gelungenes und von Verständnis geprägtes Miteinander, so ein wichtiges Anliegen der Kreisbäuerin, die ferner auch Projekte wie "Landfrauen machen Schule" oder den "Tag des offenen Hofes" einging. Nachdenkliche Mienen sah man in den Gästereihen, als Warmuth das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" scharf kritisierte. Mit Artikeln wie "Kälber für die Tonne" zeichne die Zeitschrift ein falsches Abbild, "das jeder Grundlage entbehrt". Diese Jagd nach spektakulären Schlagzeilen könne sie nicht begreifen: "Das ist offenbar alles eine Frage des Geldes, die Wahrheit scheint dabei nicht so wichtig." Da verstehe sie auch vollkommen die Reaktion einer Bäuerin hierauf, welche, darauf angesprochen, gemeint habe: "Wenn jetzt nur noch auf die Bauern eingeprügelt wird, werde ich zur Selbstversorgerin."
Landrat Christian Meißner stärkte in seinem Grußwort der Bauernschaft demonstrativ den Rücken, sprach, auch zu den deutlichen Worten der Kreisbäuerin Stellung beziehend, Mut zu: "Millionen und Abermillionen Menschen wissen, was ihr leistet, und was wir an der Landwirtschaft haben."
Eintauchen in die Lebenswirklichkeit von sechs mitten im Leben stehenden Frauen, die in unterschiedlichsten Bereichen Verantwortung übernehmen, konnten die zahlreichen Gäste bei einer Gesprächsrunde unter der Moderation von Josef Breunlein. Hieran nahmen teil Pfarrerin Anne Salzbrenner, die Ebensfelder Bauunternehmerin Gisela Raab, stellvertretende Kreisbäuerin Martina Weiß, stellvertretende Bezirksbäuerin Rosi Kraus, die Zweite Lichtenfelser Bürgermeisterin Sabine Rießner sowie last but not least Bundestagesabgeordnete Emmi Zeulner. Eine 35-Stunden-Woche hat keine der Genannten.


Planung und Zeitmanagement

Klar, wenn es darum geht, Beruf, Familie und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, sind Planung und Zeitmanagement das A und O, wurde deutlich. Ein entscheidender Punkt, der die nötige Energie verleihe, sei aber die "Freude, an dem, was man tut", betonte etwa Emmi Zeulner. "Mein wichtigstes Fundament ist die Familie", wies Rießner auf diesen in der Gesprächsrunde immer wieder hervorgehobenen "Akku" hin.
Alle sechs Teilnehmerinnen gewährten spannende und ehrliche Einblicke in ihr Alltags- und auch Seelenleben. Wie eine Maschine funktionieren, das können auch solche Vorbilder nicht, und als solche sind die Genannten durchaus zu bezeichnen. "Man muss sich generell lösen von dem inneren Zwang, perfekt sein zu wollen. Ich will das auch gar nicht, habe auch meine Ecken und Kanten", lächelte Pfarrerin Salzbrenner.
Dem von Sabine Rießner bei den Abschluss-Statements zur Gesprächsrunde geäußerten Wunsch, es mögen sich immer genügend Menschen für die Ehrenämter finden, kann man sich nur anschließen. Dass Herausforderungen in Gremien des Agrarsektors und in der Gesellschaft insgesamt umso leichter zu bewältigen sind je mehr Ehrenamtliche sich die Aufgaben teilen, wurde an diesem Nachmittag zu Recht ebenso hervorgehoben. "Nur miteinander können wir etwas erreichen, vor Ort, in Europa und in der Welt", so Anne Salzbrenner.
Mit Musik geht alles besser, das gilt sei jeher auch für den Landfrauentag in Bad Staffelstein. "Auf dieser Welt sollst du dich jeden Tag erfreu'n", hieß es in einem Lied des Landfrauenchors, der unter der Leitung von Eva-Maria Schnapp an anderer Stelle auch mit brasilianischen Klängen einheizte.
Für schmunzelnde Gesichter sorgte außerdem Kurt Schleicher, bekannt als Gitarrist der Gruppe "Saitenwynd" mit Liedern in fränkischer Mundart. So präsentierte der Barde einen von kulinarischen Genüssen erzählenden Blues und begeisterte auch mit einer musikalischen Hommage an das linguistische fränkische Alleinstellungsmerkmal "fei". Und so lässt sich nach der von "Jetzt-erst-recht-Optimismus" geprägten Veranstaltung angesichts der Widrigkeiten und Schwierigkeiten, mit denen Landwirte (weiterhin) umzugehen haben, zusammenfassend im Brustton der Überzeugung auf gut fränkisch festhalten: "Bauern sind fei wichtig."
Das gilt auch und gerade im Jahr 2017. Smartphones und Autos kann man nicht essen.
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