Rothmannsthal
Zeltlager

Pfadfinder wollen eigene Lebenswelt in der Balance halten

660 Jugendliche und deren Leiter im Alter von 16 bis 22 Jahren wollen die Welt ein bisschen besser und nachhaltiger machen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Balancieren auf einem schmalen Spanngurt gehört zu den sportlichen Aufgaben. Feuerwehrmann Sepp Obermaier (links) bewertet den Feuerwehr-Parcours. Foto: Andreas Welz
Balancieren auf einem schmalen Spanngurt gehört zu den sportlichen Aufgaben. Feuerwehrmann Sepp Obermaier (links) bewertet den Feuerwehr-Parcours. Foto: Andreas Welz
+5 Bilder
Abenteuer, den Geruch des Waldes und des Lagerfeuers mögen die Pfadfinder. In diesen Tagen findet das Sommerlager "Zefix 2016" der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) im Pfadfinderzentrum Rothmannsthal statt. Rund 660 Jugendliche und deren Leiter im Alter von 16 bis 22 Jahren (Rover) aus ganz Bayern erleben spannende Tage bei herrlichem Wetter in der reizvollen Umgebung des Fränkischen Jura.


Freizeit und Inhalte

Die 150 ehrenamtlichen Helfer organisieren das Zeltlager, und alles klappt wie am Schnürchen. Neben dem vollen Freizeitprogramm werden den jungen Scouts auch Inhalte vermittelt. Die Jugendliche und junge Erwachsene gestalten ihren Lebensraum und setzen sich für eine bessere Welt ein. Wie immer bei Lageraktionen stehen auch bei "Zefix 2016", eine Verballhornung von "Kruzefix", die Gemeinschaft und die Organisation des Zusammenlebens im Mittelpunkt.

Die Roverrunden aus ganz Bayern wurden in zwölf Zeltdörfer mit je rund 50 Personen aufgeteilt. Dorfvertreter wurden gewählt, damit das Dorfteam in den ersten Tagen möglichst schnell zusammenwächst. Denn Teamgeist ist bei der Wettkampfphase wichtig, in denen die Dörfer gegeneinander antreten.


Vitaminreiche Kost

Bei einem Rundgang durch die Zeltdörfer mit dem Pressechef der Rover, Benedikt Thalhammer aus München, wird die vorbildliche Organisation deutlich. Die Gruppen versorgen sich in den eigenen Dorfküchen selbst, vitaminreiche Kost steht auf der Speisekarte. Erfahrene Köche stehen den Küchenhilfen zur Seite.
Magnus bereitet gerade Champignons vor. Der gute alte Pfadfinderhut ersetzt die Kochmütze. Das Abwasser wird in die Kanalisation geleitet. Trinkwasser kommt aus dem Rothmannsthaler Netz. Auch die dortige Feuerwehr ist informiert. Ein Unterflurhydrant befindet sich auf dem Gelände. Die Veranstaltung wird unterstützt von der DPSG-Stiftung, dem Sys-Team Ebensfeld und Rießner Gase Lichtenfels .
Bei den Wettkämpfen fällt auf, dass die Messlatte sehr hoch angelegt wird. Zum Beispiel muss mit verbundenen Augen eine Jurte, ein großes rundes Zelt, aufgestellt oder komplizierte Knoten geknüpft werden. Die Zeit wird bewertet. Sepp Obermaier, ein angehender Berufsfeuerwehrmann aus München, hat den Feuerwehr-Parcours abgesteckt. Es gilt auf einem schmalen Spanngurt, der Slackline, zwischen zwei Bäumen die Balance zu halten. Auf einer Landkarte müssen Orte lokalisiert werden. Das Thema lautet "Gott mit dir, du Land der Bayern". Auch ein Nachtgeländespiel steht auf dem Programm.
Der Clou des Bayernlagers ist eine Kirchweih, die alle Gruppen gemeinsam feiern. Am Mittwoch ist es soweit: Ein großer Kirchweihbaum wird aufgestellt unter dem der Plantanz stattfindet. Am Morgen findet ein Lagergottesdienst mit Malte Krapf und Tobias Bienert, Kuraten in der DPSG, statt. Natürlich gehört auch ein Riesenrad dazu, dass aus Holzbalken gebaut wird. "Zimmermeister" Matthias Dellermann hat dafür rund 50 Meter Kanthölzer und 20 Meter Gewindestangen geordert.


Bierkisten als Blumentöpfe

Auch in den Dörfern herrscht rege Bautätigkeit. Sitzgruppen werden aus Paletten gezimmert, oder Schaukeln angefertigt. Der Blumenschmuck kommt nicht zu kurz. Leere Bierkisten dienen als Blumentöpfe. Auf dem Zeltplatz steht ein riesiges Teezelt, rund 30 Meter lang und zehn Meter breit, ist es aus Zeltplanen zusammengesetzt. Beim Lagerleben ist auch der kulturelle Austausch wichtig. Schließlich kommen dort Jugendliche aus ganz verschiedenen Regionen zusammen. Im Camp K (Eigenname "Hinterfusselhacking") lernen die Pfadfinder aus Nürnberg, München und Rosenheim die Eigenarten der jeweiligen Gegend kennen. Mit einem geliehenen Rollstuhl die Barrierefreiheit testen, Teilnahme bei einer Stadtratssitzung, Anlegen eines Geocaches, Entwurf eines eigenen Kleidungsstücks - das sind nur einige Aufgaben einer langen Liste, die die Rover als Gruppenarbeit schon in der Zeit vor den Lager absolvieren mussten. Als Foto oder Video dokumentiert, erfolgt die Präsentation dann auf dem Lager und wird von einer Jury auch prämiert. Die eigene Lebenswelt nachhaltig zu gestalten, bedeutet für die Pfadfinder, so zu leben, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen einzuschränken. "Wir kommen unserer ökologischen und ökonomischen Verantwortung nach und setzen uns für einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung ein", unterstreicht Benedikt Thalhammer.
Auch Internationalität gehört zum Grundverständnis des Pfadfindertums. Ein wichtiger Aspekt in dieser Arbeit sei, Vorurteile gegenüber ausländischen Mitmenschen abzubauen und dies den Kindern und Jugendlichen im Verband nahe zu bringen. Bei der Rollstuhlaktion wurden Erfahrungen behinderten Menschen gesammelt. Alle hatten in einer integrativen Gruppe die Möglichkeiten und den sicheren Raum, sich, die Gruppe und das Leben in Gemeinschaft auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. "Wir wollen nicht, dass Menschen mit Behinderungen am Rand der Gesellschaft stehen, sondern mitten drin - im Leben", so Thalhammer.
Marcus Schober aus Unterneuses ist beim Stamm Andechs-Rothenau Bad Staffelstein. Mit sechs Rovern ist er beim Lager in Rothmannsthal. Schon in der dritten Klasse in Ebensfeld hat er sich für die Pfadfinder begeistert. In seinem Lagerdorf "Fuchsdaifelswilder Schumpenstadel" fühlt er sich wohl. Auch er steht hinter den Zielen der Pfadfinderschaft und will die Welt, wie der britische Kavallerie-Offizier und Gründer der Pfadfinderbewegung, Baden Powell, lebenswerter machen. Nach dem Abitur im Meranier-Gymnasium in Lichtenfels wird er in Nürnberg Maschinenbau studieren und natürlich bei den Rovern bleiben.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren