Da kommt er angefahren, der Bürgermeister. Auf leisen Reifen. Kein Geräusch zu hören - obwohl so ein alter Polo doch laut wie ein Traktor sein müsste. Fehlanzeige. "Die absolute Entspannung", sagt Jürgen Kohmann (CSU) zum E-Polo, "Modell IBC-Chef Udo Möhrstedt", der das Gehäuse einst am Hamburger Hafen erstanden hat. Eine Sonderausführung, Baujahr 2012. Deshalb auch das rote LIF-Kennzeichen.

Aber egal. Das Besondere an dem knallroten Gefährt ist ja eh das Innenleben. Zwölf Bleibatterien mit einer Spannung von 144 Volt im Kofferraum. Damit kommt das Auto auf 110 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit und 80 bis 90 Kilometer Reichweite.

Kohmann, der mit den leisen Reifen, stellt das Fahrzeug auf dem Parkplatz bei IBC Solar in Bad Staffelstein ab, steigt aus, und schreitet gleich zur Tat. Jetzt wird an einem der beiden Ladestationen getankt.

Jürgen Kohmann, der Staffelsteiner Bürgermeister, macht das sozusagen offiziell - zur Eröffnung. Die beiden Ladestationen liefern jetzt Strom aus der Solaranlage des Unternehmens. Allein auf dem Gebäude, an deren Seitenwand die beiden Stationen angebracht sind, werden 8000 Kilowattstunden pro Jahr von der Neun-Kilowatt-Hausanlage produziert.

Mit einer Karte kann Strom getankt werden. Also Kabel ausrollen. Tankdeckel öffnen. Kabel anstatt Tankstutzen
rein. An die Ladestation angeschlossen - Karte an den Sensor - und los geht's. Kohmann macht es vor, und ab jetzt können es andere nachmachen, denn obwohl die Ladestation auf dem Gelände von IBC hängt, kann sich jeder bedienen: "Jeder, der mit einem Elektrofahrzeug kommt, darf bei uns kostenlos tanken", sagt IBC-Chef Udo Möhrstedt. Allerdings braucht derjenige dann auch eine Berechtigungskarte vom Solarunternehmen.

Der Vorteil der Ladestation gegenüber der herkömmlichen 230-Volt-Steckdose (ca. 3,7 KW), an die in der Regel jedes E-Mobil angeschlossen werden kann, ist, dass auch ein Anschluss mit 400 Volt (ca. 22 KW) vorhanden ist. Dadurch wird das Aufladen des E-Polos von über vier Stunden auf 45 Minuten verkürzt.

Die E-Fahrzeuge würden in Zukunft verstärkt aufkommen, waren sich Möhrstedt und Kohmann einig. Die Gemeinde überlege ohnehin, für den Bauhof ein Fahrzeug anzuschaffen. Das Gefühl fürs E-Fahrzeug hat der Bürgermeister jedenfalls schon. Die Tankstelle für die Stadt würde dann aber voraussichtlich Eon bauen.