Lichtenfels
Erzählkunst

Nicht nur für den Sultan reserviert

Sibylle Friz und Birgit Förstner boten in der ehemaligen Synagoge Musik und Verse rund um "Scheherezades Geheimnis".
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Exotische Klänge gab es bei dem Auftritt der beiden Künstlerinnen zu hören. Foto: Kristina Seeliger
Exotische Klänge gab es bei dem Auftritt der beiden Künstlerinnen zu hören. Foto: Kristina Seeliger
Mit dem Programm "Scheherazades Geheimnis" wurde das Lichtenfelser Publikum in der ehemaligen Synagoge mit Witz, Charme und Sinnlichkeit auf eine musikalische Reise in die schillernde Welt von 1001 Nacht entführt. Sibylle Friz, Musikerin, Schauspielerin und Lehrerin, präsentierte zusammen mit der ebenfalls freiberuflichen Cellistin und Schauspielerin Birgit Förstner orientalische Erzählkunst.

Exotische Klänge von Cello, Flöte, Trommel, Fuß- und Hüftschellen, vermischt mit orientalischer Kulturgeschichte erfüllten an diesem Abend die ehemalige Synagoge. Auf dem besten Sitzplatz thronte das Schild mit der Aufschrift: "Reserviert für den Sultan" stellvertretend für eine zentrale Rolle des Abends.


Messlatte lag hoch

Erwartungsvoll begrüßten die Zuschauer die beiden Darstellerinnen, die bereits mehrmals in Lichtenfels gastiert hatten. Mit den Stücken "Alles Fromage!" und "Barock auch Chocolat" setzten sie die Messlatte bereits in der Vergangenheit sehr hoch, blieben in guter Erinnerung und konnten diesmal erneut überzeugen.

Vermischt mit abwechslungsreicher musikalischer Untermalung auf hohem Niveau erzählten Friz und Förstner in szenischer Darstellung Geschichten wie die "des Fischers", "des Kaufmanns und seines Papageis", oder von "Ibrahim, dem Wahnsinnigen". Ihren Ursprung hatten die Erzählungen in den persischen Geschichten aus 1001 Nacht. Der persische König Schahrayâr, von seiner Frau mit einem schwarzen Sklaven betrogen, fasste den Entschluss, sich nie wieder von einer Frau hintergehen zu lassen. Er heiratete fortan jeden Tag eine neue Frau, welche er am nächsten Morgen töten ließ. Um dem ein Ende zu bereiten, ließ sich Scheherazade selbst mit dem König verheiraten. Sie weckte die Neugier des Sultans, indem sie ihm, inspiriert durch ihre Schwester, spannende Geschichten schilderte, deren Fortgang sie vor Morgengrauen abbrach. Neugierig auf das Ende der Geschichte ließ König Schahrayâr sie am Leben.

Neben der Bedeutung Scheherazades für die Literatur berichteten die Darstellerinnen von weiteren Meilensteinen, welche die Dichtung des Orients nach Europa überlieferten. So ist z. B. das Schriftgut Else Laske-Schülers geprägt von orientalischen Motiven und erzählt von Jerusalem und dem gelobten Land. Aber auch Elsa Sophia von Kamphoevener galt als Märchenerzählerin und einmalige Interpretin ihrer Geschichten aus Fernost.


Duette mit Querflöte und Cello

Dazu weckte die Komposition der Oper Aida auch in diesen Landen die Faszination für das Morgenland. Inwiefern sogar die arabische Sprache in Deutschland Gebrauch findet, verdeutlichten die Künstlerinnen anhand einer Kurzgeschichte, die arabische Wörter wie Kaffee, Mokka, Zucker oder Giraffe beinhaltete. Technische Perfektion bewiesen sie bei ihren fernöstlich klingenden Duetten mit Querflöte und Cello.

Neben den Einblicken in die arabische Kultur, genoss das Publikum die flotten Verse: "Im Harem sitzen heulend die Eunuchen. Die Lieblingsfrau des Sultans ist entfloh'n." Mit Versen wie diesen aus "Skandal im Harem" von Gerhard Winkler entlockten Friz und Förstner dem Publikum fröhliches Gelächter. Dazu komplettierte die liebevolle Kostümierung der Künstlerinnen authentisch die Atmosphäre von 1001 Nacht und entließ die Zuhörer mit einem Hauch orientalischem Glanz.


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