LKR Lichtenfels
Sommerinterview

Neuer Rotary-Präsident: "Ein Club mit vielen Facetten"

Malermeister Martin Vogt ist Präsident des Rotary Clubs Obermain. Wie sich das Clubleben entgegen so mancher Vorurteile darstellt, verrät er im Gespräch.
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Foto: Maximilian Glas
Foto: Maximilian Glas
Der Name ist bei Rotary Programm. Bei allen 35 000 Service-Clubs weltweit wechselt die Position des Präsidenten jährlich. So auch beim Rotary Club Obermain. Seit Juli steht der Malermeister Martin Vogt aus Stetten für ein Jahr an der Spitze des aktuell 40 Mitglieder umfassenden Clubs. In den nächsten Monaten bringt der 51-Jährige seine individuellen Ideen ein und realisiert mit den anderen Mitgliedern drei große Projekte in der Region.

Herr Vogt, seit 15 Jahren sind Sie Mitglied im Rotary Club, seit einigen Wochen nun Präsident. Eine große Umstellung?
Martin Vogt: Ja, das gebe ich schon zu. Die Herausforderung liegt dabei weniger in der Organisation meiner Zuständigkeitsbereiche - es ist aber nicht immer einfach, die Vielzahl der Aufgaben und unterschiedlichen Persönlichkeiten im Club unter einen Hut zu bringen.
Der Rotary Club Obermain ist ein Club mit vielen Facetten. Unsere Mitglieder kommen aus zahlreichen Bereichen, vom Unternehmer über Beamte und Ärzte bis hin zum Handwerksmeister wie mir. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, wenn es um unsere Aktivitäten und Projekte geht, und so werden manche Dinge auch einmal heiß diskutiert. Mir macht die Aufgabe insgesamt viel Spaß, auch wenn die Freizeit seit meinem Amtsantritt etwas geringer ausfällt.

Wie bekommen Sie diese Aufgabe zeitlich neben Ihrem Malerbetrieb geregelt?
Acht Stunden muss ich als Präsident schon pro Woche investieren. Aber ich habe schon in vielfältiger Hinsicht vom Club profitiert, sei es durch persönliche Erfahrungen, Freundschaften und das schöne Gefühl, immer wieder Teil von für die Allgemeinheit sinnvollen Projekten zu sein. Ich denke, da war es an der Zeit, auch etwas zurückzugeben. Wir begegnen uns im Club auf Augenhöhe, ganz egal, welche Profession man hat. Der interdisziplinäre Austausch ist spannend - man schaut immer wieder über den eigenen Tellerrand und profitiert von dem Wissen der anderen.

Wie kamen Sie damals zum Club?
Die meisten Freunde im Club - wir Rotarier sprechen uns ja mit "Freund" an - habe ich schon vorher gekannt. Viele waren Kunden von mir, so bin ich dann wahrscheinlich auch zum Club gekommen. Vor 15 Jahren war es noch außergewöhnlich, dass ein Handwerker zu Rotary gekommen ist. Mit 35 Jahren war ich damals einer der Jüngsten überhaupt.

Ist die Altersstruktur heute anders?
Der Jüngste ist aktuell 37. Auch heute tut man sich noch etwas schwer, junge Leute zu finden. Viele wissen nicht, was das Konzept von Rotary ist oder wie es funktioniert. Rotary wird teilweise als eine Art Sekte oder Freimaurertum angesehen. Das hat mit der Realität natürlich nichts zu tun.

Wie stellt es sich in der Realität dar?
Wir treffen uns einmal wöchentlich in einem Raum in Kloster Banz. In der Regel hält ein Rotarier oder ein externer Referent einen Vortrag über ein bestimmtes Thema, über den man im Anschluss diskutiert. Ein wesentliches Element des Clublebens ist gerade das - der intellektuelle Austausch unter den verschiedenen Berufsgruppen. Wir haben aus jeder Berufsgruppe einen dabei, Pfarrer, Ärzte, Rechtsanwälte, Künstler, Handwerker oder Lehrer. Jeder hat eine andere Sichtweise auf das Thema, was spannende Debatten zur Folge hat. In unserem Privatleben umgeben wir uns ja vor allem mit Menschen vergleichbaren Herkommens. Da ist es erfrischend, ab und an einen Perspektivwechsel zu machen. Abgesehen von Vorträgen und Diskussionen verbringen wir natürlich auch einfach eine schöne Zeit miteinander, sei es im Club bei gemeinsamen Ausflügen und Aktivitäten, oder im privaten Bereich mit Menschen, die man über den Club kennenlernt. Darüber hinaus gibt es - sicherlich nicht zuletzt - immer wieder interessante Projekte, die wir auf den Weg bringen.

Früher galt Rotary als reine Männer-Domäne. Gibt es bei Ihnen auch weibliche Mitglieder?
Das hat sich ja mittlerweile geändert. Seit rund 15 Jahren fordert unsere internationale Dachorganisation Rotary International, dass mehr Damen in die Clubs aufgenommen werden. Wir haben, was ich sehr bedauere, bislang noch keine Frau in unseren Reihen. Damit ist zugleich eines der Ziele meiner Amtszeit verbunden: Ich möchte der Präsident unseres Clubs sein, der als erster einer Dame ein Mitgliedszeichen überreichen darf.

Als Präsident realisieren Sie mehrere Projekte in Ihrem rotarischen Jahr. Worauf liegt Ihr Schwerpunkt?
Ich habe meine Projekte bewusst alle regional ausgerichtet. Besonders viel liegt mir am Projekt mit dem Heilpädagogischen Zentrum Lichtenfels (HPZ), das für April 2017 geplant ist. Eine bereits existierende Malgruppe wird bei uns in der Werkstatt in Stetten die Möglichkeit haben, unter der Leitung von Steinbildhauer Joachim Mende einmal mit ihr unbekannten Materialien zu arbeiten - etwa mit großen Leinwänden. Die Ergebnisse möchten wir dann im Rahmen einer Auktion zugunsten des HPZ versteigern. Für die Künstler ist diese Aktion gleich von dreifachem Nutzen: Sie sammeln neue Erfahrungen, ihre Arbeit erfährt im Rahmen der Auktion im wahrsten Sinne des Wortes große Wertschätzung, und sie ermöglichen dem HPZ, mit den Erlösen der Auktion einen neuen Malraum einzurichten. Ich freue mich sehr auf das Projekt.

Beim Projekt "Basel" hat Ihr Club im vergangenen Jahr einen jungen syrischen Flüchtling bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und der Einrichtung seiner Wohnung unterstützt. Seit genau einem Jahr macht er in Ihrem Betrieb die Ausbildung zum Maler- und Lackierergesellen. Wie zufrieden sind Sie mit ihm?
Was seine Arbeitsleistung angeht, macht sich Basel sehr gut. Er hat Talent. Ich denke aber, dass er sich in einer größeren Firma sehr schwer tun würde. Schwierigkeiten bereitet ihm vor allem die Bürokratie, der Papierkram. Letztlich steht ihm die Sprachbarriere immer wieder im Weg. Auf seinem Konto werden Gelder abgebucht, die er nicht nachvollziehen kann. Letztens ist er wieder mit seinem Mobiltelefon in eine betrügerische Abofalle getappt. Die jungen Männer brauchen in einem für sie fremden Land viele Hilfestellungen und eine gewisse Aufsicht - auch in ihrer Freizeit. Wir als kleine Firma können da ein Auge drauf haben, in einer größeren Firma wäre das schwieriger.

Welche positiven Aspekte lassen sich trotzdem für die Allgemeinheit aus diesem Projekt ziehen?
Wir haben gewissermaßen einen kleinen Meilenstein gesetzt. Es ist wichtig, den Menschen, die in unser Land kommen, unsere Kultur näherzubringen und sie - so gut es eben geht - ins Arbeitsleben einzubinden. Letztlich profitieren wir alle davon. Der Junge macht seinen Job, lernt viel und zahlt mittlerweile schon ins Sozialsystem ein. Und wir als Handwerker haben seit zwei Jahren mal wieder eine Fachkraft, die gut passt.

Das Gespräch führte Maximilian Glas.



Rotary Club

International Rotary wurde 1905 gegründet und ist weltweit die größte nicht kommerzielle Service-Organisation. In über 200 Ländern der Welt gibt es rund 35 000 Clubs mit über 1,2 Millionen Mitgliedern. Rotary fördert weltweit Frieden und Toleranz sowie die Völkerverständigung.

Lokal Der Rotary Club Obermain wurde 1989 mit 26 Mitgliedern gegründet. Heute treffen sich über 40 Mitglieder einmal wöchentlich auf Kloster Banz.

Projekte Präsident Martin Vogt hat in seiner einjährigen Amtszeit drei Projekte geplant, deren Reinerlöse einem guten Zweck zugeführt werden:
1) Baum der Hoffnung in der Vorweihnachtszeit: Aufstellen einer großen Tanne im Foyer der Obermain-Therme mit Verkauf der gespendeten Weihnachtskugeln
2) Malen mit einer Gruppe des Heilpädagogischen Zentrums in Lichtenfels im April 2017
3) Exkursion "Bier-Kunst-Kultur" auf Kloster Banz am 8. April 2017
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